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Nuclear Tomb - Epoch Inhumane (2026)

(10.301) Dö (7,5/10) Thrash Metal


Label: Rotted Life Records 
VÖ: 12.06.2026 
Stil: Thrash Metal 






Bei Nuclear Tomb, musste ich erstmal Dr. Google beziehungsweise die Metal Archives bemühen. Nuclear Tomb hatte ich einfach nicht auf dem Schirm. Im ersten Step, spuckt dir die Suchmaschine Querverlinkungen zum Runit- oder Cactus Dome aus. Ein kleiner süßer Betondeckel im Krater des Cactus Atombombentest der Amis auf dem Enewetak Atol, den die Schlauberger mit allem gefüllt haben was wegmusste. So ein bisschen Plutonium tut doch keinem weh. Lokal wird das Ding auch the Tomb / Nuclear Tomb genannt. Passt wie die Faust aufs Auge. Zum einen kommt die Truppe von Nuclear Tomb aus Baltimore, Maryland (da fällt mir gleich der Film „der Anschlag“ ein. War auch Baltimore und auch ‘ne dreckige A-Bombe) und zum anderen bildet die ganze radioaktive Suppe eine gute Überleitung aufs Cover-Artwork. 

Das ziert den Bandnamen in einer ziemlich zappligen Kontur, als ob der Geigerzähler einen epileptischen Anfall hat. Das ganze Artwork ist ziemlich dystopisch. Ein rauchendes Capitol, ein mutiertes Etwas mit Köpfen und Tentakeln, diverse Munitionsarten und durch eine giftiggelb wabernde Pampe watende Mutanten mit Rollator. Oma bist du es? KI-generiert? Nein. Hierfür zeichnete sich noch ein Mensch verantwortlich. Sowas mag ich. Wird aber leider immer mehr abgelöst. Schade.

Das abgedrehte Cover-Artwork passt auch gut zum Album „Epoch Inhumane“ von Nuclear Tomb. Thrash Metal stand auf der Verpackung bzw. zierte die Label-Angabe. Bekommt man Thrash? Ja und nein. Denn man darf sich bei keinem Track zu sicher sein, dass hier stringent bei einem Stil geblieben wird. Oder ist es doch Death? Deathend Thrash oder thrashend Death? Hier muss man getrost sein Schubladendenken beiseitelegen. 

Die Tracks kommen giftig wie das mutierte Cover daher und wollen nur eins, verwirren oder einen animieren, die Bude auf links zu drehen? 

Ich mag ja persönlich Gefrickel und spontane Wendungen. Die bekommt man hier jedoch zuhauf. Es wird konsequent zwischen den Stilen gewechselt. Was ja ganz interessant sein kann. Die Wechsel kommen aber zum Teil so unvermittelt, dass sich eine gewissen Nervosität und Verwirrung auf einen überträgt. Verstärkt wird das zusätzlich, wenn plötzlich noch Prog-Parts eingestreut werden. 

Nuclear Tomb fangen direkt beim Opener „Watch the Skies“ durch eine ziemlich frickeliges und asynchrones Riffing an, dir die Gehirnwindungen zu verknoten, nur um sie im weiteren Verlauf in einem hasserfüllten Gebolze wegzudreschen. Der Track lässt einen direkt verwirrt zurück und man ahnt, dass das so weitergehen könnte. 

Konventionen? Fehlanzeige. Wer ein klassisches Thrash-Album haben will, wird hier nicht unbedingt glücklich. Durchgehende, klassische Thrash Metal-Tracks sucht man bei „Epoche Inhumane“ vergeblich. Wobei mit „Unbowed and Averse“ kommt eine anfänglich groovende Nummer um die Ecke. Der Track hat jedoch mehr Wendungen als eine Soap-Opera und lässt einen schließlich in einem „klassischen“ Thrashgewitter zurück. Nuclear Tomb gönnen einem nur kurze Verschnaufpausen, mit „ruhigen, linearen Abschnitten“ wie z.B. bei „The Cowards´s Curse“. Aber auch nur um einen wieder mit einem Mix aus fiesem, treibenden Riffing mit eingestreuten atonalen Peaks, untermalender Doublebass und das Keifen von Michael Brown auf links zu drehen. 

Im Vergleich zum Vorgänger „Terror Labyrinthian“ wirkt das Riffing nochmal komplexer, präziser und schräger. Die Drumabteilung hat sich meiner Meinung nach deutlich verbessert und klingt nicht mehr so, als ob man in einem gefliesten Bad eingespielt hätte oder auf ein E-Drum eindrischt. Um Konventionen scheren sich Nuclear Tomb herzlich wenig. Wenn man eine Schublade bedienen will, ist „Epoche Inhumane“ ein Prog-Thrash-Album. Wer ein cleanes Thrash-Album erwartet oder erhofft, sollte es sich nochmals überlegen. „Epoche Inhumane“ ist dreckig, giftig, sehr oft ultra schräg und kann anstrengend wie ein Störfall im AKW wirken. Wer ein komplexes, frickliges, abwechslungsreiches, nervöses und mit sehr vielen Wendungen gespicktes Album haben will und sich z.B. bei Meshuggah keinen Hirnknoten holt, dann feel free. Jodtabletten aber nicht vergessen. 

Anspieltipps:
🚀 Watch the Skies
🔥 Unbowed and Averse
🐮 Butcher’s Lament


Bewertung: 7,5 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. Watch the Skies 
02. Falling Out the World of Lies 
03. Unbowed and Averse 
04. Faithless Continuum 
05. Broken Promise, Barren Essence 
06. Lifeless Transformation 
07. Butcher's Lament 
08. Terminally Emboldened 
09. The Coward's Cruise 
10. Epoch Inhumane 



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