CROWN MAGNETAR – The Hollowing of Godflesh (2026)
(10.452) Phillip (5,0/10) Deathcore
Label: Unique Leader Records
VÖ: 25.09.2026
Stil: Deathcore
Mensch Kinnings, das hatten wir ja schon lange nicht mehr. Bereits nach wenigen Sekunden war schnell klar, dass der Objektivitätshelm mal wieder entstaubt werden muss, damit ich mir beim Aufsetzen nicht die letzten, kämpfenden Haupthaare zerschrote. Denn das, was hier auf die geneigte Hörerschaft im Allgemeinen hereinbricht, spricht eine ganz klare Zielgruppe an.
Es gibt Deathcore-Gewaffel mit allem, was dazu gehört. Komplett überproduzierter Sound ohne jegliche Dynamik immer am Pegellimit, um auch die letzte Spur menschlichen Wirkens aus der Gleichung zu nehmen. Gitarren die über weite Strecken wie Perkussionsinstrumente klingen und ein komplett steril getriggertes Drumkit, das – und da gehe ich direkt eine Zehnerwette ein – hauptsächlich am Computer entstanden und programmiert ist. Der freundliche Homie am Mikro klingt dann auch exakt so, wie jeder andere Deathcore-Fronter, mit, mit einer sehr heißen Kartoffel im Mund. Ernsthaft, 90% der Sänger in diesem Genre könnten munter untereinander ihre Band tauschen und ich sage, dass kaum die Hälfte der Fans das auf Platte, beziehungsweise im Stream, mitbekommen würde.
Natürlich geht es wuchtig los und peitscht so unaufhaltsam in den Gehörgang wie zwei wodkabetankte Anfangzwanzigjährige auf einem E-Roller durch die Berliner Nacht. Und so, wie man deren Gesichter nicht erkennen kann, wenn sie an einem vorüberziehen, bleiben auch die Songs von CROWN MAGNETAR nicht wirklich hängen. In jedem Song kommen die gleichen rhythmischen Abfolgen und Effekte zum Einsatz, nur halt etwas umhergewürfelt. Und wenn es mal droht irgendwo nicht laut zu sein, sorgt irgendein Synthie-Effekt dafür, dass auch der Pegel hochgehalten wird. Das macht die komplette Chose brutal eintönig und mich ziemlich sauer. Alleinstellungsmerkmale, wie wirklich gelungene Breakdowns, Spoken Word-Parts, Slam-Riffs oder einen Effekt, der sich mal nicht zu ernst nimmt, kann man mit der Lupe suchen.
Und wenn ich dann JETZT besagten Objektivitätshelm aufsetze, muss ich wiederholt konstatieren, dass ich nicht die Zielgruppe bin. Zum Glück. Dann muss ich mir dennoch die Frage stellen, was diese Zielgruppe will, oder worauf sie Wert legt. Ist The Hollowing of Godflesh brutal? Ja, ziemlich sicher halten nicht wenige Menschen das für brutal heftige Mucke. Dazu gibt es, aus dem Albumkontext herausgelöst auch wirklich coole Nummern, die ein bisschen mit dem Schema F brechen und bei denen mir die Dicke-Eier-Attitüde nicht komplett auf den Kranz geht (siehe Anpieltipps). Ob die eigentliche Zielgruppe jetzt einen Mehrwert aus dem Album zieht ist mir unbekannt, vielleicht sehen wir die Scheibe dann in ein paar Monaten auf Jahresbest-Listen eben jener. Dazu würde auch passen, dass das Teil möglicherweise durchschlagenden Erfolg hat und meine Einschätzung hier völlig daneben ist.
Aber letztlich geht es doch darum: Das hier ist meine Einschätzung, und selbst mit einer gewaltigen Portion Verständnis und Wohlwollen bin ich abschließend froh, mir diese Scheibe nie wieder anhören zu müssen, vielleicht bis auf vereinzelte Songs. Nicht etwa, weil die Musik so schlimm ist, sondern weil es schlimm ist, was mit der angebotenen Musik gemacht wird. Es ist, als würde man beim Asia-Buffet sitzen und anstelle eines selbst zu bestreitenden straffen Gangs zu den edlen Speisen stehen da vier Köche und scheppern dir aus knapp einem Meter Entfernung alles gleichzeitig ins Gesicht. Wer das aushalten kann, greift hier zu, wer Dynamik oder Tempowechsel hin und wieder gut findet und/ oder auf ehrlichen Sound steht, bleibt bitte ganz weit weg.
Anspieltipps:
⛓ Desecrate Infinite
🗡 Shut Up and Bleed
Bewertung: 5,0 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. Gun Eater
02. Desecrate Infinite
03. Domination
04. Impaled Genesis
05. The Hollowing of Godflesh
06. Godkiller
07. Shut Up and Bleed
08. Torture Engine
09. Sculptures of Suffering
10. Dead Crown

