SIDEBÜRNS – Beer Füeled Bastard (EP)(2026)
(10.189) Maik (8,0/10) Punk Rock
Label: D.I.Y.
VÖ: 10.04.2026
Stil: Punk Rock
Sideburns nennt man ja diese ohrenseitig angebrachten Haarparts, welche Kopfbehaarung mit eventuellem Bartwuchs verbinden, allerdings auch mal als Alleinstellungsmerkmal fungieren können. Komischer Name zwar, aber das deutsche Wort Koteletten ist noch um einen Zacken dussliger. Aber egal, dieses Haarmodeaccessoire passt vorzüglich zum Rock’n’Roll der 60er und 70er Jahre, und somit dürfte der Name SIDEBÜRNS – oginool mit Metal-Umlaut- mehr als passend sein für eine Band, die sich im Bereich Rockmusik und Punk musikalisch austobt.
Die Band soll ja schon etliche Jahre auf dem Buckel haben, war mir aber bislang nicht bekannt. Das hat sich nun geändert, da ein gewisser Chefredakteur mir die neue EP des Trios in den Ordner gehievt hat. „Beer Füeled Bastard“ nennt sich das Teil und enthält einen von Bier angetriebenen Bastard (sic!) aus Rock’n’Roll, Punk und Metal.
Es darf also benzingeschwängert gerockt werden und das geht mit dem Opener „All In“ auch gleich zünftig los. Dem Song wohnt eine satte MOTÖRHEAD- Kante inne, und der Sänger hat auch eine der Thematik zuträgliche, schön besoffen klingende Voice. Ralf Sideburn nennt sich der Kollege, der außerdem auch noch die Gitarre bedient.
Wie man sieht, ist mal wieder Pseudonymrunde, denn die Bassistin, die sich auch mal gesanglich einbringt, nennt sich Katja BaroneSS, während der Schlagzeuger auf den Namen Ronny G. Hämmer (echt jetzt!) hört.
Das biergetriebene Triumvirat lässt es auch richtig krachen und man fühlt sich gleich ein paar Jahrzehnte zurückgespult, als amerikanische Musclecars und langhubige Motorräder fossile Brennstoffe verbrannten und zusammen mit Alkoholdunst und Zigarettenrauch ein einzigartiges, jedoch heute sehr verpöntes Odeur ergaben.
Das mag ja nicht zu Unrecht so sein, denn all diese Ingredienzen stellen für sich allein gestellt schon mal eine Chance zum frühzeitigen Ableben dar, aber zumindest hatte man dabei seinen Spaß, und wenn man sich dann noch solche Mucke in die Lauschtrichter rieseln lässt, steht dem auch nichts entgegen. Das soll aber nicht heißen, dass man die Mucke von SIDEBÜRNS nicht auch genießen kann, während man mit einer Matcha Latte in der Hand, am Salbeibonbon lutschend auf seinem Elektroscooter herumschnörbelt.
Dabei schaffen es die drei Rockschergen und -innen, dass die Songs auch noch recht verschieden klingen. Da ist mal eher, wie gesagt, MOTÖRHEAD in der Nähe, mal wird es richtig treibend metallisch, mal rein punkrockmäßig, wie in „Lifestyle“, bei dem Katja auch mal in den Gesangsaufnahmebehälter orgelt, oder es gibt mal eine kurze Blueseinlage wie in „Hit The Ground“ oder es wird eine fette Metalkiste wie der quasi Titelsong „Whiskey Driven Beer Fueled Bastard“ auf die Piste gebracht.
Das alles schön dreckig, rotzig, räudig, aber sauber produziert, dass es auch so richtig knallt. Da ist die Party nicht nur angesagt, sondern schon voll im Gange. Das Scheibchen hat nur einen Nachteil, es ist sauschnell vorbei - was EPs ja zumeist sowieso sind -, aber das schreit förmlich danach, den früheren Veröffentlichungen von SIDEBÜRNS auch mal ein Ohr zu leihen. Wer auf Partyrock ohne Schnörkel und Firlefanz abfährt, außer Rock und Metal auch mal Punk goutiert, sollte sich hier unbedingt mal dran längshören.
Anspieltipp:
🎲 All In
🍺 Whiskey Driven Beer Fueled Bastard
Bewertung: 8,0 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. All In
02. Not What Used To Be
03. Lifestyle
04. Hit The Ground
05. Whiskey Driven Beer Fueled Bastard

