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TEUTONIC SLAUGHTER – Cheap Food (2026)

(10.034) Olaf (8,7/10) Thrash Metal


Label: Iron Shield Records
VÖ: 30.01.2026
Stil: Thrash Metal







Gladbeck – dieser Name steht nicht nur für Ruhrpott-Idylle, sondern weckt bei vielen auch Erinnerungen an das berüchtigte Geiseldrama von 1988. Teutonic Slaughter, Thrash-Metal-Vierergespann aus eben jener Stadt, haben sich diese düstere Episode geschnappt und direkt in ihrem neuen Album Cheap Food verarbeitet. Ein gesprochenes Intro schildert die Ereignisse von damals sachlich wie eine Nachrichtensendung – doch die musikalische Antwort lässt nicht lange auf sich warten. Nahtlos brettert das Quartett in den Opener Hostage und macht unmissverständlich klar, dass hier mit Wut, Tempo und einer gehörigen Portion Ironie der lokale Albtraum in puren Thrash verwandelt wird.

Bereits seit 2012 treiben Teutonic Slaughter ihr Unwesen in der Szene und stehen für kompromisslosen Oldschool-Thrash Metal „straight in your face“. Wer auf technische Finessen, progressive Verspieltheit oder abgedrehte Genre-Experimente hofft, ist hier definitiv falsch – das Quartett orientiert sich zwar an seinen Ruhrpott-Idolen (Kreator, Sodom, Violent Force, Darkness), verliert dabei aber nie die eigene Identität. Nach zwei in Eigenregie veröffentlichten Alben (die mittlerweile auf Vinyl vergriffen sind) und unzähligen Live-Einsätzen als Live-Abrissbirne melden sich Teutonic Slaughter 2026 mit ihrem dritten Werk zurück – in teils neuer Besetzung und hörbar weiterentwickelt.

Auf Cheap Food klingt die Band reifer, brutaler und schlicht wuchtiger als je zuvor – aber immer noch zu 100% nach Teutonic Slaughter. Ein Grund dafür ist die ausgezeichnete Produktion von Markus Lübcke (ML Records), die dem Album eine geradezu unglaublich fette Klangwand verpasst. Trotz des druckvollen Mixes bleibt der Sound angenehm räudig und roh; hier wurde nichts steril poliert. Die neue Rhythmusfraktion um Nico (Drums) und Ivan (Leadgitarre) bringt frischen Wind: Vom ersten Schlag an ist ordentlich Dampf im Kessel – präzises Geballer am Schlagzeug und aggressive Riffs treiben die Songs unermüdlich nach vorne. Dazu kommt Philip Krischs giftiger Gesang, eine bissige Mischung aus Keifen und Shouten, der dem Ganzen die bösartige Spitze aufsetzt.

Nach dem furiosen Auftakt lassen Teutonic Slaughter nicht locker. Eine Verschnaufpause oder gar Midtempo-Stampfer sucht man auf Cheap Food vergeblich – das Gaspedal bleibt konsequent durchgedrückt. Trotzdem wird es nie eintönig: Das Songwriting erweist sich als erstaunlich vielseitig innerhalb der eng gesteckten Thrash-Grenzen. Jeder Track hat seine eigenen Erkennungsmerkmale – sei es ein einprägsamer Refrain, ein kurzer Breakdown zum Verschnaufen oder ein Gitarrensolo, das sich ins Langzeitgedächtnis fräst. Mit Witches Rock 'n' Roll spendiert sich die Band sogar eine kleine Zeitreise: Der Titel ihres 2015er Debüts taucht hier als Song wieder auf und wird in neuem Glanz zelebriert. Unterstützt von Gastmusikern im Hintergrundchor (Mitglieder von Assassin, Warrant und Smorrah lassen grüßen) gerät das Stück zur mitgrölbaren Thrash-Party – Hail to the witches rock’n’roll!

Zu den stärksten Nummern des Albums zählt Redistribution: Hier reiht sich ein Nackenbrecher-Riff ans nächste, und man kann sich lebhaft vorstellen, wie im Pit dazu die Fetzen fliegen. Der Song packt (dem Titel nach zu urteilen) ein heißes soziales Eisen an und brettert mit solcher Vehemenz nach vorne, dass an Zurückhaltung nicht zu denken ist. Den krönenden Abschluss bildet Give ’Em Hell, in dem Teutonic Slaughter noch einmal alle Register ziehen. Rasend schnelle Riff-Salven, Doublebass-Attacken und sogar harmonierte Twin-Gitarrenleads im 80er-Stil geben sich hier die Klinke in die Hand. Zum Finale schließt sich dann inhaltlich der Kreis: Mit einem letzten Ausschnitt der Nachrichtensprecher-Berichterstattung klingt das Album – und das Gladbecker Geiseldrama – gemeinsam aus. Dieser Gänsehaut-Moment rundet das Konzept stimmig ab und lässt einen erschöpft, aber begeistert zurück.

Einziger Wermutstropfen dieser Thrash-Völlerei: Manchmal sind die Portionen arg großzügig bemessen. Drei von 7 Songs knacken die 6-Minuten-Marke – was in diesem Genre eher untypisch ist und stellenweise für kleine Längen sorgt. Hier und da etwas straffere Arrangements hätten Cheap Food vielleicht noch bekömmlicher gemacht. Andererseits: Wer sich an der thrashigen Fressorgie gütlich tut, beschwert sich kaum über ein Überangebot. Eher freut man sich, dass es von der rasanten Kost reichlich gibt.

Billig ist an dieser Platte nur der Name: Cheap Food entpuppt sich als wahres Festmahl für Thrash-Fans. Teutonic Slaughter haben sich mit diesem Album selbst übertroffen und setzen ein mächtiges Ausrufezeichen für den deutschen Thrash Metal im Jahr 2026. Grüße gehen raus an Timon Kokott, der auch für Zephyr’s Odem künstlerisch tätig ist und hier das Artwork entworfen hat. Stark!

Anspieltipps:
🔥Hostage
☠️Redistribution
🎸Give ’Em Hell


Bewertung: 8,7 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. Intro
02. Hostage
03. Cheap Food
04. Redistribution
05. Witches Rock’n‘Roll
06. Eviscerating Surgery
07. Fight the Reaper
08. Give em Hell 



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