DEATHWARDS – Realms of Sin (2026)
(10.544) Phillip (8,5/10) Death/ Thrash Metal
Label: Sepulchral Voice Records
VÖ: 30.10.2026
Stil: Death/ Thrash Metal
Ach Chile, bitte verändere dich, hinsichtlich deiner musikalischen Vorlieben, nie. In wundervoller Unregelmäßigkeit kommen aus dem Land der Anden und des Pisco ein paar ungestüme Klänge produziert von Menschen mit beneidenswerter Haarpracht auch zu uns nach Europa geschwappt. Dies‘ ist nicht zuletzt den unermüdlich nach neuem geilen Scheiß suchenden Labels zu verdanken, doch zuerst sollte man seine Dankbarkeit an die Begeisterung der Chilenen selbst richten, denn ohne diese dauer-jugendliche Euphorie wäre das ja gar nicht möglich.
So legen DEATHWARDS auch direkt und frontal los, als hätten sie vor ihre überbordende Kreativität bereits in den ersten paar Minuten des Openers zu verbraten. Wer hier ruhiges Herangetaste an die südamerikanischen Gefilde des thrashigen Death Metal, beziehunsgweise des deathigen Thrash Metal, so klar wird das das ganze Album lang nicht, erwartet, darf sich auf eine Komplettrasur gefasst machen.
Auch im Verlauf des Albums, das sich wie unschwer zu erkennen ist mit (vor-) biblischen Sünden befasst, kenne DEATHWARDS keine Gnade und feuern insbesondere an der Rhythmusgitarre ein Break nach dem anderen ab, kaum glaubt man, etwas begriffen zu haben, schon hat man zwei heftige Breaks verpasst. Das wirkt zuweilen unkoordiniert und wirr, ist aber auch ziemlich geil. Denn zusammen mit dem blubbernden Schlagzeug, das nicht weniger wirr ist, ergibt das einfach eine enorm spaßige Mixtur. Die Nummer mal live zu sehen ist bestimmt irre witzig, wenn alle Matten in unterschiedlichen Tempi fliegen.
Sänger und Leadgitarrist The Magus ist darüber hinaus ein großer Tom Araya-Fan, sein Gesangsstil, der mir allerdings nicht so ganz überzeugend reingeht, legt dies jedenfalls nah. Engagiert, kernig, aber mir eine Spur zu hoch. Auch Riff-mäßig wird hier einiges an SLAYER verwurstet, gut durchgerührt mit einer sehr passend dosierten Menge an Black-Thrash-Elementen. Diese Kunst beherrschen die Chilenen bravourös, denn gekünstelt oder auf Druck zusammengeschustert wirkt hier nix. Die Songs fließen, unter den gegebenen Umständen durchaus beeindruckend organisch.
So kommt also eine Platte daher die absolut zur Überraschung werden kann. Wer Death Metal mag, als auch Thrash-onistas gleichermaßen, sollten der Nummer hier zwingend eine Chance einräumen, hier kommt jeder auf seine Kosten, der es kompromisslos und schnell mag, allerdings auch den packenden Groove zwischendurch nicht verschmäht. Wer nach elf Sprenggranaten noch über funktionierende Nackenwirbel verfügt darf sich dann über einen hervorragend slayeresken Bonus-Track freuen, der euch final ins Delirium schicken wird.
Bevor das hier zu lobhudelnd ausartet muss ich aber auch ein wenig Kritik da lassen. Ja, der Gesang ist nicht hundertprozentig mein Fall, auch, dass es 11 Songs pausenlos auf’s Fressbrett gibt wirkt nicht zwingend einsteigerfreundlich, kann aber neugierig auf das machen, was man auf Grund der hohen Geschwindigkeit die ersten drei, vier Hördurchläufe verpasst. Der Langzeitspaß will sich also erarbeitet werden. Dennoch steht am Ende eine dicke Überraschung zu Buche, mit der ich in dieser Brachialität nicht gerechnet habe, Chapeau, Chile!
Anspieltipps:
🩸 Sullen Blood (Wrath)
🔥 Unbound from Divine Omnipotence (Heresy)
⛓ The Black Key (Bonus-Track)
Bewertung: 8,5 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. Sting of Guilt (Limbo)
02. Supplicium (Lust)
03. From Bread to Stone (Gluttony)
04. Gold in the Abyss (Greed)
05. Sullen Blood (Wrath)
06. Unbound from Divine Omnipotence (Heresy)
07. The Sore Weight of Repentance (Violence)
08. Worms of Malebolge (Fraud)
09. The Innermost Chasm (Treachery)
10. Lawless Fire (Lucifer)
11. The Black Key (Bonus-Track)

