Alben des Jahres 2025

DIE Alben DES MONATS (06/26)

Aktuelle Reviews

Q&A - Die Interviews

Tales from the hard side

live on stage reports

Wir hörten früher gerne

So fing alles an

CD-Reviews A-D

DEVILDRIVER – Strike and kill (2026)

(10.356) Olaf (5,0/10) Thrash/Groove Metal


Label: Napalm Records
VÖ: 10.07.2026
Stil: Thrash/Groove Metal






Mein Verhältnis zu DEVILDRIVER war nie von bedingungsloser Zuneigung geprägt. Man respektiert die Ausdauer, erkennt den charakteristischen Groove und weiß, dass Dez Fafara ein Frontmann mit Wiedererkennungswert ist. Nur hat mich die Band musikalisch selten so gepackt, dass ich anschließend dringend ein Sofa zerlegen oder mit bloßen Händen einen Acker umpflügen wollte. Strike and Kill ändert daran nichts. Im Gegenteil: Das elfte Studioalbum bestätigt über weite Strecken, warum aus uns beiden wohl auch künftig keine innige Liebesbeziehung mehr wird.

Gegründet wurden DEVILDRIVER 2002 im kalifornischen Santa Barbara, zunächst unter dem Namen DEATHRIDE. Nachdem Dez Fafara seine Zeit bei COAL CHAMBER vorerst beendet hatte, suchte er nach einer musikalischen Heimat, in der Groove Metal, Melodic Death Metal und amerikanische Schwerstarbeit zusammenfinden konnten. Spätestens mit The Fury of Our Maker’s Hand, The Last Kind Words und Pray for Villains etablierte sich die Band als zuverlässiger Lieferant für martialische Riffs, mächtige Rhythmik und schweißtreibende Konzerte. Es folgten unter anderem Beast, Winter Kills, Trust No One, das Country-Experiment Outlaws ’Til the End Vol. 1 sowie das auf zwei Veröffentlichungen verteilte Dealing with Demons. Nun soll Strike and Kill offenbar wieder enger an die klassischen Tugenden der Band anknüpfen.

Dafür kehrt Gründungsbassist Jon Miller erstmals seit Beast auf einem neuen DEVILDRIVER-Album zurück. Neben Fafara und Miller stehen mit Alex Lee, Gabe Mangold und Davier Ortega Perez allerdings Musiker bereit, die diese vermeintliche Rückbesinnung mit einer weitgehend neuen Mannschaft umsetzen. Mangold und Perez produzierten das Album, während Mangold zusätzlich Aufnahme, Mix und Mastering übernahm. Das Ergebnis klingt druckvoll, dicht und zweifellos professionell. Gitarren und Schlagzeug stehen breit im Raum, Dez knurrt, brüllt und bellt darüber wie ein Kettenhund, dem man den Briefträger versprochen hat. Technisch gibt es wenig zu beanstanden. Nur ist ein sauber geschärftes Beil noch lange kein spannender Waldspaziergang.

Mit Dig Your Own Grave beginnt das Album genau so, wie man es erwartet: pumpende Doublebass, ein kantiges Riff und Fafara in verbaler Bestattungslaune. Der Text verteilt gleich Schaufeln, sucht einen passenden Flecken Erde und stellt klar, dass sechs Fuß Tiefe für den Adressaten eigentlich noch nicht reichen. Verrat, Abrechnung und gerechte Strafe – die Themen liegen hier nicht zwischen den Zeilen, sondern werden mit dem Vorschlaghammer in den Boden gerammt. Musikalisch funktioniert der Opener, bleibt aber bereits erstaunlich berechenbar.

Dead in the Water zeigt anschließend mehr melodische Bewegung in den Gitarren und gehört zu den stärkeren Nummern. Der Refrain bleibt hängen, das Riffing atmet etwas freier und inhaltlich geht es nicht nur um Vernichtung, sondern um Widerstandskraft: Schmerz soll in Kraft verwandelt werden, Hoffnung sei niemals vergeudet. Das klingt zwar ein wenig nach Motivationskalender für Menschen mit Kutte, besitzt aber zumindest eine positive Richtung. Leider hält diese Frische nicht lange vor.

Sanctified in Scars streut Industrial-Kälte und schwarzmetallische Schatten ein, während Fafara die eigene Läuterung durch Leid beschwört. Unter Staub und verrosteten Predigten wird eine Form von Göttlichkeit gefunden, die Narben werden zum Gütesiegel des Überlebens. Das ist bildhafter als vieles andere auf der Platte, doch musikalisch erzeugen die zusätzlichen Elemente weniger Spannung, als der Pressetext glauben machen möchte. Sie hängen an den Songs wie finstere Dekoration an einer ansonsten ziemlich gewöhnlichen Betonwand.

Der Titeltrack Strike and Kill setzt auf technische Präzision, heftige Rhythmusarbeit und die Erkenntnis, dass manche Menschen ihre Lektion eben auf die harte Tour lernen müssen. Das Schlagzeug feuert, die Gitarren fräsen und der Refrain hebt pflichtbewusst die Faust. Trotzdem fehlt das entscheidende Riff, das sich ins Gedächtnis bohrt. Härte wird hier nicht entwickelt, sondern angeordnet. Alles soll jederzeit gefährlich wirken, doch nach wenigen Minuten hat sich das Drohpotenzial abgenutzt. Ein Dobermann kann schließlich auch nicht fünfzig Minuten lang knurren, ohne dass man irgendwann fragt, ob er vielleicht einfach Hunger hat.

