TASKFORCE TOXICATOR – Countdown to Death (2026)
(10.393) Olaf (9,0/10) Thrash Metal
Label: Iron Shield Records
VÖ: 18.09.2026
Stil: Thrash Metal
Natürlich gibt es wieder Qualitätsware aus dem Hause Iron Shield Records – und natürlich stammt sie von TASKFORCE TOXICATOR, jener Münsteraner Thrash-Truppe um den Mann mit der schönsten Raupe im Gesicht. Dominik Rothe und seine Mannen liefern ab, und wenn ich ehrlich bin, habe ich nichts anderes erwartet. Seit der selbstbetitelten EP von 2018 begleiten uns diese außerirdischen Söldner nun durch Galaxien voller Laserwaffen, toxischer Bedrohungen und reichlich gesellschaftlichen Unrats. Über Reborn in Thrash, das Livealbum Live Oppression, die Compilation Skull Splitting Force und das 2023 veröffentlichte Debütalbum Laser Samurai hat sich die Band eine wunderbar eigene Nische geschaffen. Nun beginnt also der Countdown to Death – und der zählt nicht gemütlich von zehn herunter, sondern tritt einem bereits bei neun mit Anlauf in die Kauleiste.
Fabian Koch am Mikrofon, Dominik Rothe und Lars Wenning an den Gitarren, Hendrik Klahold am Bass sowie Bela Schlieper am Schlagzeug haben hörbar nicht die Absicht, Laser Samurai einfach mit einer anderen Zahl auf dem Kennzeichen erneut durch die Galaxis zu schicken. Stattdessen wurden die zwölf neuen Stücke von jeder unnötigen Länge befreit und mit ein paar frischen Widerhaken versehen. Das Ergebnis wirkt kompakter, konzentrierter und an einigen Stellen auch ernster, ohne dass TASKFORCE TOXICATOR ihre überschäumende Spielfreude oder den angenehm frechen Crossover-Unterton geopfert hätten.
Countdown to Death brennt vom ersten Moment an. Die Riffs sägen, hacken und grätschen mit einer Mischung aus Bay-Area-Präzision, deutscher Thrash-Ruppigkeit und jener leicht bierseligen Schlagseite, die gelegentlich an TANKARD erinnert. Das ist aber keine nostalgische Kostümveranstaltung mit Stretchjeans-Pflicht und Turnschuhkontrolle am Eingang. Die Münsteraner wissen sehr genau, wo ihre musikalischen Wurzeln liegen, setzen diese aber in ein zeitgemäßes Klangbild. Die Lieder wirken direkter als zuvor, die Refrains zünden schneller und trotzdem bleibt genug Substanz erhalten, damit der Spaß nicht nach dem dritten Durchlauf verdampft.
Dabei ist die Platte fett produziert – und zwar genau auf die richtige Art. Cornelius Rambadt, der bereits mit SODOM, BONDED und DARKNESS gearbeitet hat, sorgt erneut für Druck, ohne den Instrumenten sämtliche Ecken aus dem Blech zu polieren. Die Gitarren besitzen Schärfe und Körper, der Bass steht nicht bloß als dekorativer Blumentopf im Hintergrund, und Belas Schlagzeug treibt die Songs mit gehöriger Wucht voran. Fabian klingt bissig, angepisst und trotzdem verständlich genug, dass die Botschaften nicht im akustischen Schützengraben liegen bleiben. Alte Schule und Moderne werden hier nicht gewaltsam verheiratet, sondern gehen gemeinsam zur Theke und bestellen noch eine Runde.
Auch kompositorisch ist das Album weit mehr als eine Sammlung möglichst schneller Riffs. The Necromancer eröffnet die Platte mit einem herrlich aggressiven Nackenschlag und nutzt seine Horrorgestalt als Sinnbild für Manipulation, geistige Vergiftung und die Wiederkehr längst überwunden geglaubter Schrecken. Hinter dem fantastischen Gewand steckt damit eine ziemlich reale Warnung: Wer seine Urteilskraft freiwillig an falsche Heilsbringer abgibt, braucht sich über die anschließende Gehirnwäsche nicht zu wundern.
Noch deutlicher wird die Haltung bei Revived Scum. Der bereits seit längerer Zeit live erprobte Speed-Metal-Hammer richtet den Mittelfinger unmissverständlich gegen Rechtsextremismus. Das funktioniert gerade deshalb so gut, weil TASKFORCE TOXICATOR nicht dozieren, sondern zuschlagen. Keine gestelzte Ansprache, kein musikalischer Zeigefinger mit Lesebrille – stattdessen ein Hochgeschwindigkeitsgeschoss, das im Konzert längst zu einem gemeinsamen Ritual von Band und Publikum geworden ist. Klare Kante darf schließlich auch Spaß machen, besonders wenn sie der braunen Brut rhythmisch auf die Springerstiefel fällt.
