WITCHBURNER – Black raging Flames (2026)
(10.399) Olaf (9,2/10) Speed Metal
Label: Diabolic Might Records
VÖ: 04.09.2026
Stil: Thrash Metal
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Alter … endlich sind die Rabauken zurück – und wie! Dreizehn Jahre nach Bloodthirsty Eyes stehen WITCHBURNER wieder vor der Tür. Wobei „stehen“ die Sache nur unzureichend beschreibt: Die Fuldaer treten sie ein, reißen sie aus den Angeln und verarbeiten das Holz anschließend zu einem hübschen kleinen Scheiterhaufen. Black Raging Flames ist ein geiler Tritt in die Fresse, ein loderndes Bekenntnis zum speedigen Thrash Metal und eines jener Alben, bei denen sich bereits nach wenigen Minuten die Frage stellt, warum zum Teufel wir so lange darauf warten mussten.
Seit 1992 treiben WITCHBURNER ihr Unwesen im hessischen Untergrund. Das selbstbetitelte Debüt erschien 1996, danach folgten Blasphemic Assault, Incarnation of Evil, Final Detonation, Blood of Witches und Demons, bevor 2013 mit Bloodthirsty Eyes zunächst der letzte Langspieler auf die Menschheit losgelassen wurde. Black Raging Flames ist damit das achte Album der Band und nach Bloodthirsty Eyes das zweite, das Pino Hecker, Simon Seegel, Michael „Mächel“ Frank, Andy Süss und Felix Darnieder gemeinsam eingespielt haben. Diese seit 2011 unveränderte Besetzung erweist sich auch dreizehn Jahre später als bestens geölte Maschine.
Dass hier keine hastig zusammengewürfelte Rückkehr gefeiert wird, hört man sofort. WITCHBURNER klingen nicht wie eine Band, die nach dreizehn Jahren erst einmal den Rost von den Instrumenten kratzen muss. Sie klingen vielmehr, als hätten sie die gesamte Zeit mit laufendem Motor in einer schlecht belüfteten Garage verbracht. Keine Pause, kein Herantasten, kein altersmildes Räuspern: no filler, just killer. Black Raging Flames geht vom eröffnenden Richtschwert bis zum letzten geleerten Krug bei One Million Beers konsequent nach vorne.
Dabei erfinden WITCHBURNER den Speed/Thrash Metal selbstverständlich nicht neu. Das wäre ungefähr so sinnvoll, wie einem Flammenwerfer eine Energiesparfunktion einzubauen. Stattdessen besinnen sie sich auf das, was diesen Stil groß gemacht hat: scharfkantige Gitarren, eine bissige Stimme, Soli mit genügend Irrsinn im Tank und eine Rhythmusfraktion, die nicht begleitet, sondern verfolgt. Riffs bis an den Horizont, immer Vollgas, immer heavy. Und wenn man glaubt, jetzt müsse doch wenigstens einmal kurz Luft geholt werden, kommt bereits das nächste Sägeblatt um die Ecke.
Das Großartige daran ist die unglaubliche Dichte des Songmaterials. Hier steht kein Titel verloren in der Gegend und wartet darauf, von einem stärkeren Nachbarn gerettet zu werden. Pestilent Disciple, Siege of Terror und By Moonlight We Strike unterscheiden sich in ihren Widerhaken, gehören aber alle zur gleichen durch und durch verdorbenen Familie. Die Gitarren von Simon Seegel und Michael Frank werfen einander die Riffs zu, zerlegen sie in rasende Leads und treiben die Stücke mit einer Spielfreude voran, die nichts mit technischer Angeberei zu tun hat. Hier dient jede Note dem Angriff. Niemand hält einen Vortrag über Fingerfertigkeit – die Finger drücken lieber gleich den roten Knopf.
Pino Hecker ist dabei der ideale Zeremonienmeister. Seine Stimme besitzt dieses raue, leicht angefaulte Organ, das weder in klinischer Perfektion badet noch so tut, als müsse Thrash Metal inzwischen höflich anklopfen. Er keift, brüllt und kommandiert, ohne dabei zum eindimensionalen Dauerbeller zu werden. Gerade die markanten Refrains profitieren davon enorm. Witchburner Pt. III wirkt wie ein erneut entfachtes Bandmanifest, während der Titeltrack Black Raging Flames die gesamte Platte in konzentrierter Form präsentiert: rasend, finster, griffig und mit genügend brennendem Teer versehen, um damit eine mittlere Burgbelagerung zu bestreiten.
