MASTER – Among the Seeds of Death (2026)
(10.509) Olaf (8,5/10) Death Metal
Label: Hammerheart Records
VÖ: 16.10.2026
Stil: Death Metal
Manchmal braucht es wirklich nicht viel, um den alten Olaf glücklich zu machen. Einen knurrenden Paul Speckmann, ein paar amtliche Riffs und die Gewissheit, dass MASTER auch diesmal genau das liefern, was auf der Verpackung steht. Die Wurzeln dieser sympathischen Unbeirrbarkeit reichen bis ins Chicago des Jahres 1983 zurück, als Death Metal noch keine sauber beschriftete Schublade im Plattenladen besaß. Heute wird die Angelegenheit von Tschechien aus betrieben, doch Speckmanns musikalischer Kompass zeigt weiterhin zuverlässig Richtung Frontalangriff. Mit „Among the Seeds of Death“ liegt mittlerweile der sechzehnte Langspieler vor. Andere benötigen für so viel Beständigkeit einen Wartungsvertrag.
Die erfreulichste Veränderung fällt dabei unmittelbar ins Ohr: Der Sound gefällt mir um Längen besser als beim 2024er Vorgänger „Saints Dispelled“. Hier kommt die Wucht dieses geradlinigen Gerumpels erheblich überzeugender zur Geltung. Das Ganze hat ordentlich Fleisch auf den Rippen, lässt die ruppige Herkunft aber jederzeit erkennen. Genau diese Verbindung tut den Songs gut: Eine kräftige Produktion kann schließlich auch einer alten Dampframme zu mehr Durchschlagskraft verhelfen. Dafür muss man ihr weder einen Touchscreen verpassen noch die Bedienung per App ermöglichen.
Musikalisch bleibt es beim bewährten Zusammenspiel aus ursprünglichem Death Metal, bissigem Thrash und jener rotzigen Punk-Attitüde, die MASTER seit jeher von mancher bierernsten Brutalitätsverwaltung unterscheidet. Alex Nejezchleba an der Gitarre und Peter Bajci hinter den Kesseln ziehen mit Speckmann an einem Strang, während der Chef den Darm zupft und seine unverwechselbar kehlige Stimme ins Getümmel wirft. Der gute Mann zählt für mich ohnehin zu den sympathischsten Dudes im Metal-Zirkus. Dass er musikalisch keinen Anlass sieht, sich plötzlich neu zu verkleiden, macht die Sache noch angenehmer.
Ausgeklügelte Break-Konstruktionen und technische Spielereien stehen hier entsprechend weit hinten auf dem Dienstplan. Der Reiz liegt in Riffs, die unmittelbar greifen, im Vorwärtsdrang und in dieser angenehm ungehobelten Entschlossenheit. Das wirkt herrlich selbstverständlich. Einfachheit muss man sich als Band schließlich leisten können: Wo wenig ablenkt, sollte das Wesentliche sitzen. Und genau das tut es hier. Man kann Death Metal kompliziert machen. Man kann ihn aber auch einfach können.
Unter den neun Stücken stechen für mich „Twas Always a Plan“, „A Cell With a Door and No Slave“ und der abschließende Rausschmeißer „Let’s Revoke“ besonders hervor. Zusammen bilden sie wunderbare Anlaufstellen für alle, die Speckmanns musikalischen Dickschädel schätzen. Wobei es eigentlich keiner großen Navigationshilfe bedarf: Die gut 41 Minuten bleiben konsequent auf Kurs und vermitteln ziemlich verlässlich diesen wunderbaren Reflex, den Lautstärkeregler noch ein Stück weiter nach rechts zu drehen. Die Stücke brauchen keine ausführliche Erklärung, um Spaß zu machen. Sie brauchen Lautsprecher und einen halbwegs belastbaren Nacken.
Natürlich lässt sich angesichts einer solchen Platte trefflich über Weiterentwicklung diskutieren. Mir reicht hier die Feststellung, dass die vertraute Handschrift mit diesem deutlich überzeugenderen Klangbild wieder richtig Laune macht. MASTER klingen nach einer Band, die ihre Stärken kennt und sie mit ungebrochener Überzeugung ausspielt. Das ist nach mehr als vier Jahrzehnten keineswegs selbstverständlich und verdient mehr als ein höfliches Schulterklopfen für die Dienstjahre.
„Among the Seeds of Death“ beschert mir genau die Sorte Hörvergnügen, für die ich mir auch künftig gern die Ohren durchpusten lasse. Speckmann und seine Mitstreiter beweisen, wie viel Freude in einer beherzt durchgezogenen, einfachen Idee stecken kann. Falls im Proberaum tatsächlich einmal jemand einen musikalischen Innovationsbeauftragten einstellen möchte, hoffe ich auf ein sehr kurzes Bewerbungsgespräch. Der Posten ist überflüssig. Die Platte erfreulicherweise überhaupt nicht.
ANSPIELTIPPS:
🔥Twas Always a Plan
💀A Cell With a Door and No Slave
🎸Let’s Revoke
Bewertung: 8,5 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. Twas always a Plan
02. Among the Seeds of Death
03. Injustice and Lack of Remorse
04. A Cell with a Door and no Slave
05. Unsettled Loss
06. Within my Grasp
07. Watch a Children burn
08. Dust’s arrival
09. Let’s revoke

