PIRATE QUEEN – Travelling around the World (2026)
(10.394) Olaf (1,5/10) Pirate Metal
Label: Despotz Records
VÖ: 04.09.2026
Stil: Pirate Metal
Ich liebe PIRATE QUEEN. Ehrlich! Andere Promos muss ich erst mehrfach hören, Notizen machen, Details sezieren und gelegentlich sogar mein Gehirn einschalten. Bei diesen Freibeuterinnen genügt dagegen ein einziger Tastendruck, um zu wissen: Die neue Queen und ihr Gefolge sorgen erneut für blutende Ohren und liefern einen nahezu perfekten Restmüll des Monats. Diese Verlässlichkeit muss man in einer zunehmend chaotischen Welt einfach wertschätzen.
Bereits 2024 hatten PIRATE QUEEN mit Ghosts bewiesen, dass man aus Strapsen, Säbeln, symphonischem Zuckerguss und einem in Plastik eingeschweißten Piratenkonzept noch lange kein brauchbares Album basteln kann. Gegründet wurde die spanisch-britische Truppe offiziell 2023, während die hauseigene Seemannssage ihre Entstehung kurzerhand ins Jahr 1524 verlegt. Angeblich stammen die Damen von berühmten Piratenfamilien ab, residieren auf der schwimmenden Insel Lyxion und kreuzen seit über 500 Jahren durch das Bermuda-Dreieck. Letzteres hat sein Versprechen leider erneut nicht gehalten und die Band wieder ausgespuckt. Früher verschwanden dort angeblich Schiffe, Flugzeuge und ganze Besatzungen – heute offenbar nur noch musikalischer Geschmack.
Zwei Jahre nach dem katastrophalen Debüt heißt es nun Travelling around the World. Schon der Titel klingt weniger nach gefährlicher Kaperfahrt als nach einer Pauschalreise mit Vollpension, Animationsprogramm und gemeinsamem Polonäse-Abend am Pool. Inhaltlich soll es um Freiheit, Individualismus, Rebellion, Naturverbundenheit und fünf Heldinnen gehen, die fern der Heimat einzigartige Erinnerungen erschaffen. Musikalisch klingt das allerdings eher nach einem Betriebsausflug der Abteilung Kunststoffverarbeitung. Die Weltreise führt zwar über Meere, Inseln und sagenhafte Reiche, kommt aber kompositorisch keinen Meter vom All-inclusive-Buffet weg.
Wer dabei als Bandmitglied abgebildet oder in der Besetzung aufgeführt wird, ist eigentlich Banane. Her Majesty Elizabeth Noir Nuit singt, Destiny Grieflord und Victoria Pearl Fata-Morgana bedienen die Gitarren, Ariel Coral Shin den Bass und Raindrop Oceanus das Schlagzeug. Morgen könnten dort auch Captain Tupperware, Lady Polyester und Admiral Rabattcode stehen – dieser elendige Plastikschrott wäre weiterhin beliebig austauschbar. Das Ganze wirkt weniger wie eine gewachsene Band als wie eine Rollenspielgruppe, deren Kostümfundus erheblich mehr Tiefgang besitzt als das Songwriting.
Fairerweise muss man der neuen Queen am Mikro zugestehen, dass sie durchaus hörbar ist. Im Vergleich zum sirenenhaften Debütgesang wirkt Elizabeth Noir Nuit beinahe wie eine professionelle Rettungskraft, die versucht, ein bereits vollständig gesunkenes Schiff mit einem Kaffeebecher leerzuschöpfen. Das erklärt die 150-prozentige Steigerung gegenüber Ghosts. Mathematisch bleibt eine solche Verbesserung vom akustischen Nullpunkt aus zwar überschaubar, reicht aber immerhin dafür, dass sich meine Ohren diesmal nicht schon nach wenigen Minuten selbst zur Fahndung ausschreiben lassen. Die Stimme ist kräftiger, angenehmer und erheblich weniger nervtötend – nur kann auch die beste Kapitänin nichts ausrichten, wenn der Maschinenraum mit flüssigem Haribo betrieben wird.
Fans von solchem Müll wie ALL FOR METAL und Konsorten werden vermutlich jubelnd den Aperol Spritz in die Höhe recken, ihre Plastikschwerter kreuzen und diese maritime Mogelpackung zum großen Abenteuer erklären. Der Rest sollte sich etwas gepflegter besaufen, um den Dreck auch nur halbwegs ertragen zu können. Empfohlen werden Rum, Gin oder zur vollständigen Betäubung eine Flasche Scheibenenteiser. Verantwortungsvolles Trinken ist wichtig – verantwortungsvolles Musikhören allerdings auch.
Travelling around the World ist tatsächlich besser als Ghosts, was ungefähr so viel bedeutet, wie nach einer Lebensmittelvergiftung festzustellen, dass der anschließende Fußpilz weniger lebensbedrohlich war. Die neue Sängerin verhindert den völligen Schiffbruch und hievt die Bewertung auf sensationelle 1,5 Punkte. Alles andere bleibt eine künstlich aufgeblasene Piratenparade, bei der Konzept, Kostüme und Fantasienamen verzweifelt davon ablenken sollen, dass unter Deck kaum eine musikalische Idee transportiert wird. PIRATE QUEEN bereisen die ganze Welt – nur im Hafen guter Musik legen sie konsequent nicht an.
Bewertung: 1,5 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. Arrival of the Queen
02. Sailing around the World
03. William Kidd
04. Ciudad de Tacoronte
05. Her Majesty Captain Destiny Grieflord
06. Lyxion
07. Shanty
08. On the Sea

