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INSOMNIUM – Netherworlds (2026)

(10.481) Miriam (7,0/10) Melodic Death Metal


Label: Century Media Records 
VÖ: 16.10.2026 
Stil: Melodic Death Metal 






INSOMNIUM begleiten mich mittlerweile seit vielen Jahren. Die Band hat mich immer wieder mitgenommen – tief hinein in die dunkelsten Ecken des Metal und in eine Welt voller Melancholie, Kälte und Geschichten, die man nicht einfach nebenbei hört. Auch wenn diese Art von Musik aktuell nicht unbedingt dauerhaft in meinen Ohrmuscheln landet, ist sie für mich immer wieder ein kleiner Ausgleich. Und wenn es dann doch mal wieder INSOMNIUM sein muss, weiß ich ziemlich genau, was mich erwartet: Dunkelheit, Melodie und jede Menge Emotionen.
 
Das zehnte Studioalbum „Netherworlds“ erscheint über Century Media Records und führt die finnische Melodic-Death-Metal-Band erneut in ihre ganz eigene Welt. Nach dem rauen Hexenprozess-Konzept des Vorgängers „Anno 1696“ wird es diesmal wieder emotionaler und deutlich stärker von melancholischen, atmosphärischen Klangwelten geprägt. Im Mittelpunkt steht eine düstere Liebesgeschichte und nächtliche Odyssee durch dunkle Wälder, auf der Suche nach Dingen, die längst verloren sind. INSOMNIUM setzen dabei erneut stark auf ihre Lyrics – und das merkt man dem Album an.
 
Los geht es mit „The Cold Song“, einem atmosphärischen Intro. Eine geflüsterte, präsente Stimme zieht den Hörer direkt in die eiskalte karelische Winternacht und bereitet gleichzeitig das lyrische Fundament des Albums vor. Ein stimmungsvoller Einstieg. Danach kommt mit „Shadowlife“ für mich direkt eines der Highlights. Ich liebe diesen Song. Vor allem der Refrain geht sofort ins Gehirn und ich habe mich tatsächlich dabei ertappt, wie ich ihn im Alltag vor mich hingesummt habe. Melodie, Atmosphäre und Eingängigkeit funktionieren hier einfach richtig gut.

„Remembrance“ schlägt anschließend eine deutlich zugänglichere Richtung ein. Mein erster Gedanke war tatsächlich: „Irgendwo ist hier BULLET FOR MY VALENTINE unterwegs“. Nicht schlecht – aber für meinen Geschmack doch ziemlich poppig. Dazu kommen deutliche Parallelen zu AMORPHIS. Clean-Parts, Melodien und das eher langsame Tempo machen den Song sehr zugänglich, allerdings bleibt bei mir nicht besonders viel hängen. „Gleam in the Black“ läuft ebenfalls eher durch. Er ist gut, keine Frage, und gehört zu den schnelleren Songs des Albums. Die düstere Geschichte der nächtlichen Odyssee wird hier musikalisch passend umgesetzt: Die Protagonisten irren durch endlose Wälder auf der Suche nach dem „einzigen Lichtstrahl inmitten der Schwärze“. Musikalisch gibt es Riffs und Dynamik, trotzdem bleibt bei mir eher das Gefühl einer schönen musikalischen Begleitung zurück, die nicht weh tut, aber auch nicht wirklich überrascht.
 
Dann kommt "The Hour Grows Late" – und plötzlich sind die Emotionen wieder da. Schon das Intro sorgt bei mir für Gänsehaut. Die galoppierenden Beats geben dem Song ordentlich Bewegung, bevor Tomi Joutsen von AMORPHIS mit seiner markanten Stimme einsetzt und einen regelrecht aus den eigenen Gedanken reißt. Tempo- und Atmosphärenwechsel sowie einige experimentellere Momente machen den längsten Song der Platte zu einem echten Highlight. Überhaupt ist die Verbindung zu AMORPHIS auf „Netherworlds“ deutlich. Neben Joutsen sind auch Tomi Koivusaari an der Gitarre und Santeri Kallio an den Keyboards beteiligt. Auch beim Artwork überschneiden sich die Welten: Das Cover stammt von Travis Smith, der ebenfalls zahlreiche AMORPHIS-Artworks gestaltet hat.
 
Und dann kommen Tracks 6 bis 8.
 
Ab hier nehmen „Arch Of The Sky“, „Pathways Of The Night“ und „Ethereal Sleep“ das Tempo und die Härte komplett raus. Wo vorher mit „The Hour Grows Late“ ein echtes Highlight stand, verliert sich das Album hier in zähen, sehr ähnlichen Klangteppichen. Während die erste Hälfte des Albums mit packenden Riffs und klaren Strukturen glänzt, plätschern die oben genannten drei Songs eher ereignislos an einem vorbei. Die Songs wirken unscheinbar, weil ihnen die zündenden Melodien oder markante Tempowechsel fehlen. INSOMNIUM übertreiben es hier mit der „nächtlichen Odyssee“. Was als hypnotischer Dämmerzustand gedacht war, fühlt sich beim Hören leider eher nach Langeweile und Leerlauf an. Das Album verliert in diesem Drittel massiv an Dynamik.
 

Zum Glück kommt mit „The Banished“ wieder Leben in die Bude. Ruhiger Anfang – und dann: Hallo Gitarre. Hallo Blastbeats. Hallo INSOMNIUM! Genau das ist die Band, die ich hören möchte. Hier zeigen uns die Jungs noch einmal, was sie können und warum ich sie liebe. Der Song behandelt die Konfrontation mit der Isolation – das Gefühl, aus der warmen Welt der Lebenden und Liebenden verbannt worden zu sein. Musikalisch wird dieses Gefühl endlich wieder mit der nötigen Härte transportiert. Den Abschluss bildet „Journey's End“ – eine wunderschöne Ballade. Emotional, getragen und mit viel Atmosphäre erzählt der Song die Geschichte dieser nächtlichen Reise zu Ende. Abschied, Akzeptanz und das Annehmen der Dunkelheit stehen hier im Mittelpunkt. Für mich eine der schönsten Metalballaden des Jahres. 
 
 Fazit
 
„Netherworlds“ ist hervorragend produziert, atmosphärisch dicht und lyrisch erneut stark. Aber mir fehlt über weite Strecken die Härte der früheren INSOMNIUM -Alben. Vor allem Tracks 6 bis 8 ziehen das Album für mich unnötig in die Länge und sorgen dafür, dass vieles irgendwann wie „eine Suppe“ klingt. Die starken Momente sind definitiv vorhanden – allen voran „Shadowlife“, „The Hour Grows Late“, „The Banished“ und „Journey's End“. Insgesamt bleibt für mich aber ein durchwachsenes, stellenweise eintöniges Album, bei dem acht Songs meiner Meinung nach gereicht hätten.

Anspieltipps:
😱 Shadowlife
🌒 The Hour Grows Late


Bewertung: 7,0 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. The Cold Song 
02. Shadowlife 
03. Remebrance 
04. Gleam In The Black 
05. The Hour Grows Late (feat. AMORPHIS) 
06. Arch Of The Sky 
07. Pathways Of The Night 
08. Ethereal Sleep 
09. The Banished 
10. Journey´s End 



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