FVNERAL FVKK – Indecent Idols (2026)
(10.497) Phillip (9,5/10) Epic Doom Metal
Label: Dying Victims Productions
VÖ: 23.10.2026
Stil: Epic Doom Metal
Vermutlich werde ich dieser Band niemals vergeben können. Nachdem mich das Debüt Carnal Confessions bereits zünftig aus dem Talar ballerte, ist der Gedanke natürlich nicht fern, sich schleunigst mit Merch einzudecken. Doch, weh mir, denn erstmal ist der Bandcamp-Shop seit je her ausverkauft – was natürlich in erster Linie für die Klasse der Band spricht, und zum zweiten ist es schon etwas unangebracht in meinem Jobumfeld ein Shirt mit dem Aufdruck FVNERAL FVKK zu tragen. Einer Band, die es versteht mit druckvollem, hoch-emotionalen Epic Doom das Leid der vom Kirchenstaat misshandelten Menschen einzufangen und auszudrücken. Schließlich arbeite ich mit Kindern.
So bleibt mir dennoch das Wichtigste: die Musik! Ein kleines bisschen habe ich ja gehofft, dass FVNERAL FVKK lediglich beim ersten Album bleiben, geschlossen wirkt es, ausgereift. So sehr, dass ein Nachfolger doch nur schwächer ausfallen kann, oder? Ich habe mich brutal geirrt, bedauere und widerrufe meine Hoffnung und lobpreise die Wiederkunft derer, die nicht irgendeine weitere Mummenschatz- und Kostümband rollenspielen, sondern die Materie mit der notwendigen Ernsthaftigkeit und Würde angehen.
Los geht’s mit einem Schuldbekenntnis als Intro, und was dann folgt ist ein epochaler Abriss über die Schandtaten der Kirche, nicht nur der katholischen. Es geht um vatikanische Henker (im Auftrag Gottes, versteht sich), kirchlich systematisch gedeckten Kindesmissbrauch mit einem Augenmerk auf jeweils Täter:innen sowie Opfer. Um einen Scheinprozess mit dem Leichnam eines toten Papstes, der exhumiert und verurteilt wurde, in den Tiber geschmissen, herausgeholt und wieder begraben und dann erneut exhumiert, in den Tiber geworfen, herausgeholt und wieder begraben wurde.
Ich möchte auf die genaueren Bezüge der Songs an dieser Stelle nicht weiter eingehen, da es sich durchaus lohnt, selbst ein wenig zu recherchieren. Des weiteren würde ich damit hier ein wenig den Rahmen sprengen, denn absolut jedes aufgegriffene Thema ist in seiner Abscheulichkeit nahezu unglaublich. Und doch: alles ist real passiert, und FVNERAL FVKK verarbeiten es mit einer Fingerfertigkeit und Eindringlichkeit, die einem zwangsläufig die Mundwinkel nach unten zieht.
Jedes der fünf Bandmitgleider spielt die eigene Rolle dabei bravourös. Ob es die pointierten Soli sind, das wuchtige Schlagzeugspiel, das klingt, als würde der Drummer direkt neben dir sitzen, oder die messerscharfe Rhythmusgitarre, die Riffs wie Peitschenhiebe herniederregnen lässt. Alles nur vom Allerfeinsten, punktgenau und unheimlich präzise zu Ende komponiert. Jeder Ton sitzt dort, wo er sitzen muss. Über allem thront Cantor Cinaedicus mit seinem theatralischen Pseudokirchengesang, der zu keinem Zeitpunkt aufgesetzt wirkt, sondern genau die Spezialzutat ist, die das Material hier in die Extraklasse katapultieren. Himmel, hört euch mal diesen Choralgesang in A Hidden Threnody an, wer da keine Gänsehaut bekommt, spürt echt nichts mehr, oder zahlt pünktlich seine Kirchensteuer.
Zudem bringt es die Band fertig, ein schlüssiges Album zu präsentieren, bei dem dennoch jeder Song für sich allein stehen kann. Doch ein kleiner Wehrmutstropfen muss noch sein: die knapp 42 Minuten vergehen viel zu schnell, so ein Outro hätte, auch stimmungsmäßig, noch gut gepasst! Doch glücklicherweise gibt es ja die Replay-Taste, beziehungsweise: sind Schallplatten ja auch dazu da, um umgedreht zu werden. Lasst euch dieses exzellente Stück Musik nicht entgehen! Nehmt euch Zeit dafür und wühlt euch in die Materie rein, ihr werdet euch schmutzig fühlen, aber die Musik wäscht euch rein.
Anspieltipps:
🔥 Von vorne bis hinten zum Niederknieen
Bewertung: 9,5 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. Confiteor
02. Crosses to Gallows
03. A Hidden Threnody
04. The Beasts of Speyer
05. Bishop of the Iron Guard
06. Leichensynode
07. Even in Death (We Possess You)

