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Q&A – Das Interview: J.B.O.
Ein virtueller Zufluchtsort, zwischen Kopfkino und Herzregion
Die fränkische Spaß-Metal-Institution J.B.O. meldet sich am 9. Januar 2026 mit ihrem mittlerweile 15. Studioalbum Haus Of The Rising Fun zurück. In einer zunehmend aus den Fugen geratenen Welt verspricht dieses Werk eine humorvolle Zuflucht, die zum Lachen und Nachdenken gleichermaßen anregen soll. Getreu dem J.B.O.-Motto: „Wer den Spaß hat, der hat die Macht!“
Wir haben mit den selbsternannten Verteidigern des Blödsinns einmal mehr über ihr neues musikalisches „Clubhaus“ gesprochen. Dabei ging es um schweißtreibende Festival-Auftritte versus gemütliche Clubshows, um unerwartete Cover-Versionen (Stichwort Katy Perry) und altbewährte Kalauer – aber auch um die ernsthaften Töne zwischen all dem Spaß. Und natürlich verrät uns Vito auch, wie es Hannes aktuell gesundheitlich geht…
Ja, mei –es ist nun mal blöd gelaufen. Dinge passieren. Das muss ich jetzt gar nicht weiter kommentieren. Es war einfach eine verdammt unglückliche Situation: Wir waren alle schon in Hamburg, und dann ging plötzlich gar nichts mehr. Also haben wir ihn kurzerhand in Hamburg ins Krankenhaus gebracht.
Ihr seid ja gerade wieder ziemlich aktiv unterwegs. Das Album ist noch nicht einmal richtig auf dem Markt, und trotzdem seid ihr gefühlt „always on the road“. Habt ihr so viele Hummeln im Arsch?
Letztlich hat das Album wirklich eine ganze Weile gebraucht. Wir arbeiten ja schon seit 2023 daran und wollten es ursprünglich im Sommer 2024 veröffentlichen. Durch den Wechsel der Plattenfirma und einige andere Umstände hat sich das jedoch verzögert. Die bereits geplante Veröffentlichungstour im Herbst 2024 haben wir dann kurzerhand in eine reine Lyrik-Tour umgewidmet. Im Nachhinein war das eigentlich ein ziemlich cooler Move, denn das hat viele Leute interessiert und uns gleichzeitig etwas Luft verschafft, um das Album in Ruhe fertigzustellen und nun erst jetzt zu veröffentlichen.
Deshalb ist die Tour im Prinzip schon angelaufen, während das Album gerade erst erscheint – wir befinden uns ja jetzt erst in der ersten Veröffentlichungswoche. Klar, spielen wollen wir immer. Das ist schließlich unser Beruf.
In meinem Review zu eurem neuen Album habe ich geschrieben, Haus Of The Rising Fun wirke wie ein musikalisches Clubhaus, an dessen Tür steht: „Probleme bitte draußen lassen – aber Ironie unbedingt mitbringen.“ Habt ihr das Album als eine Art Zufluchtsort zum Durchatmen und Lachen konzipiert?
Ich würde sagen: House of the Rising Fun ist letztlich kein realer Ort mit Adresse und Klingelschild, sondern ein virtueller Zufluchtsort, irgendwo zwischen Kopfkino und Herzregion angesiedelt. Ein inneres Refugium, ein persönlicher Happy Place, an dem man für einen Moment die Welt da draußen auf stumm schalten darf.
Ein Ort, an dem man albern sein kann, Blödsinn treiben darf, lachen, loslassen – ohne dass einem gleich der ganze Irrsinn des Alltags hinterherkriecht. Der ganze Scheiß bleibt bitte draußen vor der Tür. Drinnen regieren Leichtigkeit, gute Laune und dieses wohlig-warme Gefühl, für ein paar Minuten genau richtig zu sein, wo man ist.
Kurz gesagt: House of the Rising Fun ist weniger ein Raum – es ist ein Zustand. Und den kann man sich jederzeit selbst aufschließen.
Im Pressetext vergleicht ihr die Entstehung des Albums mit einem Hausbau – inklusive unerwarteter Baustellenprobleme, Handwerkernot und der ominösen “Wallbox of Death” für endlose Power. Habt ihr beim Songwriting tatsächlich solche Hindernisse erlebt, oder ist das eher als augenzwinkernde Metapher zu verstehen?
