GÅTE – Sigil (2026)
(10.476) Timo (9,0/10) Folk/Rock/Metal
Label: Season of Mist Records
VÖ: 25.09.2026
Stil: Folk Rock/Metal
Ich bin ja nun wirklich kein großer Anhänger des Folk Rock/Metal, aber um es vorweg zu nehmen: GÅTE aus dem norwegischen Trondheim haben mich wirklich so ziemlich gepackt. Immerhin gründeten sie sich bereits 1999, diese Konstellation bestand allerdings nur bis 2005. Und man fand sich erst 2017 erneut zusammen. Für größere Aufmerksamkeit sorgte 2024 der Auftritt beim Eurovision Song Contest, wo sie allerdings mit Ulveham den letzten Platz belegten. Sei es drum, diese seltsame Veranstaltung des häufig schlechten Geschmacks, ist hier nicht unser Maßstab. GÅTE zeigten auch dort, dass sie ein außergewöhnliches Gespür für die Verbindung aus traditioneller, norwegischer Musik haben und modernen Metal und Hardrock Sound.
Mit Sigil feiert die Band ihr nunmehr 6.Studioalbum, aber das Erste für ein härteres und internationales Metal Label wie Season of Mist. Dabei ist die ergreifende Stilistik aus norwegischem Folk und erfrischenden, explosionsartigen harten Gitarrensound enorm kurzweilig. So ist der Sound bei GÅTE geprägt von jahrhundertealten Balladen, mündlichen Überlieferungen sowie traditionellen Gesangsformen, was der Band ein tiefgründiges Fundament liefert. Anstatt Tradition als starren Bezugspunkt zu betrachten, begreifen GÅTE sie als lebendige Kraft. Live sollte man sich die Shows der Norweger nicht entgehen lassen, denn diese gelten als unglaublich intensiv und fesselnd.
Die Verwendung von traditionellen Instrumenten wie Drehleier, Maultrommel, Harganderfiedel oder auch Violine ist magisch. Verbunden mit Elementen des Elektrosounds, harten Gitarrengrooves und der grandiosen Stimme von Gunnhild Sundlis, bekommt man eine wahrlich explosive und berührende Mischung, die einen sofort packt. Dabei lassen sich GÅTE keineswegs in eine Schublade stecken, soundtechnisch kommt man somit auch relativ kompakt daher. Erfrischend, spannend und zeitgemäß, bewahren sie das Feuer der Tradition und nicht den angesetzten Staub
Mit starken Songs wie dem kraftvoll und berührenden Bergteken. Dem packenden und reizvollen Oskorsreia, dem hochklassisch, mystischen Sannsinger, startet das Album phänomenal. Und ich bin schier begeistert. Das traditionelle Nokon und das in Magie eingewebte Bòd frå djupet, sind kurzweilig und auf den Punkt. Volltreffer landen auch Songs wie Songen und das ausklingende, nachdenkliche Jostedalsrypa, in norwegischer Lyrik (mit Klängen von Violine und Piano), bringt das Album selbstsicher über die Zielgerade.
Für mich haben GÅTE einen Seltenheitswert. So vielschichtig und spannend hört man Folklore selten, dabei ist die Band alles andere, aber nur nicht gewöhnlich. Eine außergewöhnliche Band, die unglaublich lebhaft und erfrischend wirkt, dabei zu berühren weiß und mir Freudentränen entlockte. Wow!
Anspieltipps: Oskorsreia und Jostedalsrypa
Bewertung: 9,0 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. Bergteken
02. Oskorsreia
03. Sannsiger
04. Nokon
05. Bòd frå djupet
06. Strandvaskar
07. Songen
08. Aude
09. Mi Jord
10. Jostedalsrypa

