SAPROBIONTIC – Of Fire and Bloodshed (2026)
(10.563) Stephan (8,0/10) Brutal Death Metal
Label: Black Lion Records
VÖ: 23.10.2026
Stil: Brutal Death Metal
Wer Bock auf die ganz feine Klinge hat, ist bei SAPROBIONTIC traditionell an der falschen Adresse. Die ostdeutsche Death-Metal-Walze meldet sich mit ihrem dritten Longplayer „Of Fire and Bloodshed“ zurück und diese hats in sich. Wer die Vorgängerwerke im Schrank stehen hat, weiß, dass hier nicht lang gefackelt wird.
Für die Produktion haben sich die Dresdner dieses Mal in die österreichischen Deep Deep Pressure Studios begeben, wo Lukas Haidinger (PROFANITY, DISTASTE, VOR DIE HUNDE) der Scheibe einen absolut mörderischen Sound verpasst hat. Was hier sofort auffällt: Haidinger hat es geschafft, der brutalen Urgewalt eine bemerkenswerte Klarheit zu spendieren. Die Gitarren sägen unfassbar fett, erdrücken aber nicht die Riffs, und die Snare knallt trocken wie ein Peitschenhieb durch den Raum. Nichts verschwimmt im berüchtigten Death-Metal-Miasma – das Ganze hat ordentlich Dynamik und einen bockstarken, extrem angepissten Grundton, der amtlich in die Wangen kneift. Die Truppe knallt uns neun Tracks vor den Latz, die irgendwo zwischen brutalem Groove und technischem Anspruch pendeln. Man merkt an jeder Ecke, dass hier erfahrene Recken am Werk sind, die ihre Instrumente nicht zum ersten Mal in ihren Flossen halten.
Ein absoluter Geniestreich war die Verpflichtung von Session-Drummer Flo Musil (AGRYPNIE, THEOTOXIN, ex-SCHIRENC PLAYS PUNGENT STENCH). Was der Typ an Blastbeats und Doublebass-Teppichen legt, ist pure Akkordarbeit auf allerhöchstem Niveau und treibt die Riffs von Gitarrist Chris unaufhaltsam an. Nummern wie das mächtige „Shepherd of Doom“ (angereichert durch fiese Gastvocals von Thomas „Loppi“ Loppnow, PIKODEATH) oder das wütende „Descending Into Chaos“ (mit stimmlicher Unterstützung von Produzent Haidinger selbst) zeigen die Band in absoluter Höchstform. Hier regiert das kontrollierte Chaos aus halsbrecherischen Uptempo-Stürmen und tonnenschweren, knochenbrechenden Grooves im Geiste von SUFFOCATION und CANNIBAL CORPSE.
Der ganz große, wegweisenden Meilenstein oder die Neuerfindung des Brutal Death Metal werden wir auch hier nicht finden. Der herbeizitierte Vergleich mit den ganz großen amerikanischen Vorbildern der Szene hinkt noch ein wenig, weil die Songs trotz aller Aggression nicht immer den finalen, unvergesslichen Punch landen. Ein wirklich packender roter Faden geht im pausenlosen Sperrfeuer hin und wieder flöten. Wer hier nach DER mitreißenden Hook sucht, wird folglich enttäuscht zurückgelassen. Da ist noch Luft nach oben!
Das Artwork und Layout des Albums wurden von niemand Geringerem als Luisma gestaltet. Genrefans kennen ihn als Gitarristen und kreativen Kopf der spanischen Grindcore-Legenden Haemorrhage (und über sein Design-Projekt Sick66 Graphix)
Unter dem Strich bleibt „Of Fire and Bloodshed“ aber ein feines, handwerklich verdammt starkes Brett und zur Abwechslung auch mal wieder aus heimischen Gefilden. Es ist vielleicht kein Meisterwerk, aber eine verdammt tight eingespielte Abrissbirne, die live garantiert für rotierende Nackenmuskeln sorgen wird.
Anspieltipps:
😱Morbid Tales
🐑 Shepherd of Doom
Bewertung: 8,0 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. Morbid Tales
02. Demons of Reality
03. Apex Predators
04. Descending into Chaos
05. The Era of Fire and Bloodshed
06. Maniacal Identity
07. Shepherd of Doom
08. The Evolution of Tyranny
09. Inherit Madness (Lurking Beasts)

