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DIMMU BORGIR – Grand Serpent rising (2026)

(10.261) Olaf (8,4/10) Symphonic Black Metal Metal


Label: Nuclear Blast
VÖ: 22.05.2026
Stil: Symphonic Black Metal






Manchmal dauert es bei DIMMU BORGIR eben so lange, dass man zwischen zwei Studioalben theoretisch drei Haustiere, eine Midlife-Crisis und einen Bandscheibenvorfall erleben kann. Acht Jahre nach Eonian kriecht mit Grand Serpent Rising nun endlich wieder neues Material aus den norwegischen Nebelwäldern hervor – und natürlich stand schon vor Veröffentlichung wieder die übliche Black-Metal-Sittenpolizei mit verschränkten Armen und Corpsepaint im Kellerflur bereit, um irgendetwas von „nicht mehr true“ zu murmeln. Als ob eine Band, die seit über drei Jahrzehnten konsequent ihr eigenes Ding durchzieht, plötzlich anfangen müsste, sich bei Leuten zu rechtfertigen, die vermutlich noch immer glauben, Stormblåst sei kein Album, sondern eine Religion.

Dabei machen DIMMU BORGIR exakt das, was sie immer am besten konnten: monumentalen, bombastischen, düsteren Extreme Metal erschaffen, der sich irgendwo zwischen frostigem norwegischem Schwarzstahl, cineastischer Größe und einer fast schon dekadenten Melodik bewegt. Dass Shagrath und Silenoz mittlerweile eher wie die dunklen Hohepriester eines eigenen musikalischen Universums wirken als wie irgendwelche Underground-Kellerkinder, gehört längst zur DNA dieser Band. Und genau deshalb funktioniert Grand Serpent Rising trotz kleinerer Schwächen erstaunlich gut.

Schon das eröffnende Tridentium macht klar, wohin die Reise geht. Das Intro ist mit seinen Spoken-Word-Passagen vielleicht etwas zu ausufernd geraten, funktioniert aber als düstere Einstimmung hervorragend. Es fühlt sich an, als würde man eine riesige Kathedrale betreten, während irgendwo im Hintergrund ein Ritual vorbereitet wird und jemand vermutlich gerade ein sehr ungesundes Opfermesser poliert. Danach knallt Ascent direkt wesentlich entschlossener durch die Wand. Genau hier hört man diese gelungene Verbindung aus alten DIMMU BORGIR-Trademarks und der moderneren Ausrichtung der letzten beiden Werke. Shagrath klingt herrlich angepisst, unverkennbar und charismatisch wie eh und je. Egal, wie oft man über die Entwicklung der Band diskutieren möchte – diese Stimme erkennt man unter tausend anderen sofort wieder. Der Song besitzt Druck, Atmosphäre und genau die Art von majestätischer Aggression, die man sich von dieser Band erhofft.

As Seen in the Unseen beginnt fast schon nostalgisch nach Stormblåst-Ära, inklusive flotter Blastbeats und dieser eisigen Melancholie, bevor der Song zunehmend symphonischer wird. Nicht ganz leicht zugänglich, stellenweise sogar etwas sperrig, aber instrumental enorm stark arrangiert. Genau hier merkt man auch, dass Silenoz im Vorfeld davon sprach, man habe bewusst Orchester und Chöre etwas zurückgenommen, damit diese Elemente gezielter wirken. Das tut dem Album tatsächlich gut, weil die Songs dadurch mehr Luft zum Atmen bekommen und weniger in orchestraler Überladung ertrinken.

Leider beginnt danach eine Phase, in der das Album etwas an Griffigkeit verliert. The Qryptfarer bleibt trotz solider Ansätze eher blass und auch Silk Minnes en Alkymist vereint zwar alle bekannten Zutaten der Band, will aber emotional nie komplett explodieren. Das ist ohnehin eines der Probleme von Grand Serpent Rising: Das Album ist verdammt umfangreich geworden. Man hört förmlich, dass ursprünglich Material für deutlich mehr vorhanden war. Silenoz sprach selbst davon, man habe lernen müssen, „kill your darlings“ ernst zu nehmen und Ideen zugunsten des Gesamtwerks zu opfern. Ganz ehrlich? Noch weitere zwanzig Minuten weniger hätten dem Album vermutlich sogar noch besser getan. Manche Stücke wirken weniger wie schlechte Songs, sondern eher wie gute Songs, die sich gegenseitig etwas die Luft nehmen.

Dabei gibt es zwischendurch immer wieder richtig starke Momente. Ulvgjeld & Blodsodel, bereits vorab veröffentlicht, funktioniert ausgezeichnet. Der Song verbindet nordische Atmosphäre, diese typische majestätische Kälte und eine angenehm organische Wucht. Gerade die norwegischen Texte verleihen dem Stück zusätzliche Authentizität. Man merkt, dass die Band hier bewusst auf Herkunft, Erbe und spirituelle Themen setzt. Das wirkt nie kitschig oder pseudo-esoterisch, sondern erstaunlich stimmig.

