DISTORTED REFLECTION – Doom Zone (2026)
(10.111) Maik (8,0/10) Epic Doom Metal
Label: Iron Shield Records
VÖ: 27.02.2026
Stil: Epic Doom Metal
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Als ich Iron Shield Records im Dateinamen las, habe ich mir sofort das neue Album von Distorted Reflection an Land gezogen, noch bevor ich weitergelesen hatte, um was für ein Genre es sich hier handelt. Schließlich brillierte dieses Label bisher durchweg mit mich erfreuenden Ohrenschmäusen. Doch was lese ich? Doom Metal? Das ist eigentlich ungewöhnlich für dieses Label, aber man sollte ja immer mal auf unbetretene Pfade ausweichen.
Die Band kommt auch Griechenland, ist erst seit 2022 unterwegs und bringt mit „Doom Zone“ bereits das zweite Langspieleisen heraus. Fleißig, fleißig.
Nun ist die Musik von Distorted Reflection mit der Bezeichnung Doom Metal aber nur unzureichend beschrieben, denn die Hellenen fahren doch eine recht epische Schiene, was vor allem aber auch am Gesang liegt. Zugegeben, hatte ich anfangs etwas Probleme mit den Vocals. Gesangsakrobat Kostas Salomidis tendierte mir da etwas sehr zum Knödeln.
Das baut zwar eine gewisse bardische Epik auf, schiebt die Mucke aber auch etwas in Richtung schwülstigen Pathos'. Zudem sind die Gesangslinien von Song zu Song doch etwas ähnlich geraten, was es etwas schwer macht, die Songs voneinander zu trennen. Die Tatsache, dass der Gesang auch stark in den Vordergrund gemischt ist, lässt die Instrumentenfraktion etwas in den Hintergrund rutschen.
Doch genug gemeckert. Nachdem ich mir die Scheibe nun schon zum fünften Male reinziehe, habe ich mich an den Gesang gewöhnt und kann da etwas entspannter sein. Zumal es ja instrumental gut abgeht. Kostas bedient auch die Gitarre, und mit der zementiert er so richtig fette Riffs in die Botanik. Da mischen sich doomige und epische Momente, und am Ende kommt da doch ein ordentliches Stück Epik Doom dabei heraus.
Scheinbar hat Thomas Dargel, der Boss von Iron Shield, ein besseres Hörempfinden als ich, denn ich brauchte einige Anläufe, mich in die Mucke, insbesondere den Gesang, reinzuhören. Doch sagt man ja nicht umsonst: niemals aufgeben! Und mittlerweile gefällt mir diese Axt sogar recht gut. Die Gitarrenarbeit ist phänomenal, die Drums teils vertrackt und äußerst interessant strukturiert, und letztlich passen auch die Vocals.
„Doom Zone“ ist ein Album, welches wachsen muss. Aber wer sich daran festbeißt, wird bei jedem Durchhören mehr Facetten entdecken. Freunde des Doom Metal werden hier ebenso fündig wie die Epik-Metal-Fraktion. Das Album entbehrt nicht einer gewissen Spur Pathos und medievalistischer Breite, es geht mal gediegen eingängig zu, aber ab und an beschreiten die Griechen auch mal etwas progressivere Pfade.
Zehn Songs plus ein Zwischenspiel („Forecourt To Death“) sind auf der Scheibe, was enorm ist für ein Doom-Album. Distorted Reflection setzen nicht auf überlange Songs, nur zwei Tracks gehen über die Fünf-Minuten-Grenze. Drei Songs bleiben sogar unterhalb von drei Minuten, auch das von mir favorisierte „Certain Death“.
Letztlich finde ich „Doom Zone“ wirklich gut, und warum sollte Musik einen schon beim ersten Hören vom Stuhl kloppen? Ein bisschen Geduld würde uns in der heutigen hektischen Zeit ganz gut tun. Und die Moral von der Geschicht‘, beurteile ein Album nach dem ersten Hören nicht. Das reimt sich zwar, nur das Versmaß hinkt auf drei Beinen. Mea maxima culpa. Man möge mir verzeihen.
Anspieltipp:
💀Certain Death
🎸Diminished
Bewertung: 8,0 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. 3000 A.D.
02. My Second Father
03. Gates Of Paranoia
04. Love On Earth
05. Asphyxiating
06. Certain Death
07. Diminished
08. Tower Of Dreams
09. Forecourt To Death
10. The Final Attempt
11. Morbid Reality