Der Sound besitzt genau jenen schönen modrigen Kellercharme, den dieses Material benötigt, entwickelt aber gleichzeitig verdammt viel Druck. Die Gitarren sind rau, kantig und ausreichend dreckig, ohne als unkenntlicher Brummklumpen aus den Boxen zu fallen. Michael Frank nahm die Platte erneut im Rekordz Studio in Lauterbach auf und übernahm auch Produktion, Mix und Mastering; die Gesangsaufnahmen entstanden unter Betreuung von Avenger im Somewhere In Nowhere Studio in Alzey.
Lediglich das Schlagzeug klingt mir stellenweise etwas zu sauber. Gerade bei einem Album, das ansonsten nach feuchtem Mauerwerk, heißem Metall und abgestandenem Bier riecht, hätte die Schießbude ruhig noch ein wenig mehr Dreck unter den Nägeln vertragen können. Doch ganz ehrlich: Bei diesem famosen Songmaterial lasse ich das ohne längere Verhandlung durchgehen. Wenn ringsum die Riffs wie Brandsätze einschlagen, beklagt sich schließlich auch niemand darüber, dass der Zünder zu ordentlich verarbeitet wurde.
By Chains Severed, bereits 2025 als erstes neues Lebenszeichen seit zwölf Jahren veröffentlicht, hatte angedeutet, dass WITCHBURNER keineswegs zahnlos geworden sind. Im Albumzusammenhang wirkt der Song sogar noch stärker, weil er nicht als einsamer Rückkehrer dasteht, sondern Teil eines einzigen großen Geschwindigkeitsrausches ist. Ein derartiger Wiedereinstieg gelingt nur selten: kein kalkuliertes Retroprodukt, sondern Musik von Überzeugungstätern, die nie aufgehört haben, an die elementare Kraft eines verdammt guten Thrash-Riffs zu glauben.
Selbst die einzige Fremdkomposition fügt sich nahtlos ein. Too Fast for Hell stammt ursprünglich vom 1985 veröffentlichten VECTOM-Debüt Speed Revolution und ist eine herrlich geschmackssichere Verbeugung vor dem deutschen Speed-Metal-Untergrund. WITCHBURNER behandeln den Song nicht wie eine ehrfürchtig abgestaubte Antiquität, sondern jagen ihn mit den eigenen Stiefeln durchs Feuer. So muss eine Coverversion funktionieren: Herkunft respektieren, Zähne zeigen und bloß keine Museumspantoffeln anziehen. Im Übrigen zog ich das Album gleich nach dem erstmaligen Durchlauf des Covers aus dem Schrank und schwelgte in Erinnerungen…
Und dann wäre da natürlich noch One Million Beers. Andere Bands hätten aus diesem Titel vermutlich einen schenkelklopfenden Fremdkörper gemacht, bei dem bereits nach der zweiten Strophe das musikalische Resthirn in den Bierdeckel tropft. WITCHBURNER machen daraus einen standesgemäßen Abschluss: metallisch, ausgelassen und dennoch keineswegs albern. Nach dieser Platte erscheinen eine Million Biere auch nicht wie Übertreibung, sondern wie eine realistische Angabe für den Flüssigkeitsverlust beim Hören.
Auch optisch passt alles zusammen. Jowita Kamińska-Peruzzi liefert erneut eine klassische, bewusst finstere Metal-Illustration, die keinen Designpreis im skandinavischen Möbelhaus gewinnen will, sondern genau dorthin gehört, wo Hexen, Flammen und scharfes Metall seit Jahrzehnten eine ziemlich stabile Wohngemeinschaft bilden. Das Cover verspricht keine Experimente, sondern brennende Tradition – und exakt das liefert die Musik.
Black Raging Flames ist kein bloß gelungenes Comeback und schon gar kein nostalgischer Gruß aus besseren Zeiten. Dieses Album steht mit beiden Stiefeln im Hier und Jetzt, auch wenn seine Seele weiterhin in jener Epoche wohnt, in der Thrash Metal nach Schweiß, Leder und schlecht geerdeten Verstärkern klang. WITCHBURNER haben dreizehn Jahre geschwiegen und dafür zehn Stücke abgeliefert, die keinerlei Wiedergutmachungsrabatt benötigen. Das ist ein absolutes Killeralbum: schnell, dreckig, mörderisch griffig und bis zur letzten Sekunde voller brennender Leidenschaft.
ANSPIELTIPS;
🔥Black Raging Flames
💀By Chains Severed
🍺One Million Beers
Bewertung: 9,2 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. Richtschwert
02. Pestilent Disciple
03. By Chains severed
04. Siege of Terror
05. Witchburner Pt.III
06. Black raging Flames
07. By Moonlight we strike
08. Throne
09. Too fast for Hell
10. One Million Beers

