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XION – When Stars collide (2026)

(10.403) Olaf (8,0/10) Speed Metal


Label: Fireflash Records
VÖ: 11.09.2026
Stil: Speed Metal






Beim Anblick des Covers hätte ich XION zunächst eher in der Power-Metal-Ecke verortet. Das leuchtende Logo, der kosmische Hintergrund und die metallische Maske mit ihren weißen Augen sehen aus, als würde gleich eine interstellare Kriegerkaste zur Rettung der Galaxie aufbrechen. Auch die violett schimmernde Farbgebung verstärkt diesen Eindruck. Hinter When Stars Collide verbirgt sich allerdings kein galaktischer Heldengesang, sondern rasanter, melodischer Speed/Thrash Metal – technisch versiert, erstaunlich reif und gelegentlich fast ein wenig zu sauber für die angerichtete Verwüstung. Das Cover blickt also bedeutungsschwer in die Unendlichkeit, während die Musik bereits mit Vollgas an ihm vorbeigeschossen ist.

Bislang waren mir XION vollkommen unbekannt. Dabei hat das Quintett aus Falun innerhalb erstaunlich kurzer Zeit bereits einiges erreicht. Die Band wurde 2022 gegründet, als mehrere Mitglieder noch minderjährig waren, gewann ein Jahr später den Wettbewerb „Imagine Sweden“ und veröffentlichte im Januar 2024 das Debüt Between Shadows and Gods. Danach standen Auftritte im Vorprogramm von IN FLAMES und der GENE SIMMONS BAND in der Dalhalla Arena sowie Konzerte beim Sweden Rock Festival, Gefle Metal und auf der Sabaton Cruise auf dem Stundenplan. Andere schleppen in diesem Alter noch Pfandflaschen zum Supermarkt, XION sammeln derweil Festivalerfahrung und Plattenverträge.

Die 2025 veröffentlichte Single Wasteland of Time brachte die Band mit Produzent Jonas Arnberg zusammen und überzeugte schließlich auch Fireflash Records. Auf When Stars Collide präsentiert sich XION nun deutlich fokussierter, ohne dabei wie eine Gruppe zu klingen, die ihre Vorbilder heimlich unter der Schulbank abschreibt. Natürlich blitzen ANNIHILATOR, MEGADETH und gelegentlich SLAYER zur Seasons in the Abyss-Zeit auf. Das hört man bei den kantigen Riffs, den abrupten rhythmischen Haken und jener kontrollierten Hektik, bei der jederzeit etwas explodieren könnte. Doch XION setzen diese Einflüsse bereits erstaunlich eigenständig zusammen.

Vor allem die Gitarrenarbeit von Erik Zetterström und Liam Rådman ist bemerkenswert. Hier wird nicht nur möglichst schnell über das Griffbrett gerannt, sondern mit Gegenmelodien, kleinen technischen Finessen und sauber gesetzten Tempowechseln gearbeitet. Die Riffs besitzen genügend Biss, um Nackenwirbel in Tarifverhandlungen zu schicken, während die Soli melodisch bleiben und nicht zu reinen Leistungsschauen verkommen. Johan Berg und Algot Brask halten den ganzen Laden mit ausgesprochen präzisem Bass- und Schlagzeugspiel zusammen. Gerade Brask wirkt, als hätte man ihm vor den Aufnahmen erklärt, die Studiomiete werde nach jeder ruhigen Sekunde teurer.

Robin Björk erweist sich dabei als ausgesprochen starker Frontmann. Sein klarer Gesang passt hervorragend zu dieser Verbindung aus Speed, Thrash und klassischem Heavy Metal, ohne sich in schrillen Höhenflügen zu verlieren. Er besitzt Kraft, Ausdruck und genügend Wiedererkennungswert, um gegen das instrumentale Dauerfeuer zu bestehen. Dass hier überwiegend clean gesungen wird, nimmt der Musik nichts von ihrer Härte. Im Gegenteil: Der Gesang verleiht den Songs eine zusätzliche melodische Ebene und sorgt dafür, dass die Platte nicht im üblichen Gebrüll-und-Geballer-Stau stecken bleibt.

