SOLEMNITY – Opus Barbaricum (2026)
(10.245) Maik (7,3/10) Melodic Power Metal
Label: DIY
VÖ: 15.05.2026
Stil: Melodic Power Metal
Oh Olaf, was hab‘ ich dir getan? Was mir hier in die Ohren rieselt, ist ja nun mal gar nicht eine der Baustellen, an denen ich vorzugsweise die Schaufel schwinge. SOLEMNITY ist im Grunde ein Ein-Mann-Projekt, wenn ich das richtig verstanden habe. Sven The Axe, der Holzfäller hinter diesem Werk, hat wohl alles auf diesem Album alleine eingespielt. Komischerweise zeigt Metal Archives ein Foto mit vier Typen. Egal, sind wahrscheinlich die Live-Schergen.
Das Album nennt sich „Opus Barbaricum“ und der Teil ‚opus‘ trifft es schon ganz gut, denn der sinfonische Anteil ist doch sehr hoch, während mir das Barbarische etwas fehlt. Will sagen, SOLEMNITY steht für orchestral wirkenden, sinfonischen Bombast-Power-Metal, der auch ein wenig an der Grenze zum Prog Metal herumschippert.
Zu diesem Behufe schnitzte der Mann mit dem Werkzeugnamen schon ein paar ordentliche Riffs in die Bordwand seines Schlachtschiffs. Allerdings verschwinden diese großartigen Holzarbeiten in jeder Menge barockem Stuck mit Putten, Schnörkeln und allem, was man sich sonst noch wünscht.
Demzufolge ist das Ergebnis ein etwas generisch wirkendes Konstrukt, jedoch muss man zugestehen, dass die Songs Drive haben, mitreißen und zu ausgelassener Hüpferei anregen können. Und mit dem Video zu „Meat Evil Steal (A Barbecue Symphony In B-Minor)” hatte mich SOLEMNITY am Haken. Ein bisschen zumindest. Solch schräger Humor trifft bei mir ins Schwarze. Natürlich hat hier wohl auch die KI einige Wörtchen mitzureden gehabt, genauso wie scheinbar beim Coverartwork, welches sehr stark an Boris Vallejo erinnert.
Nun gut, solange der Kollege das nicht bei der Musik auch macht, sollte mir das Wumpe sein. Es kamen mir zwar einige Passagen ein klein wenig bekannt vor, aber das ist heutzutage wohl auch kaum zu vermeiden, wenn man in diesem Subgenre herumgeistert. Teilweise rutschen SOLEMNITY auch mal in Gefilde, die noch mit einem halben Bein im Hard Rock und Heavy Metal der Achtziger zu stehen scheinen, wie zum Beispiel der Song „Escape From The Matrix”. Das alles natürlich in modern-opulenter Soundgewandung.
Nun sitze ich wieder einmal in der Folterkammer für Rezensenten, denn einerseits ist diese LP meisterhaft eingespielt und strotzt vor mitreißenden Melodien. Der objektive Teil von mir möchte jetzt gern, rein vom Handwerklichen her, in die höheren Regale der Punktewertung greifen. Der andere, subjektive und ein wenig bösartige Teil allerdings fühlt sich beim Anhören der Scheibe, als würde er langsam in einer großen Badewanne voller Vanillesoße ersaufen.
Das alles ist mir eben etwas zu glattgebügelt, zu opulent, zu barock. Da fehlt mir, ehrlich gesagt, ein wenig der Rost auf dem hochglanzpolierten Edelstahl. Die Melodien sind zwar schön arrangiert, fallen aber spätestens beim nächsten Song voll aus dem Hirn. Das ist wie wenn man einen Rokoko-Altar anschaut. Einerseits bewundert man die grandiose Handwerkskunst, andererseits möchte man so schnell wie möglich woanders hinschauen.
Siebzehn Songs sind auf „Opus Barbaricum“, was einer Spielzeit von über einer Stunde entspricht. Das ist zumindest value for money. Wer diese Spielart des bombastischen Power Metals liebt, kann ja mal ein Ohr riskieren. Beinhartkrachologen würde ich aber abraten.
ANSPIELTIPS
🔥Meat Evil Steal (A Barbecue Symphony In B-Minor)
🎸Escape From The Matrix
Bewertung: 7,3 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. Nightmares From The Neighborhood
02. The Last Ghostrider
03. Meat Evil Steal (A Barbecue Symphony In B-Minor)
04. Empire In The Underground
05. Escape From The Matrix
06. Freya
07. Cheesecake Commando
08. The Sleeper
09. Bitch With The Bow
10. We Will Shine
11. Storm Of Steel
12. Dragons
13. Drums Of War (Resistance)
14. Idiocracy
15. Gladiator
16. The Way To A Fortunate Wedding (By Henry VIII)
17. Frozen In Time

