MENTAL CRUELTY- Echoes of a Forlon Land (2026)
(10.560) Dö (9,0/10) Deathcore
Label: Century Media Records
VÖ: 23.10.2026
Stil: Deathcore
Man kommt nicht umher bei neuen Deathcore-Alben zu denken „Willkommen im Einheitsbrei, kennste eins kennste alle“. Nicht so bei Mental Cruelty. Wenn man sich die Titel der Trackliste anschaut, stellt sich direkt die Frage, wohin die Reise geht. Ein Deathcore Wikinger Album oder doch eine komplette Abkehr von den heimischen Gefilden des Ultragebolzes? Eine Abkehr würde ich es nicht nennen. Mental Cruelty erweitern ihren Horizont. Kein stumpfes Aneinanderreihen von Breakdowns die im Deathcore irgendwie en vogue sind.
Die Gelbfüssler setzen ihren atmosphärischen Ansatz von „Zwielicht“ konsequent bei „Echoes Of A Forlorn Land“ fort. Es wird sich hierbei der nordischen Folkloristik und auch den entsprechenden Instrumenten wie z.B. einer Talharpa (Streichinstrument/ Wikingergeige) bedient. Auch werden Keyboards und / oder Chorpassagen passend eingesetzt.
Es wird nicht stumpf drauflosgebolzt, nein, das Intro „Weltennacht“ führt einen mit atmosphärischen Riffing, dezent eingesetzten Streichern, Keyboards und einem Wolfsgeheul-Sample zum Ersteinsatz der Gitarrenfraktion und Drumpercussion mit anziehendem Tempo, um in „Fenrir“ bei Hochtempo zu enden. Fronter Lukas wechselt spielend zwischen Screams, die partiell schon in Richtung Fryscreams gehen zu tiefen Growls, ohne dass diese zu tief angesiedelt sind. Wie im Death Core ach so üblich. Man kommt nicht umher, dass „Fenrir“ gewisse Melodic Death Metal Züge aufweist. Dies kommt einem im weiteren Verlauf des Albums öfters mal in den Sinn. Atmosphärisch geht es bei „Blood For Blood“ direkt weiter. Die Kombination von abwechslungsreichen Riffing, der auf Dauerfeuer gestellten Drumbude und dem fast schon ins Gekeife gehenden Gesang von Lukas schieben einen unweigerlich nach vorne. Innerhalb von „Blood For Blood“ wird auch wieder präzise der Stil gewechselt. Durch den Einsatz von Streichern wirkt das fast schon wie Symphonic Metal.
Kommt jetzt ein Deathcore-Track? „The Serpent of Midgard“, der in der nordischen Mythologie nur so wütet, fängt mit einem szenetypischen Geballer an, ehe man sich im Midpart beim Chorus fast mit einem Trinkhorn bewaffnet am Schunkeln sieht. Super catchy, da will man mitsingen. Die Erholungspause wärt aber nicht lange, bis der erste wirkliche Deathcore Breakdown kommt und Lukas fieses Gekeife in tiefe Growls und deutliche Temporeduzierung übergeht. Schön wars nächster Track, Fehlanzeige, es wird wieder mit dem Chorus losgebolzt.
„Helheim“ täuscht kurz mit einem Intro aus Frauenstimme, Streichinstrument an, bevor Mental Cruelty komplett eskaliert und losbrettert. Die Streicher laufen dezent im Hintergrund mit und werden in kurzen Zwischenpausen wieder deutlicher betont. „Helheim“ thematisiert Hel die verrottende Göttin der Unterwelt. Für den Track wurde noch David Simonich von Signs Of The Swarm mit ins Boot geholt. Hierdurch können die Vocals deutlich die Dualität von Hel darstellen. Eine Hälfte schön, die andere am Verrotten. Lukas Screams werden gut von Davids tiefes Gegrowle flankiert. Der kurze Clearpart passt auch in das Klangbild des „ruhigeren“ Anfangsparts bevor wieder losgescreamt wird und das Gitarrensoli einsetzt. Wenn man sich schon so ein Feature mit dem Deathcorebrett Signs of the Swarm ins Haus holt, darf der obligatorische Deathcorebreakdown natürlich nicht fehlen. Dieser wurde wohl am Ende des Tracks platziert um einen aus selbigen rauszutreten.