Letztlich waren es all die Geschichten rund um die Plattenfirma und dieses ganze organisatorische Drumherum, die uns auf dem Weg zum neuen Album begleitet – oder besser gesagt: gebremst – haben. Und dann kam im Herbst 2024 noch der Schlaganfall von Hannes dazu. Das sind keine Fußnoten, das sind verdammt große Brocken, die einem plötzlich im Weg liegen. Steine, die man nicht elegant umgeht, sondern die man mühsam wegrollen muss, mit schmutzigen Händen und knirschenden Zähnen.
Aber genau das gehört eben auch zur Wahrheit einer Bandkarriere: Es gibt immer diese Momente, in denen dir das Leben ein paar Hindernisse mehr hinstellt, als du bestellt hast. Dinge, die du nicht einplanen kannst, die dich aus dem Tritt bringen, die dir kurz den Atem rauben. Und dann stehst du da, schaust auf den Haufen Probleme vor dir – und entscheidest dich, ob du stehenbleibst oder weitermachst.
Wir haben uns fürs Weitermachen entschieden. Nicht, weil es leicht war, sondern weil es die einzige Option war. Steine wegrollen, Krone richten, weitergehen. Alles andere wäre keine Option gewesen.
Auf Haus Of The Rising Fun überrascht ihr auch mit einigen ungewöhnlichen Cover-Songs. Euer Cover von Katy Perrys “I Kissed a Girl” zum Beispiel finde ich bärenstark! Wie kam es dazu, ausgerechnet diesen Pop-Hit durch den rosa J.B.O.-Fleischwolf zu drehen?
Wie es dazu kam? Ehrlich gesagt: keine Ahnung mehr. Irgendeiner hatte irgendwann die Idee in den Raum geworfen, und der Rest von uns hat unisono gesagt: „Ey, cool – hopp, machen wir!“ Und zack, das war im Grunde schon die ganze Entstehungsgeschichte. Keine epische Sitzung, kein Whiteboard voller Konzepte, kein nächtelanges Grübeln. Einfach ein kollektives Schulterzucken mit einem breiten Grinsen.
Das sind sowieso immer diese Fragen, auf die man im Nachhinein kaum noch eine saubere Antwort findet. Wir fanden den Gedanken einfach spannend – diesen Perspektivenwechsel. Dass ich als Kerl plötzlich in dieser Rolle stehe, im Grunde als Single, und man das Ganze mal von einer anderen Seite erzählt. Also haben wir es gemacht. Punkt.
Manchmal muss man Dinge nicht 500-mal durchkauen, analysieren und zerreden, bis sie tot sind. Manchmal reicht es völlig, wenn alle sagen: „Fühlt sich gut an.“ Dann macht man es einfach. Und genau so ist das hier entstanden. Ganz unrock’n’roll ist das eigentlich auch nicht.
Power sucht Wolf, Woke on the Smater…wieder einmal werden altbekannte Bands durch Euren Häcksler gedreht. Wie kommt man denn auf solche Sachen?
Die Frage, wie man auf so etwas kommt, ist eigentlich gar nicht wirklich legitim – jedenfalls nicht im Sinne von: Ich könnte sie dir sauber beantworten. Keine Ahnung. Da müsste man wahrscheinlich einen Neurologen fragen, wie solche Ideen entstehen oder warum einem genau so ein Gedanke ins Hirn schießt. Bei uns war es einfach so: Die Idee war plötzlich da, man spricht darüber, alle finden sie geil – und dann stehst du vor dem Punkt, an dem du sagst: Okay, jetzt müssen wir das Ding auch wirklich umsetzen.
Am Anfang ist das natürlich erst mal nur ein Gedankenspiel. Jeder hat sein eigenes Bild im Kopf, seine eigene Vorstellung davon, wie es klingen, wirken oder funktionieren könnte. Und dann fängt man an, das Ganze so ein bisschen zu bauen, zu formen, anzuschieben – einfach, damit man überhaupt eine Grundlage hat, über die man sinnvoll reden kann. Ob das am Ende wirklich so wird, wie alle es sich vorgestellt haben, zeigt sich ja erst im Prozess. Und was die berühmte Frage angeht, ob wir Angst hatten: na ja …
Gerade bei diesem Song haben wir uns dann tatsächlich auch juristisch rückversichert und ein bisschen mit Anwälten gesprochen. Einer von ihnen meinte sinngemäß zu uns: Das, was ihr da macht, fällt ziemlich genau unter das, was man heute als sogenanntes Pastiche versteht. Seit der Reform des Urheberrechts vor ein paar Jahren sind Parodien und eben auch solche Pastiches grundsätzlich erlaubt – auch wenn im Grunde niemand so ganz genau weiß, wo diese Kategorie anfängt und wo sie aufhört. Entscheidend ist: Es sind neue Tonfolgen. Du legst nichts einfach eins zu eins übereinander.
