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ENSLAVED – Mið (2026)

(10.549) Patrick (9,5/10) Viking/Pagan Metal


Label: Nuclear Blast Records
VÖ: 30.10.2026
Stil: Viking/Pagan Metal






ENSLAVED sind erfreulicherweise eine der wenigen Bands im Genre, die ihren Viking- bzw. Pagan Metal relativ puristisch darbieten, ohne dabei auch nur einen Hauch von Kitsch im Sound zuzulassen. Zudem haben die norwegischen Berserker, trotz sämtlicher Ausflüge in den Prog-Bereich und dem Einsatz diverser Hammond Orgelsounds nie ihre schwarzmetallischen Wurzeln verleugnet und verbinden nun schon über ihre gesamte Karriere hinweg, gekonnt ihre eigene, z.T. rabiate Vergangenheit mit abgefahrenen vertrackten Songstrukturen. Kurz.....musikalisch sind ENSLAVED seit 35 Jahren ganz großes Kino! Ich gehöre da zur Sorte Super-Fan, und gerade die letzten beiden Alben habe ich sehr genossen. Die Vorfreude auf "Mid" war dementsprechend unermesslich groß, doch nun ist es so weit. Das mittlerweile 17. Album der Band liegt endlich auf meinem Plattenteller. Zeit also, wieder einmal in die Tiefen der nordischen Mythologie einzutauchen und darin hemmungslos zu versinken.

Ein stimmig atmosphärisches Intro nimmt den Hörer sofort gefangen und kurz nach den ersten Tönen des Opener "I am Ice" die von einer gesanglichen Einlage des samischen Gastmusiker Johan Sara Jr. begleitet wird, fällt mir erstmal die extreme Brutalität auf, mit der der Song unaufhaltsam durch den Gehörgang braust. Neben den alles zermalmenden Blastattacken bietet der Song so gut wie alle Stilmittel, die eine ENSLAVED Platte ausmachen. Klargesänge, spacige Keyboards, progressive Strukturen, es ist alles da. Dazu die ungewöhnlich klingenden Gesänge des angesprochenen Gastmusikers und fertig ist ein Einstand nach Maß. Einfach oder gar leicht verdaulich ist das beileibe nicht, aber wer vom Party-freien Viking Metal dieser Ausnahmeband eine Easy Listening Session erwartet, der sollte seine Ohren vielleicht doch lieber in den Dienst von Schunkelbands wie ASENBLUT stellen. 

Weiter gehts mit dem bereits als Single ausgekoppelten "Solar Will", der neben einer ebenfalls recht heftigen Herangehensweise mit irrsinnig intensiven und wahrhaft fantastischen Clean-Vocals glänzt. Diese abartig eindringliche Melodie wird mich wohl noch sehr lange begleiten. Wow. Erst mit dem dritten Song "Mountains" wird es etwas gemächlicher und die Mannen aus dem Norden nehmen mal den Fuss vom Gaspedal. An der Intensität des Stückes ändert das allerdings nichts, und so schiebt sich dieser Brocken mit einer derart fetten Präzision durch die verschneite Winterlandschaft. Gegen Ende verfällt der Song in einen Groove- und Doublebassteil, bei dem all meine zur Verfügung stehenden Extremitäten einfach nur willenlos und unkontrollierbar herumfuchteln. So muss das sein.

Bis zu diesem Punkt drängt sich der unmissverständliche Gedanke auf, dass "Mið" ein verdammtes Meisterwerk geworden ist, doch dann kommt der "Spirit Helper" um die Ecke. Ebenfalls als Single ausgekoppelt und bereits seit Juli bekannt, habe ich gehofft, diesen Song nicht auf dem neuen Album wiederzufinden, denn irgendwie tat ich mir damals schon verdammt schwer mit dieser Single. Ich würde mich schon als mittlerweile relativ schubladenfreien Hörer bezeichnen, der auch gerne mal etwas über den Tellerrand blickt, aber so weit reicht meine musikalische Weitsicht wohl dann scheinbar doch nicht. Ich will das jetzt auch nicht unnötig abwerten oder schlecht reden, aber auch hier wird mit einem Gastbeitrag gearbeitet. Dieser kommt von einem gewissen Kevin Kicking Woman (ein Ältester der Blackfeet Nation) und in meinem Kopf wollen diese indigenen Gesänge einfach nicht ins Klangbild von ENSLAVED passen, zumal die Artikulation des Gesanges auch nicht über ein "Heyjaheyjahey" in gefühlter Endlosschleife hinauskommt. Für die Band sicher ein intensives Erlebnis und Ergebnis, für mich eher anstrengend. Schwer zu beschreiben, aber der Song klingt irgendwie mehr nach "wildem Westen" als nach "frostigem Norden" und will in meinem Verständnis einfach nicht so recht zur nordisch geprägten Thematik ENSLAVEDs passen. 

