SMOULDER – Witch Wife In An Alien World (2026)
(10.484) Maik (7,8/10) Epic Folk Doom Metal
Label: Cruz Del Sur Music
VÖ: 09.10.2026
Stil: Epic Folk Doom Metal
Wie wir alle wissen, waren die ersten dokumentierten europäischen Besucher des amerikanischen Kontinents die Wikinger. Die dortigen Ansiedlungen wurde jedoch bald aufgegeben und Vinland versank wieder in die Vergessenheit, bevor Columbus und seine Spanier dort ankamen, und das Ganze ‚Indien‘ nannten.
Doch einige der Nordmänner und -frauen scheinen sich für tausend Jahre in den Winterschlaf begeben zu haben, um nun wieder aufzutauchen, um Metal zu spielen. Zumindest könnte man das anhand des Bandfotos auf Metal Archives annehmen.
Die Rede ist von SMOULDER, einer Band, welche sich seit 2013 in den kanadischen Wäldern tummelt und nun ihr schon drittes Langspielalbum veröffentlicht. Selbiges benamst sich mit dem doch etwas sperrig wirkenden Titel „Witch Wife In An Alien World“. Wobei die kanadischen Wälder mittlerweile wohl durch die finnische Tundra ersetzt wurden.
Musikalisch ziehen SMOULDER einen weiten Bogen. Größtenteils im Epik/Doom- Bereich tätig, werden doch auch gern einmal Querverweise zu Power/Heavy Metal und gar auch Folk/Pagan Metal gezogen.
Der Opener wirkt für eine eher im Kauzigen Bereich angesiedelten Band sehr eingängig, erinnert teilweise an US-Metal oder eben auch die NWOBHM. Was bei „Water Wars“ dann etwas zur stilistischen Verschrobenheit beiträgt, ist der Gesang. Sarah Ann hat eigentlich eine starke, volltönende Stimme, und da verwundert es doch beim ersten Hören, dass hier und da wohl absichtlich mal ein Ton danebengesetzt wurde, und mit vollem Bedacht die Gesangslinie auch gern mal völlig gegen den Strom schwimmt. Und im Schlagzeug scheint ein Specht zu wohnen.
Insgesamt ist der Song aber relativ flott und die Riffs kommen auch schön hart aus den Äxten gequollen, und will sich so gar nicht in den Jutemantel der Kauzigkeit hüllen. Ebenso das folgende „Shadow Of The Vulture“, bei dem die Eingängigkeit noch stärker zutage tritt und stilistisch sogar in den Hardrockbereich schielt.
Beim teils in Finnisch vorgetragenen „Noitien Loitsu“ wird zumindest im Riffing der Epik-Kauz freigelassen, den versprochenen Doom- Aspekt vermisst man aber immer noch, dafür nimmt der Song gegen Ende noch mal richtig Fahrt auf.
Damit die Doomster unter uns nicht einem Schleudertrauma anheimfallen, kommt nun „Crush The Neophytes“ anfangs mit doomigem Riffing ums Eck, auch die Kauzigkeit, insbesonders in den Gesangslinien nimmt wieder zu. Ich finde ja, mit diesen schrägen Tönen übertreiben sie es etwas.
„Empathy’s Wrath“ nun wieder ist eine Epik-Metal- Rakete erster Kajüte. Hier stimmt einfach alles, sogar Sarah Ann fügt sich hier perfekt in den Song ein und versucht nicht die ganze Zeit, wild auf dem Steuerruder herumzuturnen. Die Riffs ziehen fett durch und die aus dem Folk Metal- Bereich gezogenen Harmonien machen den Song zum Highlight des Albums. Hier fühlt sich der Freund der Kauzigkeit wohl. Den Song hätten SMOULDER als Singleauskopplung wählen sollen!
Der Beginn von „Their Name Lives On“ beginnt wieder schön doomig und lädt zum Slow Motion Headbanging ein. Der Song bleibt auch langsam und Sarah Ann zeigt hier die Power ihrer Stimme sehr eindrucksvoll. Erinnert mich fast ein wenig an Jutta Weinhold, von der Kraft her.
Man kann nicht behaupten, dass SMOULDER die Abwechslung scheuen, denn das nun folgende „Cathedral Of The Trees“ könnte auch auf jedem Pagan Metal Album eine gute Figur machen. Es ist nun zwar weder episch noch doomig, schrammt aber sehr nah an diesen beiden Genres vorbei, wirkt aber trotz der harten Gitarren liedhaft.
Eigentlich mache ich ja ungern Song-By-Song-Reviews, und nun habe ich es doch getan, weil die Tracks eben so unterschiedlich gestaltet sind. Und so präsentiert sich auch das abschließende „Smouldering Remains“ etwas anders als die vorigen Songs. Anfangs ein Riffing, welches an MANILLA ROAD erinnert, dann wechselt das Ganze in einen fast walzerhaften Rhythmus. Die Gesangslinien sind wieder etwas schräger, aber sehr hymnisch angelehnt. Hier kommt die Verbindung aus kauziger Epik und doomiger Schwere ganz gut zusammen.
„Witch Wife In An Alien World“ ist ein Album, welches den Zuhörer fordert, vor allem, weil die Band die besten Songs in der zweiten Plattenhälfte versteckt hat. Die Scheibe ist sehr vielseitig, und gewiss eines Anhörens wert. Die Wirkung der Platte entscheidet sich an der Frage, ob man mit dem Gesang klarkommt (und mit dem Specht im Schlagzeug), was spätestens beim dritten Hördurchgang ganz gut klappt. Probehörern würde ich empfehlen, die Songs in der zweiten Hälfte zuerst abzuspielen.
Keine zwei Songs gleichen sich hier, was einerseits interessant und abwechslungsreich ist, andererseits extreme Schubladler abschrecken könnte. Ich selbst habe dann doch drei Hördurchgänge benötigt, um mich in die Lage zu versetzen, die Scheibe angemessen zu beschreiben. Ich hoffe, es ist mir ansatzweise gelungen.
Anspieltipp:
⚡ Empathy’s Wrath
🔥 Smouldering Remains
Bewertung: 7,8 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. Water Wars
02. Shadow Of The Vulture
03. Noitien Loitsu
04. Crush The Neophytes
05. Empathy’s Wrath
06. Their Name Lives On
07. Cathedral Of The Trees
08. Smouldering Remains