Repository of Divine Transmutation punktet mit starkem Beat und ordentlich Drive, während die Band mit Phantom of the Nemesis plötzlich komplett den Turbo zündet. Und genau hier beginnt das letzte Drittel des Albums, das dem gesamten Werk beinahe noch die Wertung nach oben reißt. Das Ding ist mein persönlicher Überhit der Platte. Moderne DIMMU BORGIR, ohne ihre Vergangenheit zu verleugnen. Groß, düster, hymnisch und trotzdem aggressiv genug, um alten Fans nicht völlig den Corpsepaint-Lippenstift zu verschmieren.

Direkt danach folgt mit The Exonerated gleich der nächste Volltreffer. Hier verschmelzen oldschoolige Elemente mit moderner Produktion beinahe perfekt. Atmosphärisch dicht, riffstark und mit fantastischem Spannungsaufbau. Genau solche Songs zeigen, warum DIMMU BORGIR trotz aller Diskussionen immer noch eine Klasse für sich sind. Sie schreiben keine simplen Black-Metal-Songs mehr, sondern erschaffen Klanglandschaften, die gleichzeitig zerstörerisch und beinahe elegant wirken. Auch Recognizant ist ein echtes Monster. Unheimliche Elemente, düstere Atmosphäre und ein fast schon filmischer Aufbau sorgen dafür, dass man sich fühlt, als würde irgendwo hinter einem gleich etwas mit Hörnern und schlechter Laune auftauchen. Spätestens hier wird klar: Das letzte Drittel von Grand Serpent Rising ist brutal stark geworden.

At the Precipice of Convergence liefert anschließend einen schweren Midtempo-Nackenbrecher, der live vermutlich einige Bandscheiben in Richtung Walhalla schicken dürfte, bevor Shadows of a Thousand Perceptions wieder etwas zu verspielt wirkt. Da verliert sich die Band stellenweise ein wenig im atmosphärischen Geplänkel. Das abschließende orchestrale Gjoll rundet die Platte dagegen stimmungsvoll ab und schließt das Werk wie einen düsteren Abspann.

Die Produktion von Fredrik Nordström klingt insgesamt organischer und wärmer als vieles im modernen Extreme Metal. Genau das wollte die Band offenbar erreichen. Man hört tatsächlich mehr echtes Spielgefühl statt klinischer Rasterperfektion. Dennoch hätte der Sound stellenweise ruhig noch etwas heavier und dreckiger ausfallen dürfen. Gerade manche Gitarrenpassagen hätten etwas mehr Biss vertragen. Trotzdem ist die Produktion noch immer stärker als ein Großteil vergleichbarer Veröffentlichungen, die heutzutage oft klingen wie frisch aus dem Photoshop-Filter für Schlagzeugtrigger.

Weniger überzeugend finde ich tatsächlich das Artwork. Für eine Band dieses Kalibers wirkt das Cover überraschend gewöhnungsbedürftig und hinterlässt nicht ansatzweise den ikonischen Eindruck früherer Werke. Gerade bei DIMMU BORGIR, die immer auch visuell eine enorme Wucht hatten, hätte ich deutlich mehr erwartet.

Was man der Band allerdings nie vorwerfen kann: Ideenlosigkeit. Thematisch zieht sich diese spirituelle Symbolik rund um Transformation, Erneuerung und das „Häuten der eigenen Existenz“ konsequent durch das Album. Die Schlangenmetaphorik wirkt dabei keineswegs billig oder aufgesetzt. Vielmehr entsteht das Gefühl, dass DIMMU BORGIR nach all den Jahren tatsächlich wieder hungriger geworden sind. Vielleicht liegt genau darin auch die größte Stärke von Grand Serpent Rising: Die Platte klingt nicht nach Nostalgieveranstaltung, sondern nach einer Band, die immer noch etwas zu sagen hat.

Natürlich ist nicht alles perfekt. Die Mitte des Albums verliert etwas an Eingängigkeit, manche Songs verschwimmen zunächst ineinander und das Gesamtwerk hätte kompakter womöglich noch stärker gewirkt. Aber wenn das letzte Drittel derart eskaliert, verzeiht man viele dieser Längen erstaunlich schnell.

Am Ende liefern DIMMU BORGIR kein neues Enthrone Darkness Triumphant und auch keinen nostalgischen Rückfall in alte Tage. Stattdessen erschaffen sie ein großes, finsteres, teilweise überladenes, aber oft faszinierendes Werk voller Atmosphäre, Wucht und nordischer Größe. Und während die selbsternannte Metal-Polizei vermutlich weiter diskutiert, ob das alles noch Black Metal genug sei, marschieren Shagrath und Silenoz einfach grinsend an ihnen vorbei – hinein in den nächsten dunklen Tempel.

ANSPIELTIPS:
🔥Ascent
💀Phantom of the Nemesis
🎸The Exonerated


Bewertung: 8,4 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. Tridentium
02. Ascent
03. As seen in the Unseen
04. The Qryptfarer
05. Ulvgjeld & Blodsodel
06. Repository of divine Transmutation
07. Silk Minnes en Alkymist
08. Phantom of the Nemesis
09. The Exonerated
10. Recognizant
11. At the Precipice of Covergence
12. Shadows of a thousand Perceptions
13. Gjoll 



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