VIGIL – Primordial Rites (2026)
(10.545) Phillip (8,7/10) Thrash Metal
Label: Shadow Kingdom Records
VÖ: 30.10.2026
Stil: Thrash Metal
Richmond, Virginia, muss eine zutiefst angepisste Klientel Mensch hervorbringen. Nicht nur LAMB OF GOD kommen von hier, sondern auch zuweilen äußerst politisch agierende Truppen wie MUNICIPAL WASTE, dementsprechend auch IRON REAGAN, daneben auch ENFORCED und LEFT CROSS! Es brodelt also gewaltig in den Hobbykellern der ehemaligen Hauptstadt der im amerikanischen Bürgerkrieg unterlegenen Konföderation. Denn all diese Band, und auch VIGIL, sind durch eine Galligkeit vereint, die man in dieser Regelmäßigkeit woanders eher vergeblich sucht.
VIGIL schielen mit ihren Augen hierbei in zwei verschiedene Richtungen. Zum einen verorten wir das Ganze eindeutig im Thrash Metal, zum anderen ist eine moderne Hardcore- Kante deutlich zu erkennen. Die hauptsächlichen Unterschiede liegen in der Geschwindigkeit und der auffälligen Affinität zu pfeilschnellen und großzügig eingefassten Soli. Heißt: Der Hardcore- Anteil ist zwar vorhanden, drängt jedoch nicht sehr in den Vordergrund.
So feuern VIGIL ein Highspeed- Geschoss nach dem nächsten ab, lediglich das Instrumental Sanctum kommt gediegener daher. Doch sobald Jessica Timberlake ihren Mund auf macht, wird auch wieder durchgezogen. Die Frau lässt sich zum Frühstück mit Sicherheit eine Schüssel Reißzwecken mit Motoröl schmecken, anders ist ihre Vocal-Performance nicht zu erklären. Ein wilder Mix aus Growls, Keifen und Screams rast über die Hörerschaft hinweg, alles durchweg mit hohem Wiedererkennungswert. Ziemlich schnell ist klar: Jessica Timberlake ist das Alleinstellungsmerkmal der Band, denn sie verleiht dem bereits hochklassigem modernen Thrash diesen köstlichen Touch Extra-Qualität, den es im heftig bevölkerten Thrash- Genre benötigt, um zu überzeugen.
So steht am Ende ein überzeugendes Debüt zu Buche, bei dem sowohl Anhänger der alten Schule, als auch Freunde der Moderne voll und ganz auf ihre Kosten kommen. Kurzweilig, knackig und druckvoll produziert, dabei spürbar organisch und echt. Metal-Heart, was willst du mehr?
Ja gut, da steckt schon viel Groove drin, doch hätte das Verhältnis vielleicht einen Tick höher ausfällen dürfen, zumindest in so zwei drei Songs, um einen Hauch mehr Abwechslung da rein zu bringen. Insbesondere in den Instrumentalpassagen sehne ich mir dann merklich den Gesang herbei, um da mehr Schub zu spüren. Auch der ein oder andere Break wäre zukünftig nicht verkehrt. Ich bin mir allerdings sicher, dass die Nummer hier live alles wegknallen wird. Stellt euch das bloß mal vor: kleiner, schwitziger Club, Freitag 21:00 Uhr, du und deine Leute haben bereits 4 bis 13 Spaßgetränke im Hals und ZACK, schreit euch Jessica Timberlake an. Klingt vielversprechend.
P.S.: Einen kleinen Bonus gibt es für das hervorragend in Szene gesetzte Cover- Artwork!
Anspieltipps:
🧛Nocturnal Hunger
🔥 At the Stake
🤜 Abhorrence
Bewertung: 8,7 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. Nocturnal Hunger
02. Seventh Circle
03. Search for Steel
04. Tortured for Christ
05. At the Stake
06. Blood Dust
07. Sanctum
08. Primordial Rites
09. Abhorrence