Klar, man erkennt die Referenz. Aber es ist eben anders. Und genau da liegt auch die kreative Leistung. Der Anwalt sagte uns, das sei so durchaus möglich und rechtlich vertretbar. Und dann haben wir es halt einfach gemacht.
Schwebt dieses juristische Damoklesschwert immer ein bisschen über euren Köpfen?
Wir sprechen schon hin und wieder mit Anwälten – klar. Ich meine, ganz ohne geht es heutzutage wohl kaum. Manchmal klären wir Dinge vorher ab, manchmal machen wir es einfach und hoffen, dass am Ende alles gut geht.
Gab es denn nie richtig Ärger, abgesehen von der Geschichte mit eurem Bandnamen ganz am Anfang?
Doch, 1997 gab es Stress mit Rammstein. Wir hatten damals Ein bisschen Frieden von Nicole in einer Version umgesetzt, die klanglich so rüberkam, als wäre sie von Rammstein. Daraufhin wurden wir – fairerweise muss man sagen: vom Management – ziemlich in die Mangel genommen. Die warfen uns vor, wir hätten die kompletten Gitarren runtergesampelt, was schlicht nicht stimmte. Wir hatten die selbst eingespielt, also totaler Quatsch.
Trotzdem gab es ordentlich Probleme. Das war nicht leicht, aber wir haben es irgendwie über die Bühne bekommen. Später hatten wir sogar Kontakt mit der Band selbst – und denen war das Ganze eher ziemlich wurscht.
Ihr seid bekannt dafür, Blödsinn und Parodie großzuschreiben. Aber Songs wie “Stinkefinger” zeigen auch, dass zwischen den Zeilen oft mehr steckt als nur Quatsch. Wie wichtig ist es euch, bei all dem Spaß auch ab und zu eine Botschaft oder Haltung rüberzubringen?
Du, das haben wir immer schon so gemacht – und wir werden es vermutlich auch immer so machen. Wenn es uns irgendwo zwickt, dann sagen wir das halt auch. Punkt. Ohne Schleife, ohne Zuckerguss, ohne diplomatischen Filter.
Aber klar, auch der Song selbst ist nicht als bierernster Rundumschlag gedacht. Da schwingt eine ordentliche Portion Selbstironie mit, die man hören und verstehen muss. Wenn du mal kurz nach hinten schaust – auf das, was war, auf das, was wir selbst verbockt haben – dann relativiert sich das Ganze sowieso.
Und ganz ehrlich: Reines Kollegen-Bashing? Wäre doch irgendwie billig. Und vor allem langweilig.
In unserer Redaktion gibt es immer ein bisschen Zähneknirschen, wenn ich mit einem neuen J.B.O.-Review um die Ecke komme – einerseits kollektives Augenrollen, andererseits dieses heimliche Grinsen. Manche behaupten ja scherzhaft, ihr würdet seit 15 Jahren immer wieder denselben Witz neu aufnehmen. Kratzt euch sowas eigentlich? Wie geht ihr mit dem Vorwurf um, euch ständig zu wiederholen?
Nee, das kratzt mich ehrlich gesagt nicht. Ich habe eher den Eindruck, dass das Album verdammt vielen Leuten gefällt – und das deckt sich auch mit dem ganzen positiven Feedback, das wir bekommen haben. Und ganz am Ende: Wir können halt nicht aus unserer Haut. Klar, es klingt immer ein bisschen nach J.B.O. – aber ganz ehrlich, das sehe ich eher als Kompliment.
Offensichtlich haben wir uns über die Jahre einen Sound erarbeitet, den man wiedererkennt. Und Wiedererkennbarkeit ist in diesem Zirkus ja nun wirklich kein Makel. Wenn es dann ein paar Leuten nicht taugt: so what? Du kannst es sowieso nie allen recht machen. Und inzwischen ist mir das ziemlich egal.
Gab es mal eine Zeit, in der dir das nicht egal war?
Klar. Am Anfang tut es natürlich mehr weh, wenn du merkst, dass du hier und da auf Ablehnung stößt. Das geht nicht spurlos an dir vorbei. Aber mit den Jahren wächst dieses gepflegte „Leck-mich-am-Arsch-Gefühl“ ganz automatisch. Und irgendwann stellst du fest: Das hier ist unser Ding – und entweder man mag es oder eben nicht.
