MORTAL TERROR – Filthy old Thrash (2026)
(10.398) Olaf (7,0/10) Thrash Metal
Label: DIY
VÖ: 26.06.2026
Stil: Thrash Metal
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Sorry für die Verspätung. Die CD ist in einem Stapel gelandet, der eigentlich für den Giftschrank bestimmt war. Dort hatte sie allerdings nichts verloren, denn MORTAL TERROR liefern weder musikalischen Sondermüll noch akustischen Gefahrstoff. Aber lieber spät als nie.
Gegründet wurde die Band am 6. Juni 1986 in Hann. Münden, später verlagerte sich ihr Lebensmittelpunkt nach Kassel. Nach mehreren Demos erschienen Mitte der Neunziger The Evolving Self und Posthuman, auf denen klassischer Thrash, Death Metal und experimentellere Einflüsse zusammenfanden. Spätestens mit Creating Destruction und Bite of the Underdog kehrten MORTAL TERROR verstärkt zu ihren Speed- und Thrash-Wurzeln zurück. Zum 40. Bandjubiläum folgt nun das in Eigenregie veröffentlichte Filthy Old Thrash – und der Titel ist keine Mogelpackung.
Nach dem kurzen Intro Ghosts from the Past schlägt 1986-6-6 die Brücke zur eigenen Geschichte. Danach heißt es: Rumpeldiepumpel … weg ist der Kumpel. Die Gitarren sägen, das Schlagzeug poltert mit Stahlkappenschuhen durch den Proberaum und an den Mikrofonen wird gebellt, gekeift und geröhrt. Das besitzt reichlich Speed-Metal-Energie, eine Portion Death Metal und genügend punkigen Rock’n’Roll-Schmutz, um anschließend den Verstärker entlausen zu wollen.
Die Produktion hat ungefähr so viel Interesse an Hochglanz wie eine Kellerkneipe an einem Dresscode. Filthy Old Thrash klingt sehr, sehr rumpelig und untergründig, besitzt dabei aber erstaunlich viel Druck und vor allem reichlich Charme. Man fühlt sich, als stünde man mit einem lauwarmen Bier zwischen Verstärkerturm und Schlagzeug. Einzelheiten verschwimmen gelegentlich in der lärmenden Masse, doch das gehört hier fast zum guten Ton. Diese Platte riecht nach Proberaum, Lederjacke, kaltem Rauch und einem Kühlschrank, dessen Inhalt seit 1992 nicht mehr vollständig überprüft wurde.
Der Titelsong bringt das Album besonders treffend auf den Punkt, während Cold, Ugly and Rotten seine ästhetische Zielsetzung bereits im Namen trägt. Here Is Some Speed wiederum ist eine Ansage von rührender Ehrlichkeit: Da steht Speed drauf, also gibt es Speed. Allerdings bleiben nicht alle Stücke dauerhaft hängen. Manche Songs könnten etwas kürzer und zwingender sein, denn fünf Minuten Spielzeit ersetzen nun einmal keinen unwiderstehlichen Refrain. In diesem Segment gibt es Bands, die ihre rostigen Klingen noch etwas schärfer führen.
Dafür ist das Artwork von Badic Art brutal geil. Das Cover sieht aus wie ein verschollenes Thrash-Motiv aus den Achtzigern, das vier Jahrzehnte in radioaktivem Bier eingelegt wurde. Es passt perfekt zu einer Platte, die keinen Zeitgeist bedienen möchte, sondern vollkommen selbstverständlich im eigenen Underground-Kosmos lebt.
Filthy Old Thrash ist definitiv in Ordnung und zu einhundert Prozent Underground-Kult. MORTAL TERROR liefern ehrlichen, ungeschminkten Krach von Musikern, die diese Musik nicht aus Dokumentationen kennen, sondern selbst durchlebt haben. Für die erste Reihe reicht es wegen des teilweise gleichförmigen Songwritings nicht, als schmutzige Jubiläumsfeier mit Bierdurst, Charme und Hornhaut auf den Riffs funktioniert das Album aber prächtig.
ANSPIELTIPS:
🔥Filthy Old Thrash
💀Cold, Ugly and Rotten
⚡Here Is Some Speed

