METALITE – Discovery (2026)
(10.470) Karsten (2,0/10) Modern Melodic Power Metal
Label: Perception
VÖ: 25.09.2026
Stil: Modern Melodic Power Metal
Beim ersten Lesen des Bandnamens blieb erstmal „Metal Light“ hängen. Hoffentlich ist das kein schlechtes Omen. Auf der Band-Homepage kann man jedenfalls alles mögliche an Merch kaufen: Vom Mauspad über Kopfbedeckungen hin zu Klamotten, Handyhüllen und Handtüchern gibt es so ziemlich alles – nur das aktuelle Album nicht. Genauer gesagt gar kein Album von denen.
Da könnte man ja fast denken, dass es gar nicht um die Musik als solche geht?
Bislang war die Band, die nun schon seit 2015 aktiv ist, bei AFM Records und ist anscheinend zusammen mit deren alter Geschäftsführung zum neuen Sub-Label Perception gewechselt, das zu Reigning Phoenix gehört. Kaufen kann man sich den Silberling dann aber bei Napalm Records, einem der Hauptplayer in dem Gebiet und vielleicht auch zukünftige Heimat der Band, wer weiß das schon so genau. Wollen wir hoffen, dass die Musik weniger verworren ist als der Weg von der Band-Website zur CD.
Musikalisch geht es bei „Our Time Has Come“ erstmal poppig und bombastisch los bevor die Synthesizer erstmal gründlich alles plattwalzen und die Gitarren erst später wieder zaghafte Lebenszeichen aus dem Hintergrund abgeben während der Gesang dem auf Hochglanz polierten Pop versucht Tiefe und Bedeutung zu verleihen. Uff, das ist weniger von dem was ich erhofft habe und mehr von dem was ich befürchtet habe. Nun denn.
Auch beim folgenden „In Case Of Emergency“ ist der musikalische Plastikanteil so hoch, dass mir spontan zwei Gedanken durch den Kopf schießen: Erstens könnte der Albumtitel statt „Discovery“ eher „Disco very“ meinen und zweitens frage ich mich, ob man durch das Hören dieses Albums eventuell Mikroplastik ins Hirn bekommt.
Wie auch immer, in dem Stil geht es von nun an munter weiter, da hilft auch der Mix von Jacob Hansen nicht, der immerhin schon für VOLBEAT, EVERGREY und AMARANTHE an den Schiebereglern Platz genommen hat. Da hätte er lieber den Keyboarder wegsperren sollen, das hätte mehr gebracht.
Bei „The Metal Elite“ drängen sich mir spontan Vergleiche zu BEAST IN BLACK oder BATTLE BEAST auf, nur dass hier noch viel mehr schmalziger Pop dargeboten wird – von Metal keine Spur, nur „verchromtes“ Plastikspielzeug für 12jährige. Apropos Schmalz, bei der obligatorischen Ballade „Echoes Of You“ werden dann endgültig die restlichen Grenzen zum übelsten Kitsch gepaart mit Ballermann-Schlager eingerissen und ad absurdum geführt. Ich bin weiß Gott nicht religiös (der kam flach, ich weiß), aber da entfleuchte mir dann doch ein „Herrgott, gib mir Kraft!“ ob dieser klebrig-aufdringlichen Popseuche, die sich da aus den Lautsprechern ergoss. Wie krieg ich das Zeug da nur wieder raus?
Bei „Starchild“ und „Wings Of Fire“ wird es nicht viel besser, aber immerhin sind in kurzen Momenten auch mal die Gitarren hör- und spürbar – wenn auch viel zu wenig für meinen Geschmack. Diese Zuckerwatten-Synthesizer verkleben die Songs so dermaßen, dass man schon befürchten muss an Diabetes zu erkranken.
Insgesamt können auch die restlichen Songs nicht überzeugen, der 90er-Jahre Eurodance-Anteil ist einfach unerträglich hoch. Was echt eine Schande ist, da die Sängerin wirklich singen kann und auch eine gute, kraftvolle Stimme besitzt. Auch die Gitarristen beherrschen ihre Instrumente, soweit man das hinter den synthetischen Keyboardwänden sagen kann, die gnadenlos alles verdecken, was eventuell wirklich mal an Metal erinnern könnte. Gleiches gilt für den Drummer, der leider auch viel zu wenig Luft zum Atmen bekommt und wie alle anderen unter einer massiven Schicht von Hochglanzplastik begraben wird.
Ausnahme davon ist höchstens „Supremacy Of One“, das phasenweise tatsächlich so etwas wie Ecken und Kanten andeutet bevor der Synthiepop alles wieder überdeckt und ausfüllt wie so eine Art zuckerhaltiger Bauschaum. Nachdem ich das Album einmal komplett durchgehört habe, stelle ich eine gewisse Müdigkeit, ja fast schon Erschöpfung fest, die vorher nicht da war. Wahnsinn, dass so überaus eingängige Melodien, die fast schon kalkuliert wirken, so kalt, glatt und sauber wie eine KI-Produktion rüberkommen können, dass sie einem die letzte Lebensenergie aussaugen. Etwas mehr Ecken und Kanten garniert mit einem Hauch Rotz und Schmutz wäre bildlich gesprochen besser für den Klang wenn man wirklich Metal abliefern wollte.
Zusammenfassend kann man davon ausgehen, dass das vermutlich generell kommerziell ausgerichtete Fanklientel genau das geliefert bekommt was es erwartet. Denjenigen, die auch Metal erwarten, wenn Metal draufsteht, kann ich nur folgendes sagen: Bitte weitergehen, hier gibt es nichts zu hören.
Anspieltipps:
🔇Supremacy Of One
Bewertung: 2,0 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. Our Time Has Come
02. In Case Of Emergency
03. Into The Maze
04. Cyberspace
05. The Metal Elite
06. Neon Rain
07. Echoes Of You
08. Starchild
09. Wings Of Fire
10. Captive In The Past
11. Supremacy Of One
12. Triforce

