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VENOM – Into Oblivion (2026)

(10.255) Olaf (8,9/10) Heavy Metal


Label: Noise Records
VÖ: 01.05.2026
Stil: Black Heavy Metal






Ach was… Noise Records gibt es noch? Und VENOM offenbar auch. Nicht VENOM Inc., nicht irgendein halbgarer Nachlassverwalter mit rostigem Pentagramm am Schlüsselbund, sondern VENOM mit Cronos am Bass und am Mikro, flankiert von Rage an der Gitarre und Dante hinter der Schießbude. Da sitzt man kurz da wie ein Beamter vor einem funktionierenden Drucker: irritiert, misstrauisch, aber neugierig.

VENOM aus Newcastle upon Tyne sind ja nicht einfach irgendeine Band. Die wurden 1979 aus dem englischen Industrieschmodder gespuckt und haben mit Welcome To Hell und Black Metal nicht nur zwei Alben veröffentlicht, sondern gleich ganze Kellerräume späterer Musikgeschichte tapeziert. Thrash Metal, Black Metal, Death Metal, Extreme Metal im Allgemeinen – ohne diese rabenschwarzen Rabauken hätten vermutlich diverse Gitarrenhelden erst einmal höflich bei Judas Priest weitergeübt, statt der Welt den Schädel aufzuschrauben. Dass ausgerechnet der Titel Black Metal einem ganzen Genre seinen Namen gab, ist bis heute einer dieser Momente, bei denen man sagen muss: Kannste dir nicht ausdenken, hat Cronos aber offenbar einfach gemacht.

Nun also Into Oblivion, das sechzehnte Studioalbum der Band und die erste neue Ladung Schwarzpulver seit Storm The Gates von 2018. Dreizehn Songs, kein Wellness, keine Altersmilde, kein „Wir haben jetzt auch Streicher und ein Konzept über die Vergänglichkeit europäischer Gartenzwerge“. VENOM klingen auf diesem Album wie VENOM klingen müssen: düster, dreckig, rumpelnd, direkt, aber eben nicht mehr wie ein Proberaumbrand mit angeschlossenem Kassettenrekorder. Das hier ist herrlich rotzig produziert, drückt mächtig nach vorne und hat trotzdem genug Kontur, damit einem nicht nur der Staub aus den Boxen rieselt. Roh wie früher ist das natürlich nicht mehr, aber wer 2026 ernsthaft erwartet, dass eine Band exakt klingt wie 1981, sollte vielleicht auch versuchen, seine Steuererklärung mit Runensteinen einzureichen.

Der Einstieg mit Into Oblivion öffnet die Gruft ordentlich, doch schon bei Lay Down Your Soul beschwört Cronos mit dieser unverkennbaren Kehle das Debütalbum herauf, als hätte jemand im Keller aus Versehen wieder die alten Dämonen gefüttert. Diese Stimme ist immer noch kein Gesang im klassischen Sinne, sondern eher eine rußige Ansage aus dem Maschinenraum der Hölle. Und genau das ist gut so. Cronos klingt nicht jung, aber gefährlich. Nicht frisch poliert, aber wach. Nicht modern zurechtgebogen, sondern wie jemand, der seinen eigenen Mythos kennt und trotzdem noch Bock hat, den Verstärker auf „Nachbarschaftsstreit“ zu stellen.

Was Into Oblivion besonders stark macht, ist der Groove. Das Album walzt nicht nur, es schiebt. Es rumpelt nicht planlos durch die Gegend, sondern hat diesen herrlich primitiven, körperlichen Schwung, bei dem man irgendwann merkt, dass die rechte Hand längst Luftgitarre spielt, während der Kopf in einem Winkel nickt, den der Orthopäde später nicht gutheißen wird. Metal Bloody Metal ist dabei DER Groover schlechthin. Ein Song wie ein ölverschmierter Lederhandschuh auf dem Tresen: einfach, effektiv, schwer zu ignorieren. Man & Beast wiederum kann man gefühlt nach dem zweiten Refrain mitgrölen, selbst wenn man vorher noch versucht hat, sich seriös Notizen zu machen. Zwecklos. VENOM gewinnen hier nicht über filigrane Raffinesse, sondern über Haltung, Schlagkraft und diese wunderbare Fähigkeit, stumpf zu wirken, ohne dumm zu sein.

Natürlich ist das alles keine Neuerfindung der schwarzen Messe. Muss es aber auch nicht sein. VENOM waren nie die Band, die mit Zirkel und Skalpell komplexe Klangarchitektur entwirft. VENOM sind eher die Band, die mit brennender Fackel in die Architektur rennt und danach behauptet, das sei genau so geplant gewesen. Trotzdem besitzt Into Oblivion genügend kleine Verschiebungen, um nicht wie Nostalgie auf Rädern zu wirken. Der klassische Achtziger-Spirit ist klar da, aber Rage und Dante sorgen dafür, dass die Songs nicht bloß museal nach Schwefel riechen. Die Gitarren sägen, der Bass grummelt, das Schlagzeug treibt, und alles zusammen klingt wie ein gut geölter Panzer, der im Rückspiegel einen Friedhof mitführt.


Ein kleiner Klumpfuß bleibt allerdings: das Cover. Dieses KI Artwork geht so überhaupt nicht. Gerade VENOM, eine Band mit ikonischer Bildsprache, mit Logo, Symbolik und dieser ganzen schwarzen Aura, kann das besser. Da hätte man lieber wieder jemanden mit Tusche, Wahnsinn und dreckigen Fingernägeln rangelassen. So wirkt die Verpackung etwas nach „Hölle aus dem Grafikgenerator“, während die Musik innen drin deutlich mehr Charakter besitzt. Schade, aber kein Genickbruch. Der Inhalt tritt dem Äußeren glücklicherweise ordentlich in den dämonischen Hintern.

Into Oblivion ist ein starkes Comeback, weil es nicht peinlich versucht, jugendlich zu klingen, sondern genau weiß, woher es kommt. VENOM müssen niemandem mehr beweisen, dass sie wichtig waren. Das haben längst andere Bands für sie erledigt, indem sie ganze Karrieren auf ihren Rußspuren aufgebaut haben. Viel wichtiger ist: Sie beweisen hier, dass sie heute noch mithalten können. Nicht als nostalgische Museumsattraktion mit Staub auf den Hörnern, sondern als Band, die immer noch groovt wie Sau und diese rabenschwarze Keule überzeugend schwingt.

ANSPIELTIPS:
💀Lay Down Your Soul
🎸Man & Beast
🤘Metal Bloody Metal


Bewertung: 8,9 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. Into Oblivion
02. Lay down you Soul
03. Nevermore
04. Man & Beast
05. Death the Leveller
06. As Above so below
07. Kickes outta Hell
08. Legend
09. Live loud
10. Metal bloody Metal
11. Dogs of War
12. Deathwish
13. Unholy Mother 



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