Sei´s drum......man muss dem freien Willen der Kunst auch mal freien Lauf lassen. Außerdem folgt die Entschädigung direkt auf dem Fuße. Mit "Parting" ergehen sich ENSLAVED in über 8 Minuten wieder in eher gemäßigtem Tempo, bauen damit aber eine dermaßen intensive Spannung und Atmosphäre auf, die im Genre ihresgleichen sucht. Hier trifft die typisch epische Seite der Band auf das pagane Vermächtnis von BATHORY. Wahnsinn, hier regiert der blanke Spirit, welcher mir über die gesamte Lauflänge ein ums andere Mal eine Gänsepelle über den Leib jagt. Was für ein Song! 

Das nun folgende "Tales Of Trees" erinnert mich am Anfang, mit diesem Schlagzeugeinstieg ein bisschen an ULVERs "I Troldskog Faren Vild" von deren grandiosen "Bergtatt" Album. Diese anfängliche Ähnlichkeit ist allerdings nicht von langer Dauer und ENSLAVED spielen sich mit jeder weiteren Sekunde förmlich in einen Rausch. Dabei verlieren sie sich in einer wahren Hymne aus Groove und nahezu perfektem Klargesang. Ich ertappe mich dabei, wie ich mit offenem Mund und geschlossenen Augen im Genuss des Klanges untergehe. Mein Geist und meine Seele sind mittlerweile eins. Ich bin endgültig auf einer spirituellen Reise im klanglichen Kosmos dieser großartigen Band gefangen. Möge dieser fantastische Trip niemals enden! Mit dem abschließenden Titelsong, welcher ebenfalls in einer beispiellosen Epik ala BATHORY aus den heimischen Boxen quillt, schließen ENSLAVED den Kreis. In einem wunderschönen Wechselspiel aus klaren und knurrigen Gesängen bringt mich die Band wieder in meinen sicheren Heimathafen zurück.

"Mið" ist ein Album, welches den Hörer fordert. Ein Album, welches seine volle Aufmerksamkeit verdient und dem man sich vollends hingeben sollte. Ein Album, welches sicher nicht beim ersten Durchlauf zündet. Nein, "Mið " ist eher eine Art Ritual. Ein Ritual, dass den Hörer umgarnt und vollends umarmt, ihn fortträgt, auf eine unbestimmte Reise durch die schier unendlichen Weiten des Sounds dieser außergewöhnlichen Band mitnimmt und ihn am Ende wohlbehalten wieder in seiner gewohnten Umgebung absetzt. Zugegeben, ich war anfangs eher skeptisch gegenüber der Platte, denn die einzelnen Vorab-Singles wollten für sich alleine stehend nicht so recht zünden. Nachdem das ganze Album aber hier einen Durchlauf nach dem anderen auf dem Teller absolviert hatte, wurde mir sehr schnell klar, dass ENSLAVED hier etwas wahrhaft Riesengroßes geschaffen haben. Ein Album, welches in meinem Jahrespoll definitiv ganz vorne mitspielen wird.

ENSLAVEDs 17. Album ist ein fantastisches Meisterwerk sondergleichen. Pure Liebe für diese Band! Ihr wisst was tun ist! Kaufen!!!

ANSPIELTIPPS
🔥Solar Will
🔥Mountains


Bewertung: 9,5 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. Non-Being
02. I am Ice (feat. Johan Sara Jr.) 
03. Solar Will
04. Mountains
05. Spirit Helper (feat. Kevin Kicking Woman)
06. Parting
07. Tales Of Trees
08. I Miðju



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