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PRONG - Prong (2026)

(10.572) Olaf (7,4/10) Heavy Metal


Label: Napalm Records
VÖ: 06.11.2026
Stil: Groove Heavy Metal






An Cleansing hat mich immer fasziniert, wie viel Krach PRONG mit einer Pause machen konnten. Tommy Victor kappte ein Riff, ließ einen einen halben Schlag lang in der Luft hängen, und wenn die Gitarre wieder einsetzte, saß der Hieb umso besser. Bei Snap Your Fingers, Snap Your Neck kann ich heute noch schlecht stillsitzen. Der New Yorker Hardcore aus dem Umfeld des CBGB hatte der Band die nötige Direktheit mitgegeben. Schon auf Beg To Differ wurde damit rhythmisch allerhand angestellt, und mit der Kälte von Cleansing war der Sound endgültig unverwechselbar. Das ist die Vorgeschichte zu meinem Verhältnis zu Prong.

Für den Einstand bei Napalm Records hat Victor der Platte den Bandnamen gegeben und das Tempo merklich angezogen. The Banner macht damit erst mal einiges richtig. Die Strophen kommen mit kurzen, scharf abgeschnittenen Riffs, der Refrain zieht die Melodie in die Breite. In New Commission rückt das Schlagzeug noch ein Stück näher, und der Breakdown kommt genau dann, wenn der Song eine andere Gangart vertragen kann. Als Doppelschlag funktioniert das prima. Mein Problem beginnt da, wo ich mir diese andere Gangart auch für den Rest der Platte häufiger wünsche.

Dass ich mich mal über zu viel Thrash beschwere, dürft ihr mir beim nächsten SODOM-Review gern unter die Nase reiben. Bei PRONG fehlt mir aber genau das, was Victor mit seinen Riffs zwischen den Schlägen anrichten kann. Hier drängelt oft schon das nächste Riff, bevor das vorige richtig nachfedern konnte. An der Produktion liegt es kaum. Andy Sneap gibt den Gitarren im Mix klare Konturen, und Tyler Josephs Schlagzeug setzt sich auch dann durch, wenn vorne alles gleichzeitig loslegt. Man hört sehr genau, wie gut die Maschine läuft. Mir fehlt der Moment, in dem sie mal kurz aus dem Takt zu geraten scheint.

Fear the Sun kommt meiner Vorstellung schon näher. Da ist der New Yorker Hardcore in der Art zu hören, wie knapp das Stück seine Schläge setzt und wie selbstverständlich der Refrain darauf sitzt. Noch lieber ist mir The Uprising. Der federnde Two-Step lässt Platz für die Synths, die sich mit ihrer kalten Textur gegen die Gitarren schieben. Da bewegt sich bei mir außer dem Kopf endlich auch der Rest. Von dieser Sorte Groove hätte ich auf Prong gern deutlich mehr gehabt.

Bei den Texten lohnt es sich, zwei Stücke nebeneinanderzulegen. „Gray area does not exist“ heißt es in New Commission, wo aus dem Ruf nach Klarheit bald die Forderung wird, den ersten Schlag zu führen. Uncertain Truth hält mit „You know the truth is uncertain“ dagegen und macht ausgerechnet den Zweifel zum eingängigeren Refrain. Ich mag diese Reibung. Wer eben noch ohne Grauzone ausgekommen ist, muss plötzlich damit leben, dass sich die Dinge auch anders lesen lassen.

In The Uprising kippt die Haltung innerhalb eines Songs. Aus „We’re simply told to look away“ wird „We can no longer look away“. Der kleine Wechsel macht für mich mehr her als manche große Kampfansage auf der Platte. Und wenn Victor in Our Continuance von Machtgier spricht, die sich als Mitgefühl ausgibt, passt die Beklemmung im Text zum gemessenen Puls des Stücks. Die schiefen Akkorde bekommen hier Zeit, im Raum zu stehen. Wenn sich der Refrain öffnet, hat das Gewicht. Schade, dass die Platte erst zum Schluss noch einmal so viel aus ihrem Tempo herausholt.

Tommy Victor bleibt bei mir gesetzt. Ich werde auch bei der nächsten PRONG-Platte wieder neugierig sein, und ein paar Stücke von dieser nehme ich gern mit. Aber ich bin nach elf Songs ein bisschen enttäuscht, weil die besten Momente ziemlich genau vorführen, was über die ganze Distanz drin gewesen wäre. Für ein anerkennendes Kopfnicken reicht’s allemal. Bei dieser Band hatte ich mit etwas mehr Bewegung gerechnet.

ANSPIELTIPPS:
🔥The Banner
⚙️The Uprising
☠️Our Continuance


Bewertung: 7,4 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. The Banner
02. New Commission
03. The Uprising
04. Uncertain Truth
05. Fear the Sun
06. Commonsense Resolution
07. Doomed World
08. Proportionate Response
09. Transgression
10. Simulated Drowning
11. Our Continuance 



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