VEILBURNER – All That Glimmers is Gloam (2026)
(10.485) Phillip (8,9/10) Black/ Death Metal
Label: Transcending Obscurity Records
VÖ: 16.10.2026
Stil: Black/ Death Metal
Dissonantes Pling-Pling und dann zurückhaltender Einsatz des vollen Instrumentariums. Sofort fesselnd, ob man an derart befremdlichen Klängen nun Gefallen findet oder nicht. Das Interesse ist sofort geweckt, denn mit herkömmlichen Black- oder Death Metal haben VEILBURNER auch auf ihrem bereits neunten Album in 12 Jahren nicht viel zu tun. Viel mehr sollte man ein plakativ fettes „Avantgarde“ davor schreiben und schon setzt ein Aha-Effekt ein.
Der variable Gesang wird nuanciert eingesetzt, zischend, rasselnd, grollend oder einfach nur gesprochen. Jede Textzeile erscheint so gewichtig und bedeutungsvoll und ja, so versteht man tatsächlich auch etwas vom Text. Die Gitarre verfolgt meist ein klares Motiv und wirkt doch so, als würde sie in schnellen Passagen kurz davor sein aus der Kurve zu fliegen. Damit genau das nicht passiert gibt es ja die Drums. Und meine Fresse, das was hier zusammensequenziert und -quantisiert wurde klingt derart maschinell und hypnotisch, dass Puristen sofort des Aus-Knopf betätigen. Doch dann entgeht ihnen wie unglaublich gut das alles hier zusammenpasst.
Here Is Thine Sabbath, So Mote It Chasm steht dafür stellvertretend als Opener. Allein dieser Song verbindet schwelgerische Momente, Blastgewitter und dissonante What-The-Fuck?- Momente zu einem Kleinkunstwerk. Bereits hier gibt es sagenhaft viel zu entdecken, und wer daran Spaß hat, wird die folgenden acht Songs lieben. Wie beispielsweise in Vitriolic Hiss Zerbrechlichkeit und Raserei miteinander verquickt werden, jeweils einmal ausgehend vom Schlagzeug und dann von der Gitarre ist einfach traumhaft und erschließt sich erst nach mehrmaligem Genuss dieser Scheibe.
Mein absoluter Favorit Phænomena Obscura besticht sofort mit einer (vermeintlichen) SUMMONING- Referenz bevor die Hölle losbricht, nicht jedoch ohne das rhythmische Grundgerüst zu verlassen. Wer bis hier am Ball geblieben ist, wird auch in den folgenden fünf Songs etwas finden, ohne es jemals gesucht zu haben. Zum Beispiel den entspannten fünften Track, der auch mal Raum und Zeit zum Durchatmen lässt. Nach gut fünf Minuten ist damit aber auch wieder genug und die Bestie VEILBURNER pirscht erneut angriffslustig heran um überraschend zur Attacke anzusetzen, zum Beispiel mit glockenhellen Chören in Golgothic Holocaust. Die Irrungen und Wirrungen der Tracks können so natürlich überfordernd oder überbordend wirken, wenn man auf die Idee kommt All That Glimmers is Gloam nur mal so nebenbei aufzulegen, gerade so, als würde man von einem sehr komplizierten Zug überfahren werden.
Das hier ist im wahrsten Wortsinn großes Kino. Vorm geistigen Auge erscheint, vermutlich auch provoziert durch den Bandnamen, ein alles verzehrendes Feuer, das mal mehr und mal weniger stark lodert, jedoch niemals ausgeht, sondern stets bedrohlich zischt. Wer auf AKERCOCKE, die Esoteric Warfare von MAYHEM oder IMPERIAL TRIUMPHANT steht und VEILBURNER überraschenderweise noch nicht kennt sollte spätestens JETZT zuschlagen und der Nummer hier die Aufmerksamkeit schenken, die sie benötigt. Und damit Abfahrt!
Anspieltipps:
🔥 Here Is Thine Sabbath, So Mote It Chasm
👑 Phænomena Obscura
🐍 Dis' Obedient Woe
⛓ All That Glimmers Is Gloam
Bewertung: 8,9 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. Here Is Thine Sabbath, So Mote It Chasm
02. Oblivion Is Yours to Labyrinth
03. Vitriolic Hiss
04. Phænomena Obscura
05. Dis' Obedient Woe
06. Of Godslave and Blood Mortar
07. A Séance to Spectre
08. Golgothic Holocaust
09. All That Glimmers Is Gloam

