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KILLER – The grand Finale (2026)

(10.402) Olaf (5,0/10) Heavy Metal


Label: High Roller Records
VÖ: 11.09.2026
Stil: Heavy Metal






Wenn eine Band ihr letztes Studioalbum The Grand Finale nennt, bleibt wenig Raum für Missverständnisse: Hier wird nicht vorsichtig mit dem Abschiedstaschentuch gewedelt, sondern noch einmal der Verstärker aufgerissen. KILLER gehören schließlich seit 1980 zum belgischen Heavy-Metal-Inventar. Gegründet von Gitarrist und Sänger Paul „Shorty“ Van Camp sowie dem im Februar 2026 verstorbenen Schlagzeuger „Fat“ Leo, entwickelte sich die Band aus der Rock- und Bluesformation MOTHERS OF TRACK. Gemeinsam mit ACID und CROSSFIRE gehörte das Trio zu den prägenden Namen der frühen belgischen Szene. Alben wie Ready for Hell, Wall of Sound und Shock Waves genießen bis heute ihren wohlverdienten Veteranenstatus.

Nach mehreren Trennungen, Wiedervereinigungen und insgesamt acht Studioalben soll The Grand Finale nun tatsächlich den Schlusspunkt setzen. Shorty komponierte sämtliche Musik und Texte selbst und versteht die Platte ausdrücklich als Verbeugung vor Lemmy. Das ist ehrenwert, wird musikalisch jedoch stellenweise zum Problem: KILLER naschen derart ausgiebig am MOTÖRHEAD-Honigtopf, dass man fürchten muss, gleich klebt die ganze Band am Glas fest. Das Können ist definitiv vorhanden, Shortys Gitarrenspiel besitzt Feuer, die Rhythmusfraktion marschiert kräftig voran und die bewusst einfachen Refrains erfüllen ihren Zweck. Die unnachahmliche Klasse, Gefährlichkeit und rotzige Eleganz von Lemmy und seinen Mitstreitern erreicht das Trio allerdings nicht einmal ansatzweise.

Stücke wie Loaded Gun, Roll the Dice oder das besonders schnelle What You See Is What You Get knattern ordentlich aus den Lautsprechern, wirken aber häufig wie traditionsbewusste Wiedergänger längst bekannter Ideen. Bei den beiden letztgenannten Nummern ist Lloyd „Lemmy“ von der Tributeband MOTORHEADZ als Gast zu hören. Vor allem beim abschließenden What You See Is What You Get kommt seine verblüffende stimmliche Nähe zu Mister Kilmister zum Tragen. Inhaltlich geht es um unverstellte Ehrlichkeit: keine Posen, keine falschen Metaller und keine Kompromisse. Das passt zu KILLER, rettet die Komposition aber nicht vollständig aus dem Museumskeller.

Zu oft bleibt The Grand Finale in seinem altbackenen Old-School-Gerüst hängen. Die Riffs funktionieren, die Soli sitzen und die Produktion bringt ausreichend Druck mit, doch Spannung lässt sich nicht allein durch Lautstärke ersetzen. Nach mehreren Durchläufen entsteht deshalb weniger der Wunsch, sofort wieder die Starttaste zu drücken, als vielmehr das Bedürfnis, den alten Originalen einen Besuch abzustatten.

Eine bemerkenswerte Ausnahme ist Hard Day Coming. Dieser Refrain hakt sich mit der Beharrlichkeit eines belgischen Bierdeckels an der Schuhsohle im Kopf fest und lässt sich auch Stunden später nicht abschütteln. Genau diese Eingängigkeit hätte dem gesamten Album gutgetan. Hier zeigt KILLER, dass schlichtes Songwriting keineswegs langweilig sein muss, sofern die entscheidende Melodie sitzt.

Als Abschied ist The Grand Finale ehrlich, kompetent und angenehm frei von modernem Firlefanz. Als Album bleibt es jedoch zu vorhersehbar und zu sehr im Schatten seines übermächtigen Vorbildes. Die alten Herren verlassen die Bühne aufrecht, aber der ganz große Schlussakkord klingt anders. Sechs Punkte sind dafür angemessen – samt eines Ohrwurms, der vermutlich noch weitersingt, wenn der Vorhang längst gefallen ist.

ANSPIELTIPS:
🔥Hard Day Coming
🎲Roll the Dice


Bewertung: 5,0 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. Loaded Gun
02. Welcome to the real World
03. The grand Finale
04. Gone too soon
05. Roll the Dice
06. Hard Day coming
07. Don’t get me wrong
08. The Fire still burns
09. In the Eye of the Storm
10. What you see is what you get 



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