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AVERTAT – Dead End Life (2026)

(10.221) Olaf (8,3/10) Doom Death Metal


Label: Lifeforce Records
VÖ: 24.04.2026
Stil: Doom Death Metal






Eine Tür geht zu, eine andere öffnet sich. Als sich Sebastian Görlach 2024 von seiner bisherigen musikalischen Heimat verabschiedete, war eigentlich sofort klar, dass da noch etwas nachkommt – und zwar nicht irgendetwas Halbgares, sondern ein Projekt mit Substanz, mit Narben und mit dieser ganz speziellen Form von Melancholie, die man nicht künstlich erzeugen kann. AVERTAT ist genau das geworden: kein bloßer Neuanfang, sondern eher ein inneres Zurückkehren zu dem, was ohnehin schon immer da war – nur jetzt ungefilterter, persönlicher und spürbar verletzlicher.

Dead End Life trägt seinen Titel nicht wie eine leere Drohgebärde vor sich her, sondern lebt ihn konsequent aus. Diese Platte wirkt wie ein Blick in Räume, die man normalerweise verschlossen hält – Trauma, Abhängigkeit, emotionale Verwüstung. Schon der Opener Your Hate zieht einem ohne Vorwarnung den Boden unter den Füßen weg. Zeilen wie „I am the child that endures it“ oder „I’ve lost myself for you“ treffen nicht subtil, sondern direkt in die Magengrube. Das ist keine poetische Verklärung von Schmerz, das ist schonungslos.

Was sofort auffällt: Die melancholische Grundstimmung erinnert stark an frühere Tage, aber sie wird hier deutlich erweitert. Viele cleane Vocals schleichen sich in die Songs, ohne jemals aufgesetzt zu wirken. Ganz im Gegenteil – sie tragen diese Songs, geben ihnen Luft zum Atmen, ohne die Schwere zu verlieren. Der Wechsel zwischen tiefen Growls und diesen klaren, fast zerbrechlichen Momenten funktioniert erstaunlich gut und verleiht dem Album eine emotionale Dynamik, die man so nicht alle Tage hört.

Musikalisch bewegt sich das Ganze irgendwo zwischen melodischem Death Metal und erdrückendem Doom, ohne sich klar festnageln zu lassen. Die Songs sind komplex, teilweise verschachtelt, aber gleichzeitig erstaunlich eingängig. Das ist so ein Album, das man nicht nebenbei hören kann, das aber nach ein paar Durchläufen plötzlich vertraut wirkt, ohne sich komplett preiszugeben. Gerade diese Mischung aus Zugänglichkeit und Tiefe macht den Reiz aus.

Thematisch wird es immer wieder unbequem. In [7] geht es um Selbstjustiz und die moralische Grauzone danach – „Who may judge… is it me?“ wirkt wie ein innerer Monolog zwischen Wut und Ohnmacht. Call to Death spielt mit Kriegsmetaphern und entlarvt dabei ziemlich bissig die Mechanik von Manipulation und blindem Gehorsam. Und My Blood ist vielleicht einer der verstörendsten Momente der Platte – diese verdrehte Vaterfigur, die ihre eigenen unerfüllten Träume auf das Kind projiziert, bis hin zu „You will be what I never was“, lässt einen eher unruhig zurück als begeistert.

Dann gibt es diese ruhigeren, fast schon schwebenden Momente wie in The Sea, wo sich alles wie ein Abschied anfühlt – ein Loslassen, das gleichzeitig befreiend und endgültig ist. Und Last Request setzt dem Ganzen die Krone auf: ein beinahe klaustrophobisches Szenario, gefangen im eigenen Körper, unfähig zu kommunizieren, während innerlich alles schreit. „All screams stay within my chest“ – mehr muss man dazu eigentlich nicht sagen.

Was mir allerdings nicht ganz so gut gefällt: Die Produktion ist mir ein Stück zu klinisch geraten. Gerade bei dieser Art von Musik wünsche ich mir mehr Dreck, mehr Tiefe, mehr dieses Gefühl, als würde der Song im Raum stehen und nicht im Rechner berechnet worden sein. Alles klingt sehr sauber, fast schon steril – technisch top, emotional aber manchmal ein kleines bisschen auf Distanz. Und trotzdem funktioniert das Album. Weil die Songs stark sind. Weil die Atmosphäre trägt. Und weil man spürt, dass hier jemand nicht einfach Musik macht, sondern etwas verarbeitet. Diese Platte ist kein Schnellschuss, sondern ein bewusst gesetztes Statement.

Am Ende bleibt bei mir ein Eindruck irgendwo zwischen Respekt und vorsichtiger Begeisterung. Dead End Life ist kein Album, das dich mit offenen Armen empfängt – es zieht dich eher langsam hinein und lässt dich dann allein mit dem, was du dort findest. Es ist komplex, melancholisch, teilweise schwer verdaulich, aber gleichzeitig erstaunlich zugänglich. Die klinische Produktion nimmt ihm ein wenig von der emotionalen Wucht, die eigentlich drinsteckt, doch das vorhandene Potential ist unübersehbar.

Ich bin ehrlich gespannt, ob AVERTAT diesen Weg weitergehen. Denn wenn sie beim nächsten Mal noch ein wenig mehr Mut zur Unperfektion zeigen, könnte das hier der Anfang von etwas richtig Großem sein.

Anspieltipps:
🔥Your Hate
💀My Blood
🌊The Sea


Bewertung: 8,3 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. Your Hate
02. [7]
03. Call to Death
04. My Blood
05. The Sea
06. Last Request 



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