ALIBI FOR A MURDER – Dehumanization (2026)
(10.582) Phillip (8,1/10) Melodic Death Metal
Label: D.I.Y.
VÖ: 23.10.2026
Stil: Melodic Death Metal
Wenn in der Genre- Bezeichnung irgendetwas mit „Melodic Death Metal“ steht bin ich ja grundsätzlich vorsichtig. Viel zu oft bin ich damit bereits enttäuscht auf’s Maul gefallen, weil ich an THE BLACK DAHLIA MURDER dachte, aber stattdessen sowas wie INSOMNIUM oder Post Clayman IN FLAMES bekommen habe. Das ist einfach nicht mein Metier.
In diesem Fall wurde noch ein „Technical“ ergänzt, was ja inzwischen auch alles Mögliche bedeuten kann. So war ich direkt zu Beginn positiv überrascht, denn das, was einem nach dem Intro entgegenscheppert, wirkt sofort soundtechnisch sauber durchdacht. Wie eine Band, die ihren Sound gefunden hat und jetzt Nuancen nachjustiert. Nach gut 20 Jahren Bandgeschichte und dem jetzt vorliegendem dritten Album auch nicht wirklich verwunderlich. Doch hier stellt sich die Frage, wo die Band die letzten zwei Jahrzehnte war, denn ich bin bisher noch nie über sie gestolpert.
Direkt schade, denn auf Dehumanization entfaltet sich modern produziertes, breitwandig abgemischtes Material bei dem man die Vorlieben der vier Mitglieder hin und wieder heraushören kann. Sei es die an CATTLE DECAPITATION angelehnte, gerne sehr cool gedoppelte, Vokalleistung oder ein aufpoliertes DYING FETUS- Riff. Musik von Fans für Fans sozusagen. Natürlich abgeschmeckt mit einer eigenen Note, die sich in allerlei technischen Momenten offenbart. So wird mit Dissonanzen gearbeitet (Dehumanization) oder es stoßen einem seltsam anmutende Timings vor den Kopf (Convergence).
Daneben gibt es natürlich noch mehr zu entdecken, denn spieltechnisch haben ALIBI FOR A MURDER so viele Ideen, die sie auch alle umsetzen wollen. Dabei gelingt es ihnen fast immer diese Ideen schlüssig in einen Song einzubauen ohne, dass es zufällig oder erzwungen wirkt. Viel mehr kommen die Stücke so wesentlich eigenständiger daher. Dieser Eindruck bestärkt sich auch in der Tatsache, dass in der zweiten Albumhälfte die langen Songs untergebracht wurden. Gute Ideen wollen eben auch genutzt werden. Mit Blick auf den Album-Closer, bei dem die Weirdness noch mal saftig angezogen wird, kann man der Truppe nur recht geben.
Wer seinen Melodic Death Metal gerne aggressiv und maximal durchschlagkräftig mag, Blasts zum Frühstück mampft und sein Hör- Portfolio um ARCHSPIRE, THE BLACK DAHLIA MURDER und GOREWORM um eine weitere, diesmal deutsche, Band erweitern möchte, sollte hier zuschlagen. Alle anderen, die sich angesprochen fühlen, sollten zumindest mal neugierig reinhören, denn hier wird gutklassiges Material geboten, dass zwar nicht die Kinnlade offenstehen lässt, aber eine gute Zeit verspricht!
Anspieltipps:
🪓 See You in Hell
💀 King Pest
Bewertung: 8,1 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. Intro
02. Vultures
03. Convergence
04. See You in Hell
05. In Death is Silence
06. Saviour of Souls
07. Dehumanization
08. King Pest

