SCARAB – Transmutation of Fate (EP) (2026)
(10.237) Phillip (6,2/10) Death Metal
Label: Brutal Records
VÖ: 08.05.2026
Stil: Death Metal
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Death Metal im Speziellen und Metal im Allgemeinen, das ist bekannt, ist Eskapismus par excellence. Du kannst sein und machen, was du willst, solange es echt ist und in Herzblut getränkt ist. Da kannst du als Kapelle aus Bayern auf Wikinger machen, oder eben als Musiknerd aus Florida auf antiker Ägypter. Ob du dann Morbid Angel oder Nile heißt, ist da nebensächlich. Andersherum kannst du Geschichten und Musik deiner eigenen Heimat vertonen. Genau das machen Scarab, die passenderweise aus Ägypten kommen und die Geschichte und Geschichten des Landes vertonen, indem sie die Vorarbeit von den floridianischen Helden aufgreifen und zurück an ihren Ursprung bringen. Und das bereits seit 2006!
Als westlich orientierte Gegend hat Europa an dieser Stelle einen traditionell blinden Fleck. Musik, gar Metal, aus Afrika ist nach wie vor sträflich unterrepräsentiert und fristet eher ein Exoten-Dasein. Dabei passieren hier natürlich spannende Sachen. Teilweise ist hier auch Scarab mitzuzählen. Über vier Tracks verbinden sie die orchestrale und chorale Ästhetik Dimmu Borgirs mit todesmetallischer Riffgewalt und Growls. Die jeweils über sechs Minuten langen Stücke bieten dazu genug Platz zum Austoben und das komplette Geschehen lässt niemals Zweifel an seiner ägyptischen Herkunft aufkommen.
Zu keinem Zeitpunkt liefert die Gitarre ähnlich ab wie Trey Azagtoth oder Carl Sanders, zusätzlich ist sie für mein Empfinden an manchen Stelle zu leise abgemischt, sodass sie mit der Orchestrierung verschwimmen. Apropos, diese bekommt großzügige Glanzmomente spendiert, zum Beispiel im Refrain von Vow of the Sphinx, der großartig in Szene gesetzt ist. Der Masse an Klängen Herr zu werden ist sicherlich eine Herausforderung für jeden Mischer, aber hier ist in allem, was nicht Refrain ist, Luft nach oben. Nicht oben, sondern vorne - und zwar zu weit – sind die Growls platziert, die leider nur in wenigen Momenten in den Sound passen.
Dennoch: Vielseitig interessierte Musikliebhaber dürfen hier unbedingt zwei, dreimal reinhören, denn interessant ist es schon, teilweise sogar spannend. Freunde von ausladender Orchestrierung kommen hier ebenfalls auf ihre Kosten, denn hier gibt’s immer was zum Staunen. Insgesamt lässt meine Faszination ab der Hälfte allerdings nach, weil die Songs es nicht schaffen, die Spannung hochzuhalten. Aber vielleicht geht es euch da anders, denn es ist unbedingt anzumerken, dass es Scarab an Hingabe und Engagement nicht fehlt.
Anspieltipps:
💀Vow of the Sphinx
Bewertung: 6,2 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. Vow of the Sphinx
02. Hands from the Sun
03. Epistle of Secrets
04. Monarch of Violence

