HATEBREED – Fatal Paradox (2026)
(10.573) Olaf (9,0/10) Hardcore
Label: BLKIIBLK
VÖ: 06.11.2026
Stil: Hardcore
Ich freue mich auf jede neue HATEBREED. Das ist bei mir inzwischen so verlässlich wie der Vorsatz, beim ersten Durchlauf die Lautstärke in einem nachbarschaftlich vertretbaren Bereich zu lassen. Der Vorsatz hält diesmal bis Kill Count Increase. Also ungefähr bis zu dem Moment, in dem Jamey Jasta das erste Mal das Maul aufreißt. Sechs Jahre sind seit Weight of the False Self vergangen, und der Kerl klingt immer noch, als hätte ihm jemand die Rechnung für einen Schaden geschickt, den er jetzt erst recht anrichten will. So kenne ich ihn. So mag ich ihn.
Als HATEBREED 1994 in Bridgeport, Connecticut, loslegten, genügten ihnen ein paar kurze, gehässige Riffs und ein Sänger, der einem jedes Wort ins Gesicht schleuderte. Auf der EP Under the Knife war das schon ziemlich genau umrissen. Mit Satisfaction Is the Death of Desire wurde daraus 1997 ein Bauplan für metallischen Hardcore, und spätestens mit Perseverance und The Rise of Brutality passte die Sache auch auf die großen Bühnen. Mich als Thrash- und Death-Metal-Kopp hatten sie mit genau dieser Mischung schnell am Wickel. Die Gitarren bringen den Stahl mit, aber darüber, wann es im Laden ungemütlich wird, entscheidet der Hardcore. Ein halber Takt Luft an der richtigen Stelle kann da mehr ausrichten als zwanzig zusätzliche Noten.
Wie gut das auf Fatal Paradox funktioniert, hat auch mit Chris „Zeuss“ Harris zu tun. Der Mann kennt die Truppe seit Jahren und hat ihr wieder einen saufetten Sound hingestellt. Die Gitarren von Wayne Lozinak und Frank Novinec drücken ordentlich von unten und behalten im schnellen Spiel genug Biss, dass die Anschläge einzeln zu greifen sind. Matt Byrne setzt die Snare so trocken dazwischen, dass ich bei den Stopps schon auf den nächsten Schlag warte. Und Jasta sitzt mitten in dem Krach, jede Silbe verständlich, jede Zeile mit Nachdruck. Wenn ihm die Gangshouts antworten, bekommt der Song auf einmal die Breite, die er live durch die Leute vor der Bühne kriegt. Genau da zahlt sich die Produktion aus. Man hört, wer gerade Platz macht und wer im nächsten Moment alles zustellt.
Kill Count Increase braucht dafür knapp zweieinhalb Minuten. Die Gitarren kommen mit ordentlich Thrash im Handgelenk, und während der Song immer mehr Fahrt aufnimmt, arbeitet sich Jasta durch einen Text, der erschreckend nüchtern bleibt. Entfernung, Puls, Körperhaltung. Ein Mensch wird erst zum Ziel und dann zur Zahl. „The dead don’t haunt them“ ist die Zeile, die mir davon hängen bleibt. In The Carrion Choir rückt die Band vom Fadenkreuz zu den Aasfressern, die schon mal ihre Kreise ziehen, wenn jemand am Boden liegt. Musikalisch geht das Stück ähnlich bissig nach vorn, doch der Refrain holt die anderen Stimmen dazu. Ausgerechnet in einem Song über Leute, die auf deinen Zusammenbruch warten, klingt die Gegenwehr am stärksten, sobald mehrere Kehlen sie übernehmen.
Das Titelstück hat für mich den übelsten Groove der Platte. Gegen Ende nehmen HATEBREED das Tempo zurück und lassen die tiefen Gitarren in kurzen Stößen arbeiten. Das gibt dem Text Platz, gerade weil er sich mit seinen großen Begriffen so wenig zufriedengibt. Wer Frieden und Sicherheit verspricht, kann im selben Atemzug verlangen, dass man sich für eine Seite entscheidet und beim Rest gefälligst wegsieht. „Hearts remember what flags forget“ bringt die Folgen davon auf eine Zeile. Daneben wirkt Make the Demons Obey fast wie eine Ansage an sich selbst. Da geht es um den Versuch, die eigenen zerstörerischen Gewohnheiten in den Griff zu kriegen. So verschieden die Ziele der Wut sind, so gut passt beides zu Jasta. Wer sich schon mal mit I Will Be Heard im Rücken durch einen beschissenen Tag gearbeitet hat, weiß, was ich meine.
Und dann kommt John Tardy. Auf For the Lions haben HATEBREED mit I’m in Pain bereits 2009 ein Stück von OBITUARY durch den eigenen Verstärker gejagt. Zehn Jahre später standen beide Bands auf der Jubiläumstour von HATEBREED zusammen auf dem Billing. Dass Tardy jetzt bei Sacrifice Season auftaucht, hat also eine Vorgeschichte. Vor allem aber passt seine Stimme hervorragend zu diesem schweren Riff. Jasta haut die Konsonanten auf den Takt, Tardy lässt die Vokale noch ein bisschen im Dreck liegen. Ich mag, wie viel Platz der Song beiden Arten von Gebrüll gibt. Mit seinen vier Minuten nimmt er sich mehr Zeit als die meisten Stücke der Platte, und die braucht er auch. Wenn man schon John Tardy im Haus hat, darf man ihn ruhig eine Weile spuken lassen.
Und dann kommt John Tardy. Auf For the Lions haben HATEBREED mit I’m in Pain bereits 2009 ein Stück von OBITUARY durch den eigenen Verstärker gejagt. Zehn Jahre später standen beide Bands auf der Jubiläumstour von HATEBREED zusammen auf dem Billing. Dass Tardy jetzt bei Sacrifice Season auftaucht, hat also eine Vorgeschichte. Vor allem aber passt seine Stimme hervorragend zu diesem schweren Riff. Jasta haut die Konsonanten auf den Takt, Tardy lässt die Vokale noch ein bisschen im Dreck liegen. Ich mag, wie viel Platz der Song beiden Arten von Gebrüll gibt. Mit seinen vier Minuten nimmt er sich mehr Zeit als die meisten Stücke der Platte, und die braucht er auch. Wenn man schon John Tardy im Haus hat, darf man ihn ruhig eine Weile spuken lassen.
Gut 35 Minuten später habe ich jedenfalls mehr Lust auf einen zweiten Durchlauf als auf irgendeine sinnvolle Tätigkeit. Fatal Paradox ist brutal, eingängig und stellenweise herrlich bösartig. Vor allem sind da verdammt gute Songs, die ich auch dann noch im Kopf habe, wenn der Krach längst vorbei ist. Einmal die Schultern ausschütteln, einen Schluck Wasser nehmen, wieder von vorne. In meinem Alter läuft das vermutlich schon unter Bewegungsförderung.
ANSPIELTIPPS:
🔥Kill Count Increase
🎸Fatal Paradox
☠️Sacrifice Season
Bewertung: 9,0 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. Kill count Increase
02. The Carrion Choir
03. Decisions become Destinies
04. Total Invincible
05. Fatal Paradox
06. Still a Threat
07. Sacrifice Season (feat.John Tardy)
08. Truth is a Lion
09. Makes the Demons obey
10. None left to save
11. Poison Planet (COC Cover)