Mit Mental Agony widmen sich die Münsteraner den Schwierigkeiten eines Lebens mit psychischen Erkrankungen und stellen sich gegen die Stigmatisierung der Betroffenen. Gerade dieser thematische Wechsel zeigt, dass das Album tatsächlich erwachsener geworden ist. Zwischen Weltraumkrieg, Horror und toxischer Endzeit findet plötzlich ein sehr menschliches Thema seinen Platz, ohne dass es wie ein aufgesetzter Betroffenheitsbaustein wirkt. TASKFORCE TOXICATOR nehmen ihre Inhalte ernst, aber zum Glück nicht sich selbst permanent wichtiger als nötig.
Besonders gelungen ist außerdem Midnight Mass. Das Stück arbeitet stärker mit düsteren Stimmungen und atmosphärischen Melodiebögen, ohne den Thrash-Unterbau aus den Augen zu verlieren. Inhaltlich geht es um die Verlockung einfacher Antworten auf komplizierte Fragen und um die finsteren Prediger, die solche geistigen Sonderangebote gern unters Volk bringen. Dass die Geschichte schließlich in einem Blutbad endet, dürfte niemanden überraschen. Bei TASKFORCE TOXICATOR wird eine Mitternachtsmesse eben nicht mit dünnem Kaffee und Butterkeksen beendet.
Auf der anderen Seite stehen Stücke wie Intergalactic War, der hymnische Kracher See You in Hell und der Titeltrack, der mit seinen Gangshouts die Crossover-Wurzeln der Band besonders deutlich freilegt. Hier fliegen die Fäuste automatisch nach oben, während die Vernunft vorsichtshalber das Wohnzimmer verlässt. End of All Life arbeitet dagegen stärker mit Groove und Schwere, wodurch das Album genau im richtigen Moment zusätzliche Konturen erhält. Auch Die Alone besitzt diesen unmittelbaren Hymnencharakter, verbindet ihn aber mit einem bitterbösen Abgesang auf Arroganz, Machtmissbrauch und die Konsequenzen des eigenen Handelns. Freundliche Abschiedsworte klingen anders – aber wir sind hier schließlich nicht beim betreuten Sterben mit Blockflötenbegleitung.
Überhaupt zeigt sich die große Stärke von Countdown to Death darin, dass die Platte trotz ihrer zwölf Stücke nicht zerfasert. TASKFORCE TOXICATOR liefern herrlich freche Thrash-Granaten, lassen aber genügend Unterschiede zwischen Vollgas, Groove, Crossover und dunkler Atmosphäre stehen. Das Teil brennt, macht Spaß, und man ist geneigt, sofort den Circle Pit in den eigenen vier Wänden zu starten. Wer dabei Sofa, Couchtisch und Hauskatze zu unfreiwilligen Teilnehmern erklärt, sollte allerdings vorher die Haftungsfrage klären.
Natürlich verdient auch das erneut brillante Albumcover unseres Freundes Timon Kokott besondere Aufmerksamkeit. Die Verbindung zur großen Sternensaga gehört mittlerweile fest zum Kosmos der Band und passt zur Musik wie das Laserschwert zum gepflegten Handgemenge. Timon sollte sich trotzdem gelegentlich umdrehen und prüfen, ob sich nicht der lange Arm von George Lucas nähert. Ihr wisst vielleicht, was ich meine. Immerhin besitzt Rebellion Strikes Back schon einen Titel, bei dem in einer weit, weit entfernten Rechtsabteilung vermutlich jemand kurz zusammenzuckt.
Countdown to Death erfindet den Thrash Metal nicht neu, macht aus dieser Tatsache aber auch keine Ausrede. TASKFORCE TOXICATOR schreiben kompakte, abwechslungsreiche und verdammt mitreißende Songs, besitzen Haltung und haben ihren eigenen Weltraumwahnsinn längst zu einem echten Wiedererkennungsmerkmal ausgebaut. Das zweite Album ist druckvoller, reifer und vielseitiger als sein Vorgänger, ohne dessen unbekümmerte Energie einzutauschen. Starkes Album, wie immer – oder anders gesagt: zwölf Gründe, die Möbel an die Wand zu schieben und den Nachbarn rechtzeitig einen Helm zu reichen.
ANSPIELTIPS:
🔥The Necromancer
💀Revived Scum
🚀Countdown to Death
Bewertung: 9,0 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. The Necromancer
02. Mental agony
03. Intergalactic War
04. Revived Scum
05. Midnight Mass
06. Deepest Abyss
07. Countdown to Death
08. End of all Life
09. See you in Hell
10. Rebellion strikes back
11. Strike èm down
12. Die alone

