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GAME OVER – When Darkness falls (2026)

(10.446) Olaf (9,1/10) Thrash Metal


Label: Scarlet Records
VÖ: 18.09.2026
Stil: Thrash Metal






Der September 2026 entwickelt sich langsam zu jenem Monat, in dem Thrash-Fans besser gar nicht erst versuchen sollten, ihre Nackenmuskulatur zu schonen. Auch GAME OVER leisten ihren ausgesprochen überzeugenden Beitrag zur allgemeinen physiotherapeutischen Vollbeschäftigung. Die Italiener aus Ferrara sind schließlich seit ihrer Gründung im Jahr 2008 dafür bekannt, den klassischen Thrash Metal nicht bloß ehrfürchtig zu verwalten, sondern ihm regelmäßig einen Stiefel in den Hintern zu verpassen. Vom selbstbetitelten Demo und der Heavy Damage-EP über Alben wie For Humanity, Burst into the Quiet, Crimes Against Reality, Claiming Supremacy und Hellframes führte der Weg 2025 zu Face the End. Bereits dieses Album war ein bärenstarkes Statement, doch nur ein Jahr später legen GAME OVER tatsächlich noch einmal nach.

When Darkness Falls ist das siebte Studioalbum der Band und klingt keinen Augenblick nach einem hastig zusammengezimmerten Nachfolger. Im Gegenteil: Die Italiener wirken fokussierter, selbstbewusster und vor allem unverwechselbarer als zuvor. Natürlich steht weiterhin eine mächtige Bay-Area-Kante im Mittelpunkt, doch GAME OVER haben längst aufgehört, lediglich in den Kleiderschränken ihrer amerikanischen Vorbilder nach alten Kutten zu suchen. Diese Musik trägt inzwischen eine deutlich erkennbare eigene Handschrift – und die schreibt bevorzugt mit einem sehr dicken Filzstift.

Das kurze Instrumental Hollow and Cold öffnet die Tür zu einem Album, das weder anklopft noch die Schuhe auszieht. Kaum hat man sich auf den hereinbrechenden Riffsturm eingestellt, prescht Two Souls one Flesh mit messerscharfer Gitarrenarbeit, einem verdammt eingängigen Refrain und genau jener Mischung aus Aggression und Melodie vorwärts, die GAME OVER auf dieser Platte nahezu perfektionieren. Danny Schiavina bellt, schreit und phrasiert mit ordentlich Gift im Hals, ohne dabei in beliebiges Dauergekeife abzurutschen. Seine Stimme besitzt genügend Charakter, um selbst über den hektischsten Passagen erkennbar zu bleiben. Dahinter arbeiten Luca Zironi, Leo Molinari und Anthony Dantone derart präzise, dass man meinen könnte, jemand habe vier wild gewordene Thrash-Metaller mit einem Schweizer Uhrwerk gekreuzt.

Die Produktion aus dem Domination Studio drückt mächtig, ohne die Ecken und Kanten glattzubügeln. Die Gitarren besitzen Biss, der Bass darf tatsächlich mitreden und wird nicht wie ein unliebsamer Verwandter irgendwo hinten im Mix versteckt, während das Schlagzeug trocken und wuchtig durch die Songs pflügt. Besonders erfreulich ist, dass die Platte trotz aller Härte nicht in jenem sterilen Hochglanz endet, bei dem jede Snare klingt, als würde jemand mit einem Kochlöffel auf einen Plastikeimer schlagen. When Darkness Falls ist sauber produziert, aber immer noch schmutzig genug, um nach Thrash Metal zu riechen.

Musikalisch regiert Geschwindigkeit, doch GAME OVER verwechseln Rasanz nicht mit hektischer Planlosigkeit. Immer wieder brechen melodische Gitarrenlinien durch die Riffwände, Soli werden nicht bloß pflichtbewusst abgeliefert, sondern setzen erkennbare Akzente, und die Refrains verfügen über erstaunlich viel Langzeitwirkung. Break Away verbindet diesen melodischen Zugriff mit einer herrlich aufmüpfigen Grundhaltung. „Don’t obey! Break away!“ ist dabei weniger ausgeklügelte Lyrik als vielmehr eine Einladung, bei der nächsten Gelegenheit gemeinsam die Kehle zu ruinieren. Inhaltlich richtet sich das Stück gegen hohle Autoritäten, politische Selbstdarsteller und jene Gestalten, die vom sicheren Schreibtisch aus gern andere Menschen in den Krieg schicken. Ein Thema, das leider niemals aus der Mode zu kommen scheint.