Bei „Draugar“ wird extrem hektisch und mit einer Geschwindigkeit losgeprügelt das einem sehen und hören vergeht. Die Gitarrenfraktion gib einem nur kurze Verschnaufpausen bevor die Finger wieder anfangen zu glühen. Lukas schreit sich die Seele ausm Leib mit stetigen Wechsel zwischen Screams und Growls. Um manche Wiedergänger (Draugr) sollte man einen Bogen machen. Mit „Raise The Raven Banner“ wird’s epochal. Ein Track mit über 6 Minuten Länge bei einer Deathcoreband? Braucht es aber auch wenn man Odins Schlachtenbanner beschreiben will. Der Longrunner wird mit Streichern eingeleitet, die im weiteren Verlauf den Background bilden. Schön rasenden Blastbeats werden mit nachvorne treibende „low“ Tempiparts kombiniert. Das erzeugt eine allgemein düstere Atmosphäre. Beim Riffing in einzelnen Passagen werden manche nicht umher können zwangsläufig an Gojira zu denken. Vorallem im Midpart beim Breakdown. Das ist nicht despektierlich gemeint, ich finds super.
Wenn Lukas bei „Cry of Batariel“ nicht keifen oder growlen würde könnte man meinen jetzt kommt Melodic Death Metal oder sogar Powermetal, wenn mit Synthie/ Keyboard intoniert wird. Der Track peitscht extrem nach vorne und es wird sich auch nicht gescheut im Midpart die Keyboards wieder hochzufahren und eine Harfe einzustreuen. War das wirklich eine Harfe? Mental Cruelty scheißen auf Genregrenzen. Melodic Deathcore.
„Frost“ bildet den langsamsten Track auf „Echoes Of A Forlorn Land“. Schwer, schleppend und extrem düster. Die melancholische Stimmung wird perfekt durch den Einsatz von Streichern und choraler Zwischenelemente verstärkt. Die Drums und das generelle langsame Riffing verstärken das Gefühl von der Kälte umschlossen zu werden und sich durch hüfttiefen Schnee voranzukämpfen.
Bei „Daemmerbruch” wird wie bei „Weltennacht“ ruhig und völlig instrumental mittels Klavier der Abschlusstrack „Ride Of The Valkyries“ eingeleitet. Vielleicht hätte sich auch ein ruhiger Outrotrack angeboten um durch die ruhigen Parts „Echoes Of A Forlorn Land“ einzurahmen.
„Ride Of The Valkyries“ ist nochmal so ein über 6 Minuten Klopper. Der krönenden Abschluss sozusagen. Es wird nochmal alles reingepackt um ein hymnisches, fast monumentales Klangbild zu erzeugen. Präzises Riffing, die Drumbude die nur nach vorne treibt, Streicher, Klavier, all das, was Mental Cruelty im Köcher haben. Wen man beim Midpart angekommen ist, könnte man fast meinen, ruhiges ausklingen von „Ride Of The Valkyries“. Weit gefehlt. Das Flüstern, wie eine Beschwörung bereiten einen nur auf das fast epochale Ende vor.
Mental Cruelty präsentieren sich auf „Echoes of a Forlorn Land“ breit aufgestellt und verknüpfen Deathcore mit atmosphärischen Elementen aus dem Melodic Death Metal, wenn nicht sogar Einschlägen aus dem Powermetal. Als reine Deathcoreplatte kann und darf man „Echoes of a Forlorn Land“ nicht bezeichnen. Im Gegensatz zum teilweisen stumpfen Deathcore-Einheitsbrei ohne Wiederhörfaktor, kann man das neue Werk der Karlsruher immer wieder hören. Ein absolut atmosphärisches und facettenreiches Album, bei dem man auch bei der xten Rotation neue Elemente heraushören kann.
Anspieltipps:
🤘 Hellheim
🐍 The Serpent of Midgard
⛄ Frost
Bewertung: 9,0 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. Weltennacht
02. Fenrir
03. Blood For Blood
04. The Serpent Of Midgard
05. Hellheim
06. Draugar
07. Raise The Raven Banner
08. Cry Of Batariel
09. Frost
10. Daemmerbruch
11. Ride Of The Valkyries

