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PHANTOM – Not Midnight yet (2026)

(10.321) Olaf (7,0/10) Speed Metal


Label: High Roller Records
VÖ: 26.06.2026
Stil: Speed Metal






PHANTOM gehören mittlerweile zu den Namen, die man im traditionellen Speed- und Thrash-Metal-Untergrund fast automatisch mit Mexiko verbindet. Seit einigen Jahren werden sie von der Oldschool-Fraktion gefeiert, als hätte jemand 1986 eingefrorene Tonbänder gefunden und einfach nur ordentlich remastert. Dagegen ist grundsätzlich überhaupt nichts einzuwenden – schließlich muss nicht jede Band zwanghaft modern klingen. Trotzdem stellt sich nach dem inzwischen dritten Album für mich dieselbe Frage wie schon beim Vorgänger: Wo ist eigentlich die Weiterentwicklung?

Mit Not Midnight Yet liefern J.C. García und seine Mitstreiter erneut eine gute Stunde klassischen Speed-/Thrash Metal ab, aufgenommen in Guadalajara, erneut gemeinsam mit Héctor "Northen" Ibarra und anschließend von Patrick W. Engel veredelt. Die Produktion besitzt genau den richtigen Biss zwischen rauer Oldschool-Attitüde und ausreichender Transparenz, ohne steril zu wirken. Das Album klingt druckvoll, authentisch und handwerklich absolut überzeugend. Daran gibt es wenig auszusetzen.

Auch spielerisch macht der Vierer vieles richtig. Die Gitarren harmonieren hervorragend, die Rhythmusarbeit sitzt, und gerade J.P. Alatorre sorgt mit seinem variablen Schlagzeugspiel dafür, dass trotz permanent hoher Geschwindigkeit immer wieder kleine Dynamikwechsel entstehen. Man hört der Band an, dass sie ihr Handwerk beherrscht und inzwischen genau weiß, welche Knöpfe sie bei Fans klassischen Speed Metals drücken muss.

Genau hier beginnt allerdings auch mein größter Kritikpunkt.

Mastermind J.C. García spricht davon, Grenzen erweitern und neue Texturen einbauen zu wollen, ohne den Kern der Band zu verlieren. Das klingt auf dem Papier spannend. In der Praxis höre ich davon jedoch erstaunlich wenig. Natürlich gibt es hier und da Midtempo-Passagen, etwas mehr Atmosphäre oder kleinere melodische Akzente. Das reicht für mich aber nicht aus, um von einer echten Weiterentwicklung zu sprechen. Zwischen dem letzten Album und Not Midnight Yet liegt gerade einmal ein Jahr – und genau so fühlt es sich leider auch an. Wer beide Platten hintereinander hört, bekommt eher den Eindruck eines sehr langen Doppelalbums als eines neuen Kapitels.

Dabei macht die Platte durchaus Spaß. Die schnellen Riffs besitzen ordentlich Pfeffer, die Soli sitzen, die Horror-Thematik passt hervorragend zum musikalischen Gesamtbild und Songs wie Hordes Of Bats, Summoned To Kill oder der Titeltrack sorgen immer wieder für Momente, in denen unweigerlich der Fuß mitwippt. Das Album funktioniert also durchaus als ehrliche Liebeserklärung an die Achtziger.

Nur reicht mir das persönlich inzwischen nicht mehr.

Während viele Fans genau diese kompromisslose Rückwärtsgewandtheit feiern werden, fehlt mir der berühmte Funke, der aus einem guten Album ein wirklich besonderes macht. Es gibt mittlerweile schlicht zu viele Bands, die diesen klassischen Speed-/Thrash Metal mindestens genauso überzeugend spielen, dabei aber noch eigene Ideen einfließen lassen. PHANTOM verwalten ihren Stil derzeit eher, als dass sie ihn weiterentwickeln.

Und dann wäre da leider noch The Pale Remains Of Time.

Laut Band soll gerade dieser Titel zu den ambitioniertesten Momenten der Platte gehören, mit melodischem Gesang, cleanen Gitarren und progressiveren Elementen. Für mich ist genau das der Totalausfall des Albums. Viel gewollt, aber komplett eingeschissen. Der Song wirkt derart aufgesetzt und unfreiwillig kitschig, dass es mir sprichwörtlich die Buchse auszog. Statt Atmosphäre entsteht bei mir eher Fremdscham. Das Experiment mag mutig gewesen sein – gelungen ist es aus meiner Sicht überhaupt nicht. Manchmal ist weniger eben doch deutlich mehr.

Dabei wäre das gar nicht nötig gewesen. Immer dann, wenn PHANTOM einfach kompromisslos nach vorne marschieren, fühlen sie sich am wohlsten. Dort entstehen die stärksten Momente der Platte. Sobald sie versuchen, ihre Komfortzone zu verlassen, fehlt es den Ideen momentan noch an Überzeugungskraft.

Unterm Strich bleibt Not Midnight Yet deshalb ein ordentliches Album mit einer starken Produktion, überzeugender Instrumentalarbeit und jeder Menge Leidenschaft für klassischen Speed Metal. Schlecht ist das ganz sicher nicht. Aber gut genug, um in echte Euphorie zu verfallen, eben auch nicht. Wer ausschließlich nach authentischem Oldschool-Futter sucht, dürfte hier bestens bedient werden. Ich persönlich hätte mir nach dem Vorgänger allerdings deutlich mehr Mut, mehr Entwicklung und vor allem mehr eigene Handschrift gewünscht. Bis dahin bleibt PHANTOM für mich eine gute Band – aber eben keine, die sich aus der mittlerweile enorm großen Masse dieses Genres entscheidend hervorhebt.

ANSPIELTIPPS:
🔥Hordes Of Bats
💀Summoned To Kill


Bewertung: 7,0 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. Hordes of Bats
02. Out of the Mausoleum
03. Dracula’s Curse
04. Morgenstern-Iron Strike
05. The Pale remains of Time
06. Summoned to kill
07. Not Midnight yet
08. Solomonari
09. Sepulchral Majesty
10. Curse your Name
11. A Trail full of Sorrows
12. Echoes from the Fights 



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