CRYPTORIUM – Through the Bowels of Ceaseless Dissonance (2026)
(10.566) Stephan (7,5/10) Old School Death Metal
Label: Transcending Obscurity Records
VÖ: 30.10.2026
Stil: Old School Death Metal
Packt den Gehörschütz ein und schmeißt das HM-2-Pedal an: Die Stockholmer Death-Metal-Abrissbirne CRYPTORIUM steht mit ihrem zweiten Studioalbum „Through The Bowels Of Ceaseless Dissonance“ in den Startlöchern. Wer auf der Suche nach avantgardistischen Sound-Experimenten oder sanften Melodien ist, sollte hier direkt rückwärts wieder rausgehen. Wer sich allerdings nach einer deftigen Abreibung sehnt, die tief im modrigen Sumpf des traditionellen schwedischen Death Metals wurzelt, ist bei den Jungs genau richtig. Das Album trägt leider auch ein tiefes, tragisches Gewicht mit sich: Der plötzliche Tod des Bassisten und Gründungsmitglieds Karl „Knalle“ Arvidsson im Jahr 2026, im Alter von nur 18 Jahren, überschattet diese Veröffentlichung. Er war nicht nur für das markerschütternde Fundament an den vier Saiten verantwortlich, sondern prägte den Sound des Quartetts auch maßgeblich durch seine Synth -und Gesangsbeiträge. Dass er den Release dieses mächtigen Kettensägen-Bretts selbst nicht mehr miterleben kann, verleiht der ohnehin schon düsteren Atmosphäre der Songs eine ganz reale, bittersüße Note.
Klanglich machen CRYPTORIUM keine Gefangenen. Die Produktion drückt ordentlich und bringt genau das ranzige, sägende Gefühl mit, das man von den alten Helden der Stockholmer Schule erwartet. Stehts flott unterwegs, sind aber auch CARCASS, EXHUMED oder GENERAL SURGERY für die Herren keine Unbekannten. Das Rad wird hier definitiv auch nicht neu erfunden und so wandert man haarscharf an der Grenze zur reinen Kopie der Idole entlang. Aber ganz ehrlich? Wenn das Plagiat Spaß macht, drückt man gerne ein Auge zu.
Das Album punktet vor allem durch seine Dynamik. Statt stumpf durchzuballern, setzen die Schweden auch auf clevere Tempowechsel. Songs wie „Malodor“ oder „Rivers Of Celestial Blood“ glänzen mit extrem eingängigen Hooklines und Breakdowns, bei denen man einfach unwillkürlich den Kopf bewegen muss. In Stücken wie „In Bitter Remorse“ und „Corpus Effigy“ nehmen CRYPTORIUM das Tempo komplett raus und driften in herrlich zähe Doom-Passagen ab. Wer es lieber hyperschnell mag, wird mit den brutalen Blastbeat-Gewittern in „Malignant Crucifixion“ oder den finsteren, fast schon geschwärzten Nuancen von „Concrete Interment“ bestens bedient.
„Through The Bowels Of Ceaseless Dissonance“ ist ein solides Stück Elchtod-Nostalgie. Ja, die eigene, unverwechselbare Identität geht der Truppe an manchen Stellen vielleicht noch etwas ab, weil sie zu sehr damit beschäftigt ist, ihren Vorbildern Tribut zu zollen. Wer sich aber an schwedischem Sägeketten-Sound einfach nicht sattfordern kann und Bock auf ein abwechslungsreiches, handwerklich makelloses Geballer hat, kommt an diesem Release via Transcending Obscurity Records kaum vorbei. Ein guter Nachfolger zum 2024er Debüt!
Anspieltipps:
🌌 Revolting Obsession
Bewertung: 7,5 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. Intro
02. Through The Bowels Of Ceaseless Dissonance
03. Malodor
04. Rivers Of Celestial Blood
05. In Bitter Remorse
06. Revolting Obsession
07. Corpus Effigy
08. Concrete Interment
09. Malignant Crucifixion
10. Consumed By The Eternal Rot

