WARNING – Rituals Of Shame (2026)
(10.314) Vonni (9,0/10) Doom Metal
Label: Relapse Records
VÖ: 19.06.2026
Stil: Doom Metal
Wenn sich etwas wie ein alter, aufgenähter Backpatch auf der Lieblingskutte anfühlt, dann haben Warning mit “Rituals Of Shame” gut 20 Jahre nach dem letzten Release “Watching From A Distance” nicht so viel falsch gemacht.
Es sind diese unerwartet guten Momente auf dieser Platte, die an einen abgeranzten Proberaum voller Dosenbier und Kippen oder das Knistern alter Tapes erinnern, was einem unmittelbar in den Sinn kommt, wenn man die ersten Momente von “Rituals Of Shame” in sich aufsaugt hat. Aber von wegen abgeranzter Proberaum, denn aufgenommen wurde das Werk in einer alten Kirche in Southport, im bekannten Arch Studio. Und so wie es die Produktionsstätte erahnen lässt, ist für mich nach dem ersten Durchlauf klar, die überlangen 5 Songs heben sich mitunter vom Einheitsbrei ab und füllen meine Seele ungefiltert mit warmer, roher Energie in altbewährter Tradition.
Während man über die Verklärtheit des Openers noch sinniert, gleiten wir mit “Stations” vollends in gediegene Sphären die einer Zeitreise gleichen zurück, wo selbst das Drumming sich noch wertig, echt anfühlt und genug Zeit zum Atmen bleibt. Doom ist und bleibt natürlich speziell, aber wenn das Gefühl von Geborgenheit durch die Leichtigkeit im Songrwriting erzeugt wird, dann ist das hier schon besonders. Insgesamt fühlt sich das Album zwar konzeptionell an, dennoch überwiegt der künstlerische Aspekt mit jeder noch so düsteren Note.
“Night Comes Down” demonstriert bildlich gesprochen tiefgründige Gitarrendynamik, die aus glühenden Röhrenverstärkern massiven Druck erzeugt, dem Geist der alten Schule frönt und einen Trümmerhaufen voller Herzblut hinterlässt. Im Zusammenspiel mit den finster und manchmal von purer Verzweiflung getriebenen Vocals verleiht man auch den Kompositionen wie “Landing Lights” oder “Teacher” einen fast schon okkulten Anstrich. Hier wirkt einfach gar nichts aufgesetzt, es fühlt sich eher alles wie eine organische Wand an, in die man in Zeitlupe rennt und diese trotzdem nicht zum Einsturz bringen kann.
Was bleibt ist ein musikalischer Trip zurück in jene Zeiten, wo tonnenschwere und drückende Riffs sanfte Rhythmen zu dichten, atmosphärischen Kompositionen reifen lassen, die unter den fast verzweifelt anmutenden Vocals beschwörerische Ausmaße annimmt.
“Rituals of Shame” ist defintiv das Doom Metal Album abseits überproduzierter und makelloser Veröffentlichungen geworden. Roh, in düsterer Essenz des Undergrounds getränkt und mit ordentlich nostalgischem Flair garniert. Hier gilt es sich bei aller Schwere und Melancholie fallen zu lassen, zu fühlen und das ungeschönt analoge Riffing in sich aufzusaugen.
Anspieltipps:
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Bewertung: 9,0 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. Rituals Of Shame
02. Stations
03. Night Comes Down
04. Landing Lights
05. Teacher

