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HRAFNABLÓT – Guđlaugar Saga (2026)

(10.467) Maik (10/10) Folk Pagan Metal


Label: D.I.Y. 
VÖ: 11.09.2026 
Stil: Folk Pagan Metal







Wer mich kennt, der weiß, dass ich zumeist auf die heftigere Art des Metal abfahre. Andererseits habe ich auch ein großes Herz für die nordische Kultur des Frühmittelalters, einhergehend mit einer Liebe für die skandinavischen Sprachen, insbesonders das Isländische. Deshalb sind mir metallische Ausflüge in die nordische Folklore auch sehr angenehm. 

Deshalb war ich fürbass erschrocken, dass mir diese Veröffentlichung fast durch die Lappen gegangen wäre, hätte ich zum Monatsende nicht noch einen Anfall von Arbeitswut bekommen und ich somit noch einen Blick in den ‚noch zu erledigen‘- Ordner warf. 

Die Rede ist von der isländischen Formation HRAFNABLÓT, die am 11. September ihr Debütalbum „Guđlaugar Saga“ veröffentlicht hat. Es handelt sich hierbei um ein Konzeptalbum über eine Frau aus unserer Zeit, die plötzlich in die Zeit der Besiedlung Islands versetzt wurde.

Und was soll ich sagen, kaum ein Album im Bereich Folk und Pagan Metal hat mich schon beim ersten Hören derart berührt. HRAFNABLÓT schaffen es, die Power des Metal mit herzergreifenden Melodien zu vermengen, ohne irgendwie schwülstig oder aufgesetzt zu wirken. 

Die Fähigkeit der Isländer, ergreifende Sagas zu erschaffen, scheint also noch nicht der Vergangenheit anzugehören. Dabei stellt die Tatsache, dass die Fire-and-Ice- Insulaner in ihrer Muttersprache singen, die dem Altwestnordischen sehr nahekommt, einen nicht zu unterschätzenden Authentizitätsfaktor dar. 

Wechselnder Gesang verstärkt die erzählerische Wirkung. Außer der glockenhellen Stimme von Hugrún Hanna Stefánsdóttir kommen gelegentliche männliche Vocals, teils als Klargesang, teils rauh kratzig, vor. Aber zumeist wird die Gesangsarbeit von Hugrún erledigt. 

Ja, schon die Namen der Musiker könnten aus einer Wikingersaga stammen. Die restliche Besetzung ist, Þórgnýr Einar Albertsson (b.), Ólafur Dađi Jónsson (key.), Andri Pétur Dalmar (dr.) Mara Birna Jóhannsdóttir und Steingrímur Viđar Karlsson (g.). Letzterer liefert auch die Stimme zum einleitenden, gesprochenen Intro, welches mit Rabengeschrei- passend zum Bandnamen- unterlegt ist. 

Und dann setzt der erste Song „Dísablót“ ein, mit dem mich die Band sofort in den Bann gezogen hat. Ein Riffing, welches mich an die irische Band CRUACHAN oder an die Nordiren WAYLANDER erinnerte. Doch dann setzt Hugrúns Gesang ein und ihre wohlklingende und klare Stimme wirkt wie ein Wasserfall, und sogar die extrem hohen Töne werden gemeistert, ohne in den Trällerelsenmodus zu fallen. 

Schon bei diesem Song vermischen sich nordische Folklore und Metalklänge zu epischer Größe. Die Wechselbäder zwischen gefühlvollen Melodien und harten Riffs wirken erfrischend und versetzen einen fast bildlich in die karge Schönheit Islands. Zumindest, wenn man schon mal dort war. 

Mit „Heljarhliđ“ entführen uns HRAFNABLÒT zum Höllenhügel. Der Song beginnt hart, mit schwerem, fast doomigem Riffing und blackmetalaffinem Gesang, der dann aber wieder von der dominanten weiblichen Stimme abgelöst wird. Hier einnert mich Hugrún etwas an Kari Rueslatten auf „Nordavind“ von STORM. Auch das Riffing erinnert teilweise an das Album der Norweger. 

Nach einem weiteren narrativen Interludium „Kappar, Meyjar, Komendur“ wird gefeiert. HRAFNABLÓT entführen uns mit „Fögnuđur“, was „Feier“ bedeutet, auf ein Wikingerfest. Passend dazu stellt sich der Song eher fröhlich, gelöst und entspannt dar. Das Riffing steht eher im Hintergrund, und der Song hat einen tanzbaren Rhythmus. Der männliche Gesang in der Mitte erinnerte mich ein wenig an TÝR. Da kommen dann auch schnellere Riffs und ein packendes Gitarrensolo zum Gehör. Im Finale sieht man förmlich ausgelassen tanzende Menschen vor seinem geistigen Auge. 

„Nornarheimt“ ist im Gesamten recht treibend und packend. Auch der Gesang kommt hier sehr dynamisch durch und man fragt sich, wann die Frau eigentlich atmet. Das Zusammenspiel mit dem Backing Chor ist sehr gelungen und baut schon akkustisch eine gewisse Dramatik auf. 

Bei „Svartigaldur“ treffen sich in meinem Gehörgang wieder STORM und WAYLANDER. Schöner Kontrast zwischen harschen Männergesang und Hugrúns Stimme. Insgesamt der wohl härteste Song auf dem Album, zumindest am Anfang, was dem Titel ‚schwarze Magie“ auch angemessen ist. 

 

Etwas getragener, besinnlicher, und zum Titel „HeimÞrá“ (Heimweh) durchaus passend, gestaltet sich der vorletzte Song. Diesen könnte man als regelrecht radiotauglich einstufen, denn die Gitarren wirken größtenteils dezent im Hintergrund. Natürlich gibt es dennoch ein packendes Gitarrensolo im Mittelteil, bei dem Mara und Steingrimúr einmal mehr ihre Twin Guitars wirken lassen. 

Zum Abschluss gibt es noch ein episches Finale, denn mit „Örlagavegur“ schicken uns HRAFNABLÓT auf einen schicksalhaften Weg, auf dem in nahezu elfeinhalb Minuten noch mal alles aufgeboten wird. Von gefühlvollen Melodien über epische Breite bis hin zu metallischer Heaviness. 

Außer der wirklich grandiosen Musik gefällt mir auch, dass hier zwar stilistisch und erzählerisch das wikingerische Zeitalter berührt wird, allerdings auf zu martialische und mythologische Plakatiererei verzichtet wird. Das verleiht dem Anteil nordischer Folklore einen Zacken mehr Authentizität und weckt eher das Verlangen, sich am Lagerfeuer Geschichten zu erzählen, als plündernd über fremde Gestade herzufallen. 

 „Guđlaugar Saga“ ist wohl das ergreifendste Folk Metal Album, welches ich bisher gehört habe. Konzeptalben haben ja oft den Effekt, dass sich die Musik der Erzählung unterwirft und dadurch leicht geknebelt wirkt. Dieses Riff hat das Drachenschiff „HRAFNABLÓT“ gekonnt umschifft.

Anspieltipp:
🌄Heljarhliđ
🌀 Nornarheimt


Bewertung: 10 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. Spádómurinn 
02. Dísablót 
03. Heljarhliđ 
04. Kappar, Meyjar, Komendur 
05. Fögnuđur 
06. Nornarheimt 
07. Svartigaldur 
08. HeimÞrá 
09. Örlagavegur 



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