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BOÖTES VOID – Panta Rhei (2026)

(10.414) Miriam (8,5/10) Black Metal


Label: Vendetta Records 
VÖ: 04.09.2026 
Stil: Black Metal 






Die fränkische Black-Metal-Band BOÖTES VOID steht kurz vor der Veröffentlichung ihres dritten Studioalbums. Obwohl der Albumtitel „Panta Rhei“ auf das berühmte heraklitische Prinzip des ewigen Wandels anspielt, distanziert sich die Band von einer direkten, klassischen Interpretation. Wie der Sänger klarstellt, diente das philosophische Zitat lediglich als kreative Inspiration. Das Gesamtwerk bricht mit jeglicher Romantisierung und präsentiert sich stattdessen als Manifest des puren Nihilismus: Wenn alles fließt und vergeht, bleibt am Ende nur das absolute Nichts. 

Das Album startet mit Crown Of Vermin. Ein kurzes Intro mündet direkt in einen donnernden Sturm aus Boötes (aka Jonas) tiefen Growls und peitschenden Blastbeats. Der zweistimmige Gesang verleiht dem Ganzen von der ersten Sekunde an eine ganz eigene Tiefe. Das ist nicht nur ein Statement; das soll dem Hörer die Augen öffnen. Gepaart mit messerscharfem Old-School-Black-Metal-Riffing regieren hier Wut, blanker Hohn und Verachtung. Der Einstieg fühlt sich an wie ein verbitterter Blick auf die Menschheit, die sich selbst für die Krone der Schöpfung hält, in Wahrheit aber nur Ungeziefer (Vermin) ist. Hier herrscht eine aggressive Arroganz gegenüber den Illusionen der Gesellschaft. 

Nahtlos folgt Shapers Of The End. Hier setzt die Band stark auf lyrische Tiefe – man merkt spürbar, dass BOÖTES VOID ihre eigene, düstere Story präsentieren wollen. Ruhigere Parts dienen dem Hörer als kurzes Durchatmen, bevor sich wieder ein gewaltiger Klangteppich aus packenden Melodien, purem Geknüppel und gewohnt starkem, zweistimmigem Gesang über die Gehörgänge legt. Musikalisch spiegelt sich hier eine tiefe Ohnmacht und unausweichliche Zerstörungswut wider. Es ist die düstere Realisierung, dass wir die Architekten unseres eigenen Endes sind – angetrieben von einer zerstörerischen, blinden Energie. 

Mit Nihil folgt der emotionale Nullpunkt und der Namensgeber des Nihilismus auf dem Album. Bei dieser ersten Single-Auskopplung besinnen sich BOÖTES VOID auf absolut klassischen Black Metal. Ein hohes, klirrendes Gitarrenriffing und markerschütternde Entsetzensschreie bestimmen das Bild. Hier bricht alles zusammen; es regiert eine kalte, unbarmherzige Leere und absolute Gleichgültigkeit. Es gibt keinen Schmerz mehr, keine Wut, sondern nur noch die eisige Erkenntnis, dass am Ende absolut nichts eine Rolle spielt. 

Anschließend wird es bei Onwards To Our Death noch unbarmherziger. Hier wird gnadenlos gewalzt und geschrien – definitiv keine leichte Kost für zwischendurch. Der Track versprüht puren Fatalismus, Trotz und besitzt den Rhythmus eines unaufhaltsamen Marsches. Es erzeugt das beklemmende Gefühl, sehenden Auges und ohne Gegenwehr auf den Abgrund zuzusteuern. 

Den Übergang bildet Lost In Oblivion, das einen genialen Bruch vollzieht. Weg von der brutalen Walze, hin zu einem melancholischen, epischen Gitarrenakkord. Sofort machen sich Einsamkeit, Isolation und das Gefühl des Verblassens breit. Bis schließlich das quälende Ertrinken im Vergessen (Oblivion) mit wuchtigen Drums und schweren Riffs einsetzt. Hier dominiert die schmerzhafte Erkenntnis, dass keine Spur von uns in der Welt zurückbleiben wird – ein vertontes Gefühl des schleichenden Dahinscheidens. 

Ohne großen Schnickschnack direkt ins Gehirn geht es danach mit Nebula. „Open your eyes to see“ – so beginnt dieser brutale Track. Eine kosmische Kälte breitet sich aus. Wie in einem Nebel im Weltall verliert der Mensch hier jegliche Orientierung, was musikalisch perfekt transportiert wird. Dazu wird uns ein knallhartes, treibendes „Ufta-Ufta“-Schlagzeug um die Ohren gejagt. Boötes’ Stimme ertönt hier besonders stark, intensiv und aggressiv. Zum Schluss überrascht der Song mit einem atmosphärischen Sprach-Sample, das die totale Entfremdung vom eigenen Ego im gleichgültigen Kosmos perfekt abrundet.

Der monumentale Titeltrack Panta Rhei bildet den befreienden Höhepunkt des Albums. Erstaunlicherweise beginnt oder arbeitet der Song mit sanftem Vogelgezwitscher, was einen faszinierenden, fast makabren Kontrast zur nihilistischen Grundstimmung bildet. Der musikalische Wandel ist gewaltig: Von rasendem, zerstörerischem Geknüppel bis hin zu einer tiefen, epischen Melodiegestaltung. Das charakteristische, verzweifelte Keifen von Gast-Sänger Lukas (ELLENDE) passt hier wie die Faust aufs Auge und kontrastiert hervorragend mit den tiefen Growls von Boötes. Ein gewaltiger Schmerz und die totale Zerrissenheit zwischen Verzweiflung und melancholischer Erlösung münden in ein reinigendes Loslassen. 

Den endgültigen Schlusspunkt setzt Requiem. Nach dem massiven Sturm des Albums bleibt nur noch die sprichwörtliche Ruhe nach dem Tod. Das rein instrumentale Outro ist von einer nachdenklichen, fast schon sanften Melodie geprägt, die dem Hörer den Raum gibt, das Gehörte zu verarbeiten und das Album perfekt abzuschließen. 

Das düstere Cover-Artwork von Moonroot Art ist eine visuelle Spiegelung dieser Musik. Es ist auf eine ganz eigene Art anders: Statt bloßer Tristesse zeigt es ein surreales, kosmisches Ineinanderfließen von Natur und moderner Zivilisation, das die unerbittliche Vergänglichkeit des menschlichen Schaffens einfängt. 

Fazit 

Mit „Panta Rhei“ liefern BOÖTES VOID ihr bislang geschlossenstes und konzeptionell kompromisslosestes Werk ab. Das Album ist ultra gut produziert und lässt soundtechnisch keine Wünsche offen – allerdings ist es wirklich keine leichte Kost für Anfänger. Die Würzburger schaffen es bravourös, die rohe Gewalt des Old-School-Black-Metals mit packenden, epischen Melodien und einer unheimlich dichten, nihilistischen Atmosphäre zu verweben. Wer atmosphärischen Black Metal mit echtem Tiefgang sucht und die nötige Geduld für ein so schweres, forderndes Konzept mitbringt, für den ist dieses Album ein absoluter Pflichtkauf.

Anspieltipps:
💫 Lost In Oblivion
🌀 Nebula
🌌 Panta Rhei


Bewertung: 8,5 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. Crown Of Vermin 
02. Shapers Of The End 
03. Nihil 
04. Onwards To Our Death 
05. Lost In Oblivion 
06. Nebula 
07. Panta Rhei (feat. Ellende) 
08. Requiem



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