MEURTRIER – Messe de Fer (2026)
(10.465) Olaf (6,0/10) Speed Metal
Label: earMUSIC
VÖ: 18.09.2026
Stil: Speed Metal
Ich gebe es zu: Das Artwork von Messe de Fer hatte mich sofort. Kapuzengestalt, Klinge, Kerzen und ein Opfer auf dem Altar – wenn das keine Einladung zu einer amtlichen Metal-Messe ist, weiß ich auch nicht. MEURTRIER kommen aus Québec, fanden 2023 zusammen und veröffentlichten 2024 ihr erstes Demo. Nun steht das Debüt bei Jawbreaker Records an. Die Musiker bringen Erfahrung aus der Untergrundszene Québecs und Montréals mit, und ich hatte nach diesem Cover durchaus Lust, mich von ihnen einmal ordentlich durchs Kirchenschiff jagen zu lassen.
Zunächst klappt das auch ganz gut. Die Gitarren sägen, Tony Verrault gibt sich am Mikro keine Mühe, irgendwen sanft in den Schlaf zu singen, und das Tempo zieht immer wieder an. Nur habe ich nach kurzer Zeit diesen unangenehmen Gedanken: Woher kenne ich das alles? Ein wenig ATTIC hier, ein bissken VULTURE da – und dazwischen suche ich nach dem Moment, der unverkennbar MEURTRIER gehört. Bei diesem Cover erwarte ich eine Offenbarung; stattdessen kenne ich die Predigt schon.
Immerhin verstehen die Kanadier etwas von stimmungsvollen Titeln. Cri Silencieux heißt „Stummer Schrei“, Bête de l’Ombre „Bestie des Schattens“ und Sans Trône schlicht „Ohne Thron“. Das klingt nach einer Welt, in der man nach Sonnenuntergang besser nicht allein vor die Tür geht. Zu den konkreten Songtexten liegen allerdings keine Angaben vor. Ich werde also keinem Stück eine Geschichte andichten, nur weil sein Titel schön finster aussieht.
Gesungen wird durchgehend auf Französisch. Für eine Band aus Québec ist das nur folgerichtig, für meine Ohren bleibt es dennoch ein zusätzlicher Stolperstein: Französisch ist nun mal nicht meine Lieblingssprache. Ein Song kann mich trotzdem mühelos packen, selbst wenn ich vom Text nur Bahnhof verstehe. Auf Messe de Fer passiert das leider seltener, als ich nach dem ersten Blick auf die Platte gehofft hatte.
Hinzu kommt, dass es technisch an etlichen Ecken rumpelt. Wer mich kennt, weiß: Daran scheitert eine Metal-Platte bei mir normalerweise nicht. Ein bisschen Dreck gehört dazu, und eine Produktion muss keineswegs klingen, als hätte jemand jedes Instrument einzeln gebügelt. Hier hilft der raue Charme den Songs aber kaum über ihre vertrauten Einfälle hinweg. Über 44 Minuten wird aus meinem anfänglichen Appetit so eher ein müdes Gähnen mit gelegentlichem Kopfnicken.
Ich bin ziemlich sicher, dass MEURTRIER live erheblich mehr knallen. Mit Schweiß, Lautstärke und einem Sänger direkt vor der Nase dürfte diese Mucke besser funktionieren als daheim aus den Boxen. Gesehen habe ich die Band allerdings noch nicht, also kann ich nur das Polycarbonat bewerten. Und darauf liefern die Kanadier ein solides, beherztes Debüt für Leute, die von klassischem Heavy und Speed Metal nie genug bekommen. Mir fehlen die Überraschungen und die Songs, die sich auch am nächsten Morgen noch frech im Kopf breitmachen. Für eine ordentliche Messe reicht es; zur Bekehrung bräuchte es mehr.
ANSPIELTIPS:
🔥Clandestin
⚔️Messe de Fer
Bewertung: 6,0 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. Clandistin
02. Cri Silencieux
03. Messe de Fer
04. Bête de l'Ombre
05. Sans Trône
06. Exil
07. Suis-Moi
08. Fatal Ennemi
09. Meurtrier