Fight for Your Mind und Scream It Out greifen diese Widerstandshaltung auf, verschieben den Blick aber zunehmend ins Innere. Gedanken werden manipuliert, Angst wird eingespeist, Apathie macht sprachlos und der eigene Wille droht unter fremder Kontrolle zu verschwinden. Dantone, der die Musik und Texte des Albums verantwortet, zeichnet hier keine besonders optimistischen Bilder. Dennoch suhlen sich GAME OVER nicht in Hoffnungslosigkeit. Die Botschaft lautet vielmehr: aufstehen, die eigene Stimme benutzen und kämpfen, bevor aus dem selbstständig denkenden Menschen eine sauber funktionierende Hülle wird. Das klingt erfreulich direkt, passt perfekt zur Musik und macht Fight for Your Mind zu einem der größten Ohrwürmer der Platte. Thrash Metal als geistige Selbstverteidigung – inklusive Schleudertrauma.

Das zweite Instrumental What Fate Brings wirkt anschließend wie ein düsteres Zwischenspiel, bevor Curse of Strahd die Tür nach Barovia aufstößt. Der Song bewegt sich deutlich im Universum des Vampirfürsten Strahd von Zarovich und verbindet verdammte Seelen, falsche Heilige, goldene Hallen und ewige Gefangenschaft zu einer kleinen Fantasy-Horrorgeschichte. Dass die Band eine ausgeprägte Vorliebe für Horror besitzt, war bereits auf Face the End kaum zu übersehen. Auf dem neuen Album wird diese Leidenschaft allerdings wesentlich geschlossener in Musik und Texte eingebaut. Es geht nicht um aufgeklebte Fledermäuse aus dem Halloween-Sonderangebot, sondern um Atmosphäre, Bedrohung und einen angenehm schwarzen Humor.

Noch beklemmender fällt Beneath the Ground aus. Die Geschichte eines vermeintlich erschöpften Patienten, der immer tiefer verlegt wird und schließlich mit mehreren Stimmen in seinem Kopf konfrontiert ist, kippt von psychischer Zerrüttung in blanken Horror. Der entscheidende Moment folgt, als sich andeutet, dass der Erzähler keineswegs grundlos unter der Erde festgehalten wird. Gerade weil der Text nicht alles lang und breit erklärt, bleibt genügend Platz für die eigene Vorstellungskraft – und die ist bekanntlich meistens widerlicher als jeder Spezialeffekt.

Auch Self Denied beschäftigt sich mit Verdrängung und Selbsttäuschung. Hinter freundlichen Worten, sauberen Händen und einer sorgfältig gepflegten Fassade wächst etwas, das nicht gezeigt werden darf. Der Song gehört zu den stärksten Momenten des Albums, weil Musik und Inhalt hervorragend ineinandergreifen: kontrollierte Aggression, starke Melodien und ein Refrain, der sich spätestens beim zweiten Durchlauf festbeißt. Das abschließende Command to Die zieht schließlich noch einmal das Tempo an und beendet das Album mit offener Verweigerung. „I won’t comply“ fasst nicht nur diesen Song zusammen, sondern eigentlich die gesamte Haltung von When Darkness Falls.

Trotz der dunklen Geschichten ist das Album kein deprimierender Gang in den Keller, bei dem unten auch noch die Glühbirne kaputtgeht. GAME OVER bewahren sich die entscheidende Portion Spielfreude. Diese Platte fetzt, macht Spaß und killt vorzüglich. Die Riffs sitzen, die Melodien bleiben hängen und der Wiedererkennungswert ist deutlich höher als bei vielen Bands, die zwar technisch beeindruckend rasen, dabei aber vergessen, unterwegs Songs mitzunehmen. Einzig einige Übergänge wirken beim ersten Durchlauf fast zu kompakt, und die beiden Instrumentals hätten stellenweise noch etwas weiter ausgearbeitet werden können. Das sind jedoch eher Kratzer im Sargdeckel als ernsthafte Schäden.

When Darkness Falls ist die konsequente Steigerung des bereits hervorragenden Face the End. GAME OVER verbinden melodischen Thrash Metal, eine fette Bay-Area-Schlagseite, Horroratmosphäre und unwiderstehliche Refrains zu einem Album, das modern produziert ist, ohne seine traditionellen Wurzeln zu verleugnen. Hier wird nicht krampfhaft das Genre neu erfunden – hier wird gezeigt, wie lebendig es klingen kann, wenn eine Band weiß, wer sie ist. Unbedingte Kaufempfehlung. Wer danach noch stillsitzt, sollte sicherheitshalber überprüfen lassen, ob überhaupt noch ein Puls vorhanden ist.

ANSPIELTIPS:
🔥Two Souls one Flesh
🧠Fight for Your Mind
💀Self Denied


Bewertung: 9,1 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. Hollow and cold
02. Two Souls one Flesh
03. Break away
04. Fight for your Mind
05. Scream it out
06. What Fate brings
07. Curse of Strahd
08. Beneath the Ground
09. Self denied
10. Command to die 



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