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VORAX – Volcana Shock (2026)

(10.320) Olaf (8,7/10) Death Metal


Label: DIY
VÖ: 26.06.2026
Stil: Death Metal






VORAX waren für mich bis vor wenigen Tagen ein unbeschriebenes Blatt. Manchmal ist genau das aber der größte Luxus. Keine Erwartungen, keine Vorschusslorbeeren, kein nostalgischer Bonus – einfach Mugge an und schauen, ob der Schädel nickt oder die Stirn in Falten liegt. Nach gut einer halben Stunde war die Sache glasklar: Das hier wird sich ändern. Und zwar dauerhaft.

Die Zürcher setzen auf eine Tugend, die im modernen Death Metal beinahe exotisch geworden ist: Einfach machen. Keine Blastbeat-Orgie, kein technischer Hochleistungssport für Gitarristen mit acht Armen und zwölf Fingern, keine sterile Präzision bis zur letzten Millisekunde. VORAX spielen Death Metal so, wie ihn die frühen Death oder andere Genre-Urväter einst groß gemacht haben. Dicke Riffs, stampfende Rhythmen und dieses herrlich primitive "Uffta-Uffta-in-die-Fresse"-Gefühl, das man heute viel zu selten serviert bekommt.

Dass hier keine Anfänger am Werk sind, hört man vom ersten Riff an. VORAX vereinen Musiker, die ihre Sporen bereits bei MESSIAH, OMOPHAGIA und DEATH KOMMANDER verdient haben – drei Namen, die in der Schweizer Death-Metal-Szene durchaus Gewicht besitzen. Diese Erfahrung zahlt sich aus. Das Songwriting wirkt routiniert, ohne berechnend zu sein, und die Band weiß genau, wann ein Riff wirken muss und wann weniger einfach mehr ist. Statt sich modernen Trends oder technischem Selbstzweck hinzugeben, setzen die Zürcher auf groovende Gitarren, einen knochentrockenen Rhythmus und Songs, die nicht durch artistische Fingerübungen beeindrucken wollen, sondern durch pure Wucht. Genau diese Mischung aus Erfahrung, Spielfreude und kompromissloser Oldschool-DNA macht Volcano Shock so verdammt überzeugend.

Besonders beeindruckt hat mich die Produktion. Heute klingt vieles zwar makellos, aber eben auch so steril wie ein frisch desinfizierter Operationssaal. VORAX gehen bewusst den entgegengesetzten Weg. Alles atmet, alles lebt, alles rumpelt genau dort, wo es rumpeln soll. Die Gitarren sägen mit herrlichem Biss, das Schlagzeug besitzt Wucht statt Plastikcharakter und der Gesang klingt angenehm räudig, ohne im Soundbrei zu verschwinden. Genau so stelle ich mir klassischen Death Metal vor. Roh, ehrlich und mit jeder Menge Dreck unter den Fingernägeln.

Auch thematisch macht das Album Spaß. Statt der üblichen Horror- oder Splatter-Klischees werfen VORAX den Hörer in eine Welt aus Vulkanen, Lava, Urzeitgiganten und Naturgewalten. Das verleiht Volcano Shock einen roten Faden, ohne zwanghaft zum Konzeptalbum zu werden. Alles wirkt stimmig und transportiert genau diese archaische Gewalt, die auch musikalisch jederzeit präsent ist.

Was mich zusätzlich beeindruckt: Die Band stemmt dieses Projekt komplett in Eigenregie. Aufnahme, Produktion und das gesamte Drumherum entstanden mit einer Leidenschaft, die man jeder Minute anhört. Genau deshalb stellt sich mir permanent dieselbe Frage: Warum zur Hölle sind VORAX noch DIY? Bei der Qualität müssten eigentlich mehrere Labels Schlange stehen. Dieses Album hat deutlich mehr Aufmerksamkeit verdient.

Über das Cover muss ebenfalls gesprochen werden. Das Ding schreit einen förmlich an und passt perfekt zum musikalischen Inhalt. Gewaltig, bedrohlich und herrlich oldschoolig. Noch bevor der erste Ton erklingt, weiß man bereits, dass hier keine romantische Lagerfeuermusik folgt, sondern ein Lavastrom aus riffgetriebenem Death Metal.

Gerade weil VORAX auf sämtliche modernen Spielereien verzichten, entfaltet Volcano Shock seinen ganz eigenen Charme. Die acht Songs vergehen wie im Flug, hinterlassen aber bleibenden Eindruck. Man ertappt sich dabei, den Lautstärkeregler noch ein Stück weiter nach rechts zu drehen, weil diese Musik genau dafür geschrieben wurde. Nicht zum Analysieren, sondern zum Fäusteballen. Dass dieses Biest seine Campground-Premiere beim Rock Harz feiern wird, dürfte einige glückliche Gesichter und vermutlich auch den einen oder anderen schmerzenden Nacken produzieren. Wer klassischen Death Metal liebt und sich nach ehrlicher Gewalt aus den Boxen sehnt, sollte dort besser rechtzeitig vor der Bühne stehen.

Am Ende ist Volcano Shock genau das Album geworden, das ich 2026 eigentlich viel häufiger hören möchte. Keine sterile Hochglanzproduktion, kein überambitionierter Technikzirkus, sondern ehrlicher Death Metal mit Eiern, Herz und einem verdammt guten Gespür für Riffs. VORAX graben die Vergangenheit nicht aus, sie lassen sie wieder leben. Dass diese Band derzeit noch ohne Label unterwegs ist, erscheint mir nach diesen 33 Minuten fast absurd. Wer den Spirit der frühen Neunziger vermisst hat, bekommt hier keine Kopie, sondern eine Liebeserklärung. Hoffentlich bleibt das nicht lange ein Geheimtipp.

ANSPIELTIPPS:
🔥Volcano Shock
💀Burning Lava
🎸The Great Dying


Bewertung: 8,7 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. Magma Ocean
02. Devouring raw Flesh
03. Volcano Shock
04. Burning Lava
05. Hunter killer
06. Flight of the Pternodon
07. Reign supreme
08. The great Dying 



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