RAVAGED BY THE YETI – Snowbound Horror (2026)
(10.357) Olaf (8,3/10) Death Metal
Label: Testimony Records
VÖ: 10.07.2026
Stil: Death Metal
Rogga Johansson hat schon wieder eine Band – seine gefühlt 600. Glückwunsch! Sollte der Mann irgendwann innerhalb von drei Monaten keine vier Alben veröffentlichen, mache ich mir ernsthafte Sorgen und erkundige mich vorsichtshalber bei den schwedischen Behörden. RAVAGED BY THE YETI gründete der nimmermüde Gitarrist und Songwriter bereits 2020 gemeinsam mit Jonny Pettersson und Jon Skäre. Nach dem Debüt Apex Predator von 2023 brach die ursprüngliche Besetzung auseinander, doch einen Yeti legt man offenbar nicht einfach mit einem Personalwechsel aufs Kreuz.
Für Snowbound Horror hat Johansson das Schneemonster mit zwei alten Weggefährten wiederbelebt. Am Bass steht Mike Borders, der bereits während der frühen Demo-Tage bei MASSACRE aktiv war und später zu deren Wiederauferstehung zurückkehrte. Hinter dem Schlagzeug sitzt der britische MONSTROUS-Musiker Jon Rudin. Damit besteht RAVAGED BY THE YETI nun aus einem schwedisch-amerikanisch-britischen Trio, das musikalisch allerdings irgendwo in einer zugeschneiten Höhle haust, in der seit 1992 kein Tageslicht mehr hineingefallen ist.
Ihr wollt mal wieder ein gutes SIX FEET UNDER-Album hören? Here we go! Snowbound Horror besitzt genau jene tief gestimmten, schleppenden Riffs, knochentrockenen Grooves und herrlich primitiven Nackenbrecher, die Chris Barnes und seine Kollegen seit längerer Zeit nur noch gelegentlich aus dem Tiefkühlfach bekommen. Dabei sind RAVAGED BY THE YETI keine plumpe Kopie. Zwischen den schweren Walzen tauchen bissige Beschleunigungen, Grindcore-Splitter und überraschend griffige Gitarrenläufe auf. Die Band bezeichnet das augenzwinkernd als Neanderthal Metal – wobei man nach neueren Erkenntnissen wohl eher Denisova Metal sagen müsste. Hauptsache, es hat Fell, Zähne und schlechte Tischmanieren.
Elf Songs in knapp 35 Minuten lassen keinen Raum für unnötige Expeditionstagebücher. Stücke wie Vengeance in Fur, By the Hands of the Beast oder Death by Icicle machen bereits mit ihren Titeln klar, dass hier keine tiefenpsychologische Aufarbeitung winterlicher Kindheitstraumata stattfindet. Das lose Yeti-Konzept wird genüsslich durch Schnee, Blut und abgerissene Gliedmaßen gezogen, ohne sich dabei ernster zu nehmen als unbedingt nötig. Songtexte lagen allerdings nicht vor, weshalb ich dem behaarten Bergbewohner keine erfundenen Weisheiten in sein gefrorenes Maul legen werde.
Håkan Stuvemark hat das Album in den Necrotic Audio Productions aufgenommen, gemischt und gemastert. Der Sound ist massiv, druckvoll und erfreulich organisch. Die Gitarren schieben wie eine Schneefräse mit Motorschaden, der Bass knurrt hörbar darunter und Rudins Schlagzeug besitzt genügend Wucht, um auch hartnäckige Eiszapfen von der Dachrinne zu prügeln. Besonders überzeugend ist das Gespür für Grooves, die simpel wirken, aber ausgesprochen effektiv platziert sind. Diese Lawine fragt nicht nach Innovation – sie rollt einfach über dich hinweg.
Ganz ohne kleinere Erfrierungserscheinungen kommt Snowbound Horror dennoch nicht davon. Im Mittelteil ähneln sich einige Riffkonstruktionen, und wer im Old School Death Metal nach neuen Kontinenten sucht, wird hier höchstens eine weitere Tiefkühltruhe entdecken. Doch das kompakte Songwriting, die bissige Produktion und die sympathische Mischung aus Brutalität und schwarzem Humor verhindern zuverlässig, dass der Spaß im Schneesturm verloren geht. Auch das herrlich pulpige Cover von Ivan S. Bragin bringt die blutige Bergtour perfekt auf den Punkt.
Snowbound Horror ist kein musikalischer Evolutionssprung, sondern ein kräftiger Faustschlag aus der Eiszeit. RAVAGED BY THE YETI liefern ein kurzes, groovendes und erstaunlich unterhaltsames Death-Metal-Brett, das weder Kunstfell noch Wärmflasche benötigt. 8,3 von 10 eingefrorenen Extremitäten – und Rogga darf sich nun gern drei Tage Urlaub gönnen. Mehr aber bitte nicht, sonst werde ich nervös.
ANSPIELTIPS:
🔥Vengeance in Fur
🧊Death by Icicle
💀Snowbound Horror