Ihr habt letzten Sommer auf dem Rockharz Open Air 2025 gespielt, und es war so voll vor der Bühne, dass man kaum atmen konnte. Was liegt euch mehr – solche riesigen Festival-Massen oder doch die intime, schweißtreibende Atmosphäre in kleinen Clubs? Wo fühlt ihr euch auf der Bühne am wohlsten?
Das eigentliche Geheimnis liegt in der Varianz – darin, dass wir beides können. Dass wir auf einem großen Festival funktionieren, ist doch eine verdammt coole Geschichte für sich. Da stehst du vor Tausenden von Leuten, spielst dein Set, ballerst deine Songs in die Menge und merkst: Ja, das trägt. Das hat Wucht, das hat Energie, das hat diesen besonderen Moment, den man nicht planen kann.
Und klar, wenn wir unsere eigenen Touren spielen, dann ist das Publikum naturgemäß kleiner. Aber dafür sind es eben mehr Abende, mehr Städte, mehr Begegnungen. Intimere Shows, direktere Reaktionen, mehr Nähe zu den Leuten vor der Bühne – und am Ende oft genau die Konzerte, die einem besonders lange im Kopf bleiben.
Beides hat seinen ganz eigenen Reiz. Das große Feuerwerk auf den Festivals genauso wie die verschwitzten Clubnächte auf Tour. Und genau deshalb möchte ich keins von beiden missen. Warum auch? Vielfalt ist kein Kompromiss, sondern ein Geschenk.
Seit fast 4 Jahren verwenden wir für unsere Audioshow “Tales from the Hard Side” den Klassiker als Trailer-Intro. Danke nochmal dafür! Seid ihr immer so zuvorkommend und fanverbunden?
Du, davon habe ich ehrlich gesagt überhaupt nichts mitbekommen.
Alles klar, dann bekomme ich jetzt wohl Post von den Anwälten.
Das habe ich mir fast gedacht. Aber mal ehrlich: Ob wir fanverbunden sind oder nicht – das müssen am Ende unsere Fans beurteilen. Das kann und sollte ich mir selbst nicht auf die Fahne schreiben.
Klar, wir versuchen immer nahbar zu sein, bodenständig, kein Rockstar-Gehabe, kein Elfenbeinturm. Aber zu sagen: „Wir sind super fanverbunden, total tierisch“ – das klingt nach Selbstbeweihräucherung und PR-Sprech.
So etwas müssen andere sagen. Im besten Fall die Leute vor der Bühne, im Pit, an der Theke oder im Backstage-Flur nach der Show. Wenn die das Gefühl haben, wir sind eine Band zum Anfassen und keine unnahbaren Posterboys – dann passt das schon.
Zum Abschluss die traditionelle Frage: Habt ihr zum Schluss noch ein paar berühmte letzte Worte oder Weisheiten für eure Fans (und unsere Leser)?
Lasst euch den Spaß nicht verderben. Ja, wirklich: lasst euch den Spaß nicht verderben. Das ist kein Kalenderspruch, das ist Überlebensstrategie.
Die Welt da draußen ist gerade ziemlich im Eimer. Wenn man sich durch Nachrichten, Schlagzeilen und diesen ganzen täglichen Irrsinn scrollt, kommt man zwangsläufig ins Grübeln – und manchmal auch an den Punkt, an dem man sich fragt, ob man das alles überhaupt noch hören will. Spoiler: nein, will man nicht. Zumindest nicht rund um die Uhr.
Gerade deshalb ist es wichtig, sich den Spaß am Leben nicht aus der Hand nehmen zu lassen. Musik hören, Konzerte besuchen, lachen, ein Bier mit Freunden trinken, sich über eine neue Platte freuen, die verdammt noch mal einfach nur Laune macht – all das ist kein Eskapismus, das ist Selbstschutz. Kleine Inseln im großen Chaos.
Und genau damit wären das meine letzten Worte: Lasst euch den Spaß nicht verderben. Nicht von der Welt, nicht von den Nachrichten, nicht von Leuten, die immer alles besser wissen. Haltet euch an die Dinge, die euch ein Grinsen ins Gesicht zaubern und euch für ein paar Minuten oder Stunden vergessen lassen, wie schräg diese Realität manchmal ist. Rock’n’Roll, verdammt. Mehr braucht es manchmal nicht.
J.B.O. sind und bleiben eine feste Konstante, wenn es darum geht, mit Metal und Humor dem Ernst der Welt die Stirn zu bieten. Mit Haus Of The Rising Fun und der anstehenden Tour Of The Rising Fun beweisen die fränkischen Fun-Metaller erneut, dass man auch in chaotischen Zeiten herzhaft lachen und feiern darf.

