THE DUSKFALL – The everlasting Shadows (2026)
(10.571) Olaf (7,0/10) Melodic Death Metal
Label: The Circle Music
VÖ: 30.10.2026
Stil: Melodic Death Metal
Bei THE DUSKFALL bin ich seit Jahren befangen. Leg mir Frailty oder Source auf, und du hast für den Rest der Platte Ruhe vor mir. Dieser schwedische Melodic Death Metal mit seinen wehmütigen Gitarren und dem ordentlichen Tritt ins Kreuz hat mich damals gepackt. Umso mehr wurmt es mich, dass ich The Everlasting Shadows gern ein ganzes Stück mehr mögen würde, als ich es tatsächlich tue.
Angefangen hat das 1999 im nordschwedischen Luleå. Nach dem Aus von GATES OF ISHTAR tat sich Mikael Sandorf mit Glenn Svensson zusammen. Aus dem gemeinsamen Jammen wurden THE DUSKFALL, aus dem Debüt beim griechischen Label Black Lotus ein Plattenvertrag mit Nuclear Blast. 2008 war erst mal Schluss, 2014 ging es mit Where the Tree Stands Dead weiter. Bis zum sechsten Album dauerte es dann zwölf Jahre. Seit März ist es digital zu haben, Ende Oktober hat mit The Circle Music wieder ein griechisches Label CD und Vinyl nachgelegt.
Dass die Platte überhaupt fertig wurde, war lange offen. Sandorf verlor mehrere Menschen aus seinem engsten Umfeld, darunter seinen Bruder. Dazu kam die Krebserkrankung seiner Frau. Musik, die ihm sonst Halt gegeben hatte, wurde in dieser Zeit selbst zur Belastung. Vor dem Hintergrund bekommt die Zeile „Dug a hole and entombed my shadow“ aus Entomb My Shadow einiges an Gewicht. Da begräbt einer sein altes Ich mitsamt dessen Fehlern und traut sich wieder zu, über sein Leben selbst zu bestimmen. World of Lies richtet die Wut nach außen, gegen religiöse Macht und ihre Heilsversprechen. Der schwere Groove dazu steht der Band ausgezeichnet. Und wenn As Our Days Are Dying das Tempo anzieht, weiß ich sofort wieder, warum ich für diese Gitarren so empfänglich bin.
Und dann kommt mir der Sound dazwischen. Die Band hat größtenteils im Heimstudio aufgenommen, Schlagzeuger Sebastian Lindgren hat auch gemischt und gemastert. Mir klingt das zu blechern. Gerade wenn Gitarren und Schlagzeug gemeinsam Druck machen sollen, höre ich viel Anschlag und spüre erstaunlich wenig Wucht. Die Riffs haben Zähne. Der Mix lässt sie vor allem klappern. Musikalisch ist das gut gemacht, und an ein paar Stellen packt es mich auch. Über die ganze Platte fehlt mir aber dieser eine Moment, in dem ich mitten im Song noch lauter drehe, weil die Nachbarn jetzt ohnehin Bescheid wissen.
Im Titelstück steckt für mich eine der interessanteren Zeilen der Platte. Wenn Mikael Sandorf von denen singt, die wir im Stich gelassen haben, gibt er dem finsteren Ton einen konkreten Grund. In Legion rückt die Bedrohung noch näher. Da bekommt einer die Stimmen im eigenen Kopf kaum noch auseinander und fleht darum, sie endlich loszuwerden. Sechs Minuten sind für so einen Albtraum eine ordentliche Ansage. Mir gefällt, dass sich die Band hier die Zeit nimmt, ihn auszuerzählen.
Musikalisch sind es vor allem einzelne Gitarrenfiguren, die mir im Ohr bleiben. Die kann ich später noch vor mich hin summen, während ich beim Rest des jeweiligen Songs schon wieder überlegen muss. Gerade deshalb ärgert mich die Produktion. Wenn das Schlagzeug unter so einer Melodie nachsetzt, möchte ich den Einsatz im Bauch spüren. Bei mir kommt da vor allem das Scheppern an. Die Riffs haben Zähne. Der Mix lässt sie vor allem klappern.
Auf die Rückkehr der Schweden stoße ich gern an. Für den Abriss im Wohnzimmer hebe ich mir die nächste Runde auf.
ANSPIELTIPPS:
🔥Entomb My Shadow
🎸As Our Days Are Dying
☠️World of Lies
Bewertung: 7,0 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. Entomb my Shadow
02. As our Days are dying
03. The everlasting Shadows
04. World of Lies
05. Legion
06. Nights at the Graves
07. Kneedeep in the Grave
08. Golem
09. Peacemaker

