Alben des Jahres 2025

DIE Alben DES MONATS (07/26)

Aktuelle Reviews

Q&A - Die Interviews

Tales from the hard side

live on stage reports

Wir hörten früher gerne

So fing alles an

CD-Reviews A-D

CASTLE – Carrie Chains (2026)

(10.389) Olaf (7,0/10) Doom Metal


Label: Hammerheart Records
VÖ: 04.09.2026
Stil: Doom Metal






Unser Baka war beim Vorgänger Evil Remains derart aus dem Häuschen, dass die Höchstnote bereits nervös mit den Hufen scharrte. Ganz so weit möchte ich bei Carrie Chains nicht gehen. Das siebte Album von CASTLE besitzt ohne Frage seine starken Momente, zieht ordentlich am Kettenzug und gefällt mir mit jedem Durchlauf ein Stück besser – zum ganz großen Burgsturm reicht es diesmal jedoch nicht.

Seit ihrer Gründung 2009 haben Liz Blackwell und Mat Davis aus CASTLE eine Band geformt, deren Sound irgendwo zwischen San Francisco, Toronto und einem seit 1974 nicht mehr gelüfteten Proberaum zu Hause ist. Mit In Witch Order ging es 2011 los, inzwischen stehen mehr als 800 Konzerte auf drei Kontinenten und eine erfreulich eigenwillige Diskografie zu Buche. Von stromlinienförmiger Karriereplanung kann hier keine Rede sein. Bei CASTLE kriechen die Riffs lieber über feuchte Kellerstufen, während im Hintergrund vermutlich gerade jemand einen Ziegenkopf an die Wand nagelt.

Carrie Chains entstand nach über einem Jahr auf Tour zum Vorgänger und parallel zur Cover-EP Double Vision. Für die Aufnahmen zog es die Band im März zu Produzent Jesse Gander in die RainCity Recorders nach Vancouver. Erstmals wurden die Stücke gemeinsam live im Studio eingespielt, wobei Mike Cotton am Schlagzeug für das notwendige Gerumpel sorgt. Diese Entscheidung hört man dem Album an. Der Sound besitzt Ecken, Schrammen und eine angenehm körperliche Direktheit. Hier wird nicht jeder Ton mit Wattestäbchen poliert, sondern der Verstärker eingeschaltet und anschließend geschaut, welche Wand zuerst Risse bekommt.

Stilistisch bleiben CASTLE ihrem eigentümlichen Gemisch aus Heavy Metal, Doom und kauzigem Siebzigerjahre-Rock treu. Die Schatten von BLACK SABBATH, JUDAS PRIEST und MERCYFUL FATE huschen zwar durch die acht Stücke, doch die Band kopiert ihre Ahnen nicht sklavisch. Besonders Liz Blackwells raue, leicht verruchte Stimme besitzt genügend Charakter, um die Musik aus der Retro-Rumpelkammer zu ziehen. Sie klingt, als hätte sie mit Whiskey gegurgelt und anschließend einer Wahrsagerin die Zukunft geklaut. Das passt hervorragend zu den verschlungenen Riffs, den düsteren Melodien und jener latent okkulten Atmosphäre, die über dem Album hängt wie Spinnweben über einer kaum benutzten Familiengruft.

Der quasi namensgebende Song Carry Chains bringt die Stärken der Platte recht kompakt zusammen: ein griffiges Riff, ein guter Refrain und diese finstere Schwerfälligkeit, die nie vollkommen im klassischen Doom versinkt. Noch mehr Bewegung entwickelt Truckgrinder. Das Stück ist eine Liebeserklärung an Straße, Tourleben und Dauerbetrieb und hält entsprechend den Fuß auf dem Gaspedal. Hier rumpelt es besonders schön, das Riffing greift bissig zu und plötzlich besitzt die alte Burg sogar eine eigene Autobahnauffahrt.

Überhaupt funktioniert Carrie Chains am besten, wenn CASTLE ihre Ideen konzentrieren und den Songs Luft zum Atmen lassen. Dann entstehen kernige, angenehm ungeschliffene Heavy-Doom-Brocken, die unmittelbar in die Nackenmuskulatur fahren. An einigen Stellen packt die Band jedoch zu viele verschlungene Wendungen, schräge Übergänge und psychedelische Verzierungen in ihre Stücke. Der von mir grundsätzlich geschätzte kauzige Siebziger-Spirit wirkt dann weniger geheimnisvoll als leicht übermöbliert. Zwischen Lavalampe, Räucherstäbchen, Hexenaltar und drei verschiedenen Riffideen findet der eigentliche Song nicht immer rechtzeitig den Ausgang.

Genau dort liegt mein größtes Problem mit dem Album: Es macht während des Hörens durchaus Laune, besitzt eine gute Produktion, ordentlich Druck und mehrere gelungene Widerhaken – doch nach dem Verklingen bleibt erstaunlich wenig dauerhaft im Gedächtnis. Liz Blackwells Stimme erkenne ich jederzeit wieder, beim gesamten musikalischen Fingerabdruck von CASTLE bin ich mir hingegen weniger sicher. Dafür ähneln sich manche Stimmungen und Riffkonstruktionen zu sehr, während andere Passagen so vollgestopft sind, dass sich kein einzelnes Motiv nachhaltig festbeißen kann.

Der Abschluss Burn the Messenger gehört dagegen zu den stärksten Momenten. Das Stück verbindet schwere Riffs mit einer aufrechten, beinahe hymnischen Haltung und greift das Schicksal von Visionären auf, die für unbequeme Wahrheiten als Ketzer verfolgt werden. Damit bekommt die okkulte Bildsprache einen greifbaren Kern: Kunst als Stimme für jene, die selbst keine besitzen, und als gefährlicher Weg jenseits gesellschaftlicher Bequemlichkeit. Ein starker Schlusspunkt, der dem Album noch einmal zusätzliche Tiefe verleiht.

Carrie Chains ist somit ein gutes, eigenständiges Heavy-Doom-Album mit rauer Stimme, lebendiger Produktion und ausreichend Schmutz unter den Fingernägeln. Es fehlt lediglich jener eine unvergessliche Zauberspruch, der mich auch Stunden später noch heimsucht. Die Burg steht stabil, in mehreren Räumen brennt Licht – nur den Weg dorthin werde ich mir vermutlich erneut erklären lassen müssen.

ANSPIELTIPS:
🔥Carry Chains
🏍️Truckgrinder


Bewertung: 7,0 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. Fooled again
02. 3 Knocks
03. Carry Chains
04. Evil Nun
05. Truckgrinder
06. Orb Weaver
07. Goat Vision
08. Burn the Messenger 



SOCIAL MEDIA

Album der Woche

Album des Monats

Album des Jahres

MERCH

70.000 Tons 2024

The new breed

GROTESQUE GLORY

mottenkiste

P P P

ZO SONGCHECK

V.I.P.

alter Z.O.F.F.

Unsere Partner

Join the Army

Damit das klar ist