MASTER MASSIVE – White Shadows (2026)
(10.344) Maik (8,8/10) Heavy Metal
Label: Fireflash Records
VÖ: 10.07.2026
Stil: Heavy Metal
Die Band MASTER MASSIVE war mir bis dato noch nicht bekannt, obgleich die Combo schon seit über dreißig Jahren aktiv ist. Nun, es mag daran liegen, dass es zwei Jahrzehnte gedauert hat, bis der erste Longplayer in den Regalen stand. Da aber Heavy Metal in der Promo stand, dachte ich mir, hörste mal rein. Heavy Metal aus Schweden kann ja nicht ganz schlecht sein. „White Shadows“ nennt sich das soeben erschienene dritte Album und führt einen mit dem Coverartwork zunächst auf einen stilistischen Irrweg.
Beim ersten Hören, noch bevor ich mich mit der Bandhistorie beschäftigt hatte, war ich nämlich erst einmal erstaunt. Denn die Mannen um Bandgründer Janne Strandh fahren eine exorbitante Mischung aus klassischem Heavy Metal und Progressive Metal auf. Und ein Album mit einem fast zwölf Minuten laufenden Monster namens „Noah’s Cross“ zu starten, beweist den Mut der Band. Nicht nur mit der Spieldauer, sondern auch mit dem sehr progressiven Grundton.
Hier wird gebreakt, gefrickelt, Riffwechsel und Tempowechsel reichen sich die Klinke und verspielte Soli flirren durch die Gegend. Das kann einerseits etwas überfordern, bringt den Hörer aber auf Kurs. Wer bis jetzt zugehört hat, hört auch weiter zu.
Und wird prompt mit einem Heavy-Doom-Stampfer belohnt, denn „Islands And Bells“ schwebt irgendwo zwischen BLACK SABBATH und CANDLEMASS herum, addiert dem Ganzen noch MERCYFUL FATE'sche Düsternis und die progressiven Einflüsse von Bands wie FATES WARNING, QUEENSRŸCHE oder SAVATAGE. Dazu addiere man noch die Heavyness von IRON MAIDEN.
Zwischen diesen Eckpfeilern haben MASTER MASSIVE ihre Zelte errichtet, kopieren aber nicht, sondern schmieden aus diesen Edelmetallen eine ganz eigene Legierung, die beim ersten Hören etwas überfordert, nach einigen Durchläufen allerdings eine gewisse Faszination aufbaut. Das ist keine Musik zum Nebenherhören beim Bügeln, Zeitunglesen oder Taschenbilliard. Obwohl die Band auch schon mal Gas gibt, wie beim Song „Tantrum Rebellion“, ist die Sache doch eher etwas zum Entdecken und Genießen. Im Grunde ist es Musik für Leute, denen Prog Metal ganz gut reinläuft, die aber auf Heavyness nicht verzichten wollen.
Die Band agiert mit drei Sängern, die stimmlich aber nicht allzu weit auseinanderliegen, sodass die Homogenität des Albums nicht wirklich gestört wird. Ich hatte ja schon IRON MAIDEN erwähnt, denn ab und an blitzen Dickinson-Momente auf – gerade beim Song „Jonah And The Whale“. Andererseits schoss mir ein anderer Bandname durch den Kopf. Nämlich Kyle McNeills Band PHANTOM SPELL. Nur härter. Letztgenannter Song geht auch eher in die Richtung treibender Heavy Metal und ist gleichzeitig auch der kürzeste Song der Platte. Der Abschluss proggt wieder etwas mehr, denn mit dem Titeltrack „White Shadows“ gibt die Band noch mal alles.
Ich bin gerade beim vierten Durchlauf von „White Shadows“ und erkenne mit jedem Mal mehr Details und Facetten. MASTER MASSIVE zeigen, dass sich Progressivität und Heavyness nicht ausschließen müssen, sondern ganz gut Hand in Hand gehen können. Die Produktion ist nicht klinisch kalt und steril, was bei progressiven Alben ja nicht selbstverständlich ist. Der Sound ist schön erdig und lebendig, was dem Ganzen einen angenehmen 80er-Charme verleiht, gepaart mit der Wucht modernerer Aufnahmetechnik.
Anspieltipps:
🔥 Islands And Bells
⚔️ Tantrum Rebellion
Bewertung: 8,8 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. Noah’s Cross
02. Islands And Bells
03. Jonah And The Whale
04. Blood On The Floor
05. Tantrum Rebellion
06. Silver Bullet
07. White Shadows

