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CRIMSON GLORY – Chasing the Hydra (2026)

(10.207) Olaf (7,0/10) Heavy / Power Metal


Label: Bravewords Records
VÖ: 17.04.2026
Stil: Heavy / Power Metal






Es gibt so Alben, bei denen man schon vor dem ersten Ton weiß, dass sie es schwer haben werden. Nicht, weil die Band es verlernt hätte – sondern weil die eigene Vergangenheit wie ein übermächtiger Schatten im Raum steht. CRIMSON GLORY veröffentlichen mit Chasing the Hydra ihr erstes Lebenszeichen seit gefühlten Ewigkeiten – genauer gesagt seit 26 Jahren. Und wenn man ehrlich ist: Allein diese Zahl sorgt schon für eine gewisse Ehrfurcht… und ein bisschen Nervosität.

Ich erinnere mich noch gut an meine ersten Berührungspunkte mit Transcendence. Diese Stimme, dieses Mystische, diese fast schon entrückte Aura – das war kein gewöhnlicher Heavy Metal, das war Kunst mit Gänsehautgarantie. Und genau da liegt das Problem: Wie zur Hölle will man an etwas anknüpfen, das so einzigartig war, dass es sich bis heute jeder Vergleichbarkeit entzieht?

Die Antwort ist ebenso nüchtern wie ehrlich: Gar nicht.

Und genau das versuchen CRIMSON GLORY hier auch nicht wirklich – zumindest nicht erfolgreich.

Dass mit Ben Jackson, Jeff Lords und Dana Burnell noch immer drei Fünftel der klassischen Besetzung an Bord sind, ist zunächst einmal ein starkes Statement. Dazu kommt mit Travis Wills ein Sänger, der technisch absolut auf der Höhe ist. Der Mann kann singen, keine Frage. Er trifft die Töne, er transportiert Emotionen, er macht seinen Job. Aber genau da beginnt das Dilemma: Früher reichte ein einziger Ton von Midnight, und du wusstest sofort, wer da singt. Heute? Da könntest du mir zehn Bands vorspielen – ich würde bei CRIMSON GLORY vermutlich danebenliegen.

Das ist keine Kritik an Wills als Sänger, sondern eher ein Hinweis darauf, wie unfassbar prägend Midnight war. Diese Lücke ist kein Krater – das ist ein schwarzes Loch.

Musikalisch bewegt sich Chasing the Hydra in einem Spannungsfeld zwischen klassischem US-Metal, dezenten Prog-Anleihen und einer Produktion, die angenehm modern, aber nicht steril wirkt. Die Gitarrenarbeit ist sauber, teilweise sogar wirklich stark, mit schönen Leads und Melodiebögen, die an alte Zeiten erinnern, ohne sie zu kopieren. Gerade im Titeltrack Chasing the Hydra oder auch in Indelible Ashes blitzt dieses alte Flair immer mal wieder durch – wie ein vertrauter Geruch, den man lange nicht wahrgenommen hat.

Doch genau diese Momente bleiben… Momente.

Was dem Album fehlt, ist diese zwingende Dramatik, dieses Gefühl, dass gleich etwas Großes passiert. Stattdessen plätschert vieles auf einem soliden, aber eben auch erstaunlich braven Niveau dahin. Angel in my Nightmares etwa hat alle Zutaten für einen Hit – starke Hook, gutes Tempo, eingängige Struktur – aber irgendwie bleibt er nicht hängen. Man nickt zustimmend, vielleicht wippt man sogar mit dem Fuß, aber dieses „Verdammt, den muss ich nochmal hören“-Gefühl bleibt aus.

Thematisch bewegt sich das Album im bekannten Kosmos zwischen inneren Dämonen, Schicksal und existenziellen Fragen. Zeilen wie „I walk the line between fear and fate“ oder „ashes remain where dreams once lived“ spiegeln diese melancholisch-düstere Grundstimmung gut wider, ohne sich in Klischees zu verlieren. Das passt zur Musik, wirkt durchdacht – aber auch hier fehlt ein wenig der letzte Biss, der das Ganze wirklich unter die Haut gehen lässt.

Was man der Band zugutehalten muss: Sie versuchen nicht, sich krampfhaft neu zu erfinden oder modernen Trends hinterherzulaufen. Das hier ist ein ehrliches Album von Musikern, die wissen, wo sie herkommen. Aber genau diese Bodenständigkeit wird ihnen ein Stück weit zum Verhängnis. Wo früher Magie war, ist heute Handwerk. Gutes Handwerk – aber eben „nur“ Handwerk.

Und trotzdem: Es wäre unfair, dieses Album als Enttäuschung abzutun. Dafür ist es zu solide, zu durchdacht und stellenweise auch zu stark. Es fehlt nur dieser eine Moment, dieser eine Song, dieser eine Gänsehaut-Auslöser, der aus „gut“ wieder „unvergesslich“ macht. Am Ende bleibt ein Werk, das man respektiert, vielleicht auch gerne hört – aber nicht lieben wird wie die alten Klassiker. CRIMSON GLORY sind zurück, keine Frage. Aber die Hydra, die sie hier jagen, ist vielleicht einfach ein Gegner, den man nicht mehr bezwingen kann – nämlich die eigene Legende.

Anspieltips:
🔥Chasing the Hydra
🎸Beyond the Unknown


Bewertung: 7,0 von 10 Punkten


TRACKLIST

01. Redden the Sun
02. Chasing the Hydra
03. broken together
04. Angel in my Nightmares
05. Indelible Ashes
06. Beyond the Unknown
07. Armor against Fate
08. Pearls of Dust
09. Triskaideka 



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