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SOULBURN – Quanttifying Cosmic Doom (2026)

(10.296) Olaf (10/10) Power Metal


Label: Testimony Records
VÖ: 12.06.2026
Stil: Doom Death Metal






Vier Durchläufe am Stück. Dann wanderte die Platte erst einmal ins Regal. Nicht aus Enttäuschung, sondern weil ich Zeit brauchte. Zeit, um zu begreifen, was SOULBURN hier eigentlich veranstalten. Vor ein paar Tagen dann weitere drei Runden. Und spätestens danach gab es kein Entkommen mehr: Quantifying Cosmic Doom ist für mich ein absolutes Meisterwerk geworden. Das überrascht mich selbst ein wenig, denn obwohl ich die beteiligten Musiker seit Jahren schätze, griff ich bislang deutlich häufiger zu Graceless, Grand Supreme Blood Court oder Just Before Dawn. Doch was die Niederländer hier abliefern, spielt in einer ganz eigenen Liga.

Die Geschichte von SOULBURN reicht mittlerweile drei Jahrzehnte zurück. Entstanden aus einer der zahlreichen Auflösungsphasen von Asphyx, entwickelte sich das Projekt über die Jahre zu einer eigenständigen Institution innerhalb der extremen niederländischen Metalszene. Was einst als düsteres Nebenprojekt begann, hat sich längst emanzipiert und präsentiert sich 2026 stärker, selbstbewusster und künstlerisch mutiger denn je. Das fünfte Album wirkt dabei wie die Summe aller Erfahrungen, aber gleichzeitig wie ein Aufbruch in unbekannte Regionen.

Schon nach wenigen Minuten wird klar, dass hier niemand einfach nur das nächste Death-Doom-Album aufgenommen hat. Die Basis bleibt natürlich extrem. Tiefe Death-Metal-Wurzeln durchziehen jede Komposition, doch darüber legen sich Schichten aus schwarzer Melancholie, spiritueller Dunkelheit und beinahe gotischer Atmosphäre. Die Musik wirkt wie eine schwarze Messe unter einem sternenlosen Himmel. Ein Ritual, das gleichzeitig erschlägt und hypnotisiert.

Besonders faszinierend ist die Leistung von Twan van Geel. Seine Stimme scheint auf diesem Album sämtliche menschlichen Gemütszustände zwischen Wahnsinn, Verzweiflung und Offenbarung abzudecken. Mal flüstert er bedrohlich aus den Schatten, mal keift er wie ein Besessener, mal erhebt er seine Stimme zu beschwörenden Predigten, nur um Sekunden später wieder infernalisch loszubrechen. Dadurch entstehen ständig neue Spannungsbögen, die den Hörer tief in diesen düsteren Kosmos hineinziehen.

Musikalisch erinnert mich das Werk stellenweise an eine Begegnung zwischen Triptykon und einer besonders finsteren Black-Death-Metal-Ausprägung. Gleichzeitig schimmern immer wieder unerwartete Farben durch das Schwarz. Hier und da meine ich sogar Anklänge an die morbide Eleganz der Sisters of Mercy oder die düstere Erzählkunst eines Nick Cave wahrzunehmen. Nicht direkt hörbar, nicht offensichtlich, aber als Geist, der über diesen Songs schwebt.

Was mich besonders beeindruckt, ist die unglaubliche Detailverliebtheit. Bei vielen Alben hört man nach dem dritten Durchlauf alles Wesentliche. Quantifying Cosmic Doom beginnt dagegen erst dann seine Geheimnisse preiszugeben. Hinter jeder Riffwand lauert eine weitere Melodie. Hinter jeder Atmosphäre öffnet sich ein neuer Abgrund. Immer wieder tauchen kleine Gitarrenfiguren, subtile Harmonien oder unerwartete rhythmische Verschiebungen auf, die vorher kaum aufgefallen sind.

Dabei verliert die Band niemals den roten Faden. Trotz der oft epischen Spielzeiten und der enormen stilistischen Bandbreite wirkt das Album erstaunlich geschlossen. Die Songs erzählen Geschichten, entwickeln sich organisch und vermeiden die Falle vieler progressiver Extreme-Metal-Veröffentlichungen, die zwar technisch beeindrucken, aber emotional kalt bleiben. Hier ist das Gegenteil der Fall. Jede Note scheint einem größeren Konzept zu dienen.

Auch produktionstechnisch haben die Niederländer alles richtig gemacht. Die Aufnahme besitzt genügend Transparenz, um die vielen Feinheiten hörbar zu machen, gleichzeitig aber ausreichend Schmutz und organische Rauheit, damit die Musik ihre bedrohliche Aura behält. Nichts klingt steril, nichts künstlich. Die Gitarren türmen sich wie schwarze Kathedralen auf, während das Schlagzeug den Untergrund erbeben lässt.

Bemerkenswert ist außerdem, wie konsequent SOULBURN ihre eigene Identität bewahren. Obwohl sich zahlreiche Einflüsse entdecken lassen, klingt keine Sekunde nach Kopie oder Retro-Übung. Das Album wirkt vielmehr wie die natürliche Weiterentwicklung einer Band, die nach Jahrzehnten noch immer neue Wege sucht und dabei keine Angst vor Risiken hat.

Je länger ich mich mit Quantifying Cosmic Doom beschäftige, desto mehr wächst meine Bewunderung. Das ist keine Platte für den schnellen Konsum zwischen Feierabendbier und Sportschau. Das ist Musik, die Aufmerksamkeit verlangt. Musik, die sich entfaltet. Musik, in der man versinken kann.

Am Ende bleibt ein Album, das mich gleichermaßen fasziniert, verstört und begeistert zurücklässt. SOULBURN haben keine Sammlung von Songs veröffentlicht, sondern einen schwarzen Monolithen erschaffen, der sich jeder einfachen Beschreibung entzieht. Wer bereit ist, sich auf diese Reise einzulassen, findet hier eines der außergewöhnlichsten Extreme-Metal-Werke der letzten Jahre. Manchmal begegnet man Alben, die man respektiert. Manchmal solchen, die man liebt. Und ganz selten solchen, die einen regelrecht verschlingen. Quantifying Cosmic Doom gehört eindeutig zur letzten Kategorie.

ANSPIELTIPS:
Das gesamte verdammte Album!


Bewertung: 10,0 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. The Braveheart of Nightmares
02. Powehi, the Embellished Dark Source of Unending Creation
03. A Pyramid Absurd
04. An Impious Journey Through the Cathedral's Mouth
05. Stalactites of Molten Flesh
06. M87 - What Hopes To Be Born
07. Iconox Spew Black at the Razor's Edge
08. Down Among the Stars
09. The Desolationist
10. In the Very Time That Will Rot Us
11. An Innocuous Swathe of Sky 



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