ACID REIGN – Daze of the Week (2026)
(10.249) Olaf (7,9/10) Thrash Metal
Label: Back on Black
VÖ: 15.05.2026
Stil: Thrash Metal
1989 war The Fear für mich kein Album, sondern eher ein kleiner britischer Thrash-Unfall mit Langzeitwirkung: schräg, bissig, kantig und herrlich unamerikanisch. Als ACID REIGN 2019 mit The Age of Entitlement wieder ein Lebenszeichen sendeten, war die Freude groß, auch wenn mich das Ergebnis nicht komplett aus den Latschen geprügelt hat. Aber immerhin: Die Band war zurück auf der metallischen Landkarte. Danach erneut Funkstille, Umbau, Reunion 2025 – und nun steht Howard „H“ Smith als einzig verbliebenes Gründungsmitglied wieder am Mikro. Der Mann ist nebenbei als Stand-up-Comedian Keith Platt unterwegs, doch Daze of the Week ist definitiv kein Witz. Höchstens einer mit sehr spitzen Zähnen.
ACID REIGN klingen auf diesem Album erstaunlich vital. Nicht wie ein nostalgischer Altherren-Ausflug mit Lesebrille und Rückenschoner, sondern wie eine Band, die durchaus noch weiß, wo der Thrash-Hammer hängt. Die Riffs sitzen, die Gitarren haben Biss, und immer wieder schiebt sich dieser rotzige Punk-Charme durch die Tür, als hätte jemand im Proberaum heimlich alten Straßendreck in die Verstärker gekippt. Besonders The Who of You, No Truth, Conniption King und Fantastic Passion zeigen, dass hier nicht nur Tradition verwaltet wird, sondern tatsächlich noch Ideen im Tank sind. Dazu kommen starke Melodien, die nicht klebrig wirken, sondern den Songs Struktur und Wiedererkennung geben.
Textlich bleibt die Band ihrem alten Ansatz treu: Gesellschaftlicher Irrsinn, persönliche Verwerfungen, Lügen, Selbsttäuschung und dieser ganz normale Wahnsinn, den man mittlerweile Alltag nennt. Titel wie Blind Lies, Alonely oder Centre of Everything sprechen da schon für sich. Hier wird nicht mit dem moralischen Zeigefinger herumgefuchtelt, sondern eher mit der rostigen Brechstange an der Fassade der modernen Selbstgefälligkeit gekratzt.
Ganz ohne Gemecker geht es aber nicht, sonst wäre das hier ja ein Werbeprospekt mit Kutte. Die Drums klingen mir zu steril, zu glatt, zu sehr aus dem Labor gezüchtet. Gerade bei dieser Art von Thrash, der vom Schmutz, vom Schweiß und von einer gewissen Räudigkeit lebt, hätte ein organischerer, dreckigerer Sound Wunder gewirkt. So wirkt das Fundament gelegentlich etwas zu sauber gewischt, während obenrum eigentlich die Bierflaschen fliegen sollten. Schade, denn die Songs hätten diesen alten Proberaum-Mief durchaus vertragen.
Trotzdem ist Daze of the Week ein starkes Album geworden. Kein Jahrhundertwerk, kein alles vernichtender Klassiker, aber ein verdammt unterhaltsamer, riffstarker und angenehm bissiger Beweis dafür, dass ACID REIGN 2026 nicht nur von früher erzählen müssen. Howard Smith mag auf Comedy-Bühnen Pointen setzen, hier setzt er Ausrufezeichen. Und auch wenn nicht jeder Schlag sitzt wie ein Volltreffer, bleibt am Ende ein Album, das Spaß macht, ordentlich schiebt und deutlich mehr Substanz hat als viele Reunion-Luftpumpen mit Vintage-Logo.
ANSPIELTIPS:
🔥The Who of You
💀Conniption King
🎸Fantastic Passion
Bewertung: 7,9 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. The Who of You
02. Daze of the Week
03. No Truth
04. Conniption King
05. Alonely
06. Blind Lies
07. Sorrowsworn
08. Old young Man
09. Fantastic Passion
10. Centre of Everything