Dass die Band durchaus anders kann, zeigt In the Moonlight. Der Song arbeitet mit Atmosphäre, Melodie und einer ungewöhnlich entrückten Stimmung. Im Mittelpunkt steht eine geheimnisvolle Hexengestalt, die mit Katzen spricht, Fledermäuse ruft, durch den Nachthimmel reitet und ihre Trauer wie einen Schmetterling trägt. Das ist romantisch, seltsam und gerade deshalb interessant. Hier lockert DEVILDRIVER den permanent angespannten Oberarm und lässt tatsächlich Bilder entstehen. Die Nummer besitzt Charakter, weil sie nicht krampfhaft versucht, jede Sekunde als musikalische Körperverletzung zu verkaufen.

Danach fällt Strike and Kill jedoch wieder in sein vorgefertigtes Raster zurück. Ride or Die, Headed for the Fall, Shut the Silence On und Never Coming Home grooven, poltern und schieben, aber ihre Riffs lassen sich nach dem Hören kaum voneinander trennen. Doppelkreuz, gebrochenes Vertrauen, Zorn, Feuer, Klingen und der Entschluss, niemals zurückzukehren: Inhaltlich dreht sich das Album zunehmend um dieselbe Achse. Das lyrische Vokabular besteht aus Narben, Gräbern, Schatten, Blut, Stahl und Personen, mit denen Dez offensichtlich kein gemeinsames Wochenende mehr verbringen möchte.

Genau hier wird das Album teilweise brutal rotzlangweilig. Vieles wirkt gequält auf hart gemacht, geht ins eine Ohr hinein und verlässt das andere bereits wieder, bevor es dort auch nur die Schuhe ausziehen konnte. Die Grooves sind vorhanden, doch sie entwickeln kaum Sog. Die Breaks kommen, weil an dieser Stelle ein Break erwartet wird; die melodischen Gitarren erscheinen, weil die nächste Strophe etwas Farbe braucht. Das ist handwerklich ordentlich gebaut, aber emotional ungefähr so überraschend wie eine Baustellenampel.

Auch das letzte Drittel mit You’re Just a Ghost, Oath of Iron und All Bets Are Off bleibt der großen Abrechnung verpflichtet. Ehemalige Weggefährten werden zu Geistern, Wahrheit steht wie ein Grabstein im Raum, Namen werden zu Narben und am Ende ist jede Wette hinfällig. You’re Just a Ghost besitzt dabei noch einen brauchbaren Refrain und eine angenehm schwere Grundstimmung. Oath of Iron schlägt schneller und thrashiger zu, während All Bets Are Off sämtliche verbliebenen Rechnungen ins Feuer wirft. Doch selbst die Blastbeats und hektischeren Riffs können nicht verdecken, dass das Album seine wesentlichen Aussagen längst mehrfach wiederholt hat.

Das ist besonders schade, weil die Voraussetzungen stimmen. Jon Millers Rückkehr verleiht der Band historische Substanz, die neue Besetzung spielt hörbar präzise und die Produktion besitzt ausreichend Druck, um auch größere Lautsprecher zur Mitarbeit zu bewegen. Aber ausgerechnet der angekündigte Weg zurück zum typischen DEVILDRIVER-Groove erweist sich als kreative Fußfessel. Wenn ausdrücklich Musik für das Logo geschrieben wird, erhält man eben vor allem ein Markenprodukt: sofort erkennbar, zuverlässig gefertigt und nahezu frei von Überraschungen.

Strike and Kill ist kein katastrophales Album. Dafür sind die Musiker zu erfahren, einzelne Melodien zu gelungen und Stücke wie Dead in the Water oder In the Moonlight zu ordentlich. Doch über knapp 51 Minuten fehlt es an zwingenden Ideen, einprägsamen Refrains und echten Höhepunkten. Was als kompromissloser Angriff verkauft wird, klingt häufig wie eine sorgfältig eingeübte Drohkulisse. DEVILDRIVER tragen Stahlkappenschuhe, hinterlassen diesmal aber kaum Fußabdrücke. Wer die Band ohnehin liebt, bekommt das vertraute Gesamtpaket. Ich war nie ein großer Fan – und nach diesem Album wird sich daran garantiert nichts ändern.

ANSPIELTIPS:
🌊Dead in the Water
🌙In the Moonlight

 


Bewertung: 5,0 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. Dig your own Grave
02. Dead in the Water
03. Sanctified in Scars
04. Strike and kill
05. In the Moonlight
06. Ride or die
07. Headed for the Fall
08. Shutt he Silence on
09. Never coming Home
10. Summoning Shadows
11. You’re just a Ghost
12. Oath of Iron
13. All Bets are off 



SOCIAL MEDIA

Album der Woche

Album des Monats

Album des Jahres

MERCH

70.000 Tons 2024

The new breed

GROTESQUE GLORY

mottenkiste

P P P

ZO SONGCHECK

V.I.P.

alter Z.O.F.F.

Unsere Partner

Join the Army

Damit das klar ist