Mit acht Songs ist When Stars Collide angenehm kompakt geraten. XION verschwenden keine Zeit mit atmosphärischen Platzhaltern oder anderthalbminütigem Windrauschen, weil das angeblich so schön nach Konzeptalbum klingt. Stücke wie Hands Will Be Cut, Burned onto You und Phantom of Blood verbinden bissige Riffs mit eingängigen Refrains, ohne dabei zu handzahm zu werden. Besonders gelungen ist die Balance zwischen technischer Präzision und unmittelbarer Energie. Man kann den Musikern konzentriert bei der Arbeit zuhören, darf aber ebenso bedenkenlos Möbel verrücken und das Wohnzimmer zum Moshpit erklären.

Eine andere Facette zeigt Granted Wings (Let Me Fly). Der Song beginnt zurückhaltender, arbeitet stärker mit Melodien und emotionalem Gesang und steigert sich allmählich zu einem kraftvollen Finale. Inhaltlich geht es um Verlassenheit, Verlust und den Wunsch, aus dieser Dunkelheit auszubrechen. Damit setzen XION einen wirkungsvollen Gegenpol zu den direkteren Attacken und beweisen, dass sie nicht ausschließlich mit durchgetretenem Gaspedal komponieren können. Das beinahe sechsminütige Dead by the Night nutzt seine Länge ebenfalls, um mehr Dynamik und Spannung aufzubauen, bevor Mirror Shield und das abschließende Zero Light die Nackenmuskulatur noch einmal zur Nachtschicht bestellen.

Gerade Zero Light gehört zu den härtesten und chaotischsten Momenten des Albums. Hier zeigt sich besonders deutlich, wie gut die Band Geschwindigkeit, technische Disziplin und melodische Widerhaken miteinander verbindet. Trotz des hohen Tempos bleibt jede Wendung nachvollziehbar, und selbst wenn die Gitarren hektisch umeinanderkreisen, landet nichts kopfüber im schwedischen Straßengraben.

Lediglich die Produktion ist mir stellenweise eine Spur zu klar. Jonas Arnberg hat jedes Instrument druckvoll und detailliert eingefangen, doch ein wenig mehr Schmutz unter den Fingernägeln hätte der Musik gutgestanden. Manche Riffs werden so akkurat ausgeleuchtet, dass selbst das kleinste Staubkorn einen eigenen Schatten wirft. Das ist handwerklich ohne Zweifel ausgezeichnet, nimmt dem Speed/Thrash Metal aber gelegentlich etwas von seiner natürlichen Wildheit. Glücklicherweise besitzen die Songs genügend Energie und Eigenleben, um nicht wie musikalische Laborproben zu wirken.

When Stars Collide ist ein starkes zweites Album einer jungen Band, die bereits wesentlich weiter klingt, als es ihr Gründungsjahr vermuten lässt. XION kennen die klassischen Baupläne des Genres, reißen damit aber kein nostalgisches Reihenhaus hoch, sondern beginnen hörbar mit dem eigenen Entwurf. Noch fehlt vielleicht der eine alles überstrahlende Song, der die Band endgültig aus dem Nachwuchsbereich katapultiert. Doch wer mit solcher Präzision, Spielfreude und kompositorischer Sicherheit startet, dürfte in Zukunft mehr als nur ein paar Sterne zusammenstoßen lassen.

ANSPIELTIPS:
🔥Zero Light
🪽Granted Wings (Let Me Fly)
💀Phantom of Blood


Bewertung: 8,0 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. Hands will be cut
02. Burned onto you
03. Phantom of Blood
04. Total Euphoria
05. Granted Wings (Let me fly)
06. Dead by the Night
07. Mirror Shield
08. Zero Light 



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