UNEARTHLY RITES – Torturing Symphony oft he Flesh (2026)
(10.188) Phillip (7,9/10) Death Metal
Label: Svart Records
VÖ: 03.04.2026
Stil: Finnen- Death Metal
Wer sich regelmäßig finnischem Death Metal ausgesetzt sieht, der weiß, was beim Zweitwerk von Unearthly Rites zu erwarten ist. Oder hofft vielleicht, es zu wissen. Denn natürlich werden hier liebgewonnene, eigenständige Trademarks bedient, die im Land der Tausend Seen zum guten Ton gehören. Also mal ehrlich, dass wir es hier nicht mit einer superklaren Hochglanzproduktion zu tun bekommen, dürfte bereits nach einem Blick auf das Logo offensichtlich sein.
Und so ist es auch. Ab dem ersten Klang ist es, als würde man permanent mit Dreck beworfen werden. Aber nicht, weil es nicht anders möglich ist, sondern weil man es genau so will. Dazu der übersteuerte Gesang, der stilecht hauptsächlich in Finnisch eingespielt ist. Überprüfen kann ich das nicht, zumindest nicht mit meinen Ohren. Du viehisch vorgetragenen Geräusche ähneln jedenfalls keiner Sprache, die ich beherrsche und könnten genau so gut aus einer nahezu menschenleeren und abgeschiedenen Alpenregion stammen wie aus dem hauptsächlich von Mücken bewohnten Gegenden Finnlands. Die Scheu, einfach mal mitzugrunzen oder zu fauchen ist also gering, das ist doch schön.
Doch das Wesentliche passiert zwischen den Vokaleinsätzen. Hypnotisch-repetitive Gitarren schlagen immer wieder auf die Hörerschaft ein und sorgen innerhalb der Songs für die Momente, die einen vergessen lassen, dass das, was man hier zu hören bekommt ziemlich hässlich ist. Gönnt euch etwa Metalli, liha, kone, das in der zweiten Hälft Richtung schimmlige Trouble driftet. Oder das nicht enden wollende letzte Stück, das sich nachdrücklich ins Gedächtnis hämmert.
Fühlt es sich zu Beginn noch so an, als würde in jedem Moment entweder das Tonausgabegerät der Wahl oder eben das einzuspielende Instrument kurz vor dem Auseinanderbrechen sein, so gewöhnt man sich schnell an die eher begrenzte stilistische Bandbreite von Unearthly Rites. Das ist beileibe kein Makel, viel eher schaffen es die finnischen Fünf innerhalb dieser Enge so etwas wie Abwechslung zu schaffen. Da ertönen mal hard rockende und mit Soli versehene Parts (Tuonen tulijat, manan menijät) oder, und das auch recht häufig und stets gut, stampfende Groover (Solstice zum Beispiel). Zwei Zwischenspiele (A Stygian Winterscape und Not For The Weak) lockern diesen lärmenden Morast auf, bis Unearthly Rites wieder drauf los dreschen und der Song dann sehr organisch wie ein Darm mit Eigenleben (ja, liebe Biologen, ich weiß, dass der Darm sowas wie ein Eigenleben führt) in eine andere Richtung wächst. Dissonant-sphärisch trifft auf gnadenlos doomig groovend.
Wer etwa auf Morbific steht, oder Galvanizer auch mal langsamer hören möchte, sollte hier mal antesten. Auch Anatomia oder Undergang geben eine gute Referenz ab. Mir, persönlich, taugt das insgesamt ganz gut. Insbesondere wenn in der zweiten Albumhälfte die Songs an Länge gewinnen und sich ausbreiten können wie ein Krebsgeschwür. Der Nachteil ist, dass die Songs allgemein eher hektisch starten, man diese Parts aber ziemlich schnell ad acta legt, sobald es zäh groovt. Hier zeigt sich dann die Bannwirkung, die Unearthly Rites auszeichnet, und das dann am Ende fast ohne Vocals.
Anspieltipps:
💥 Solstice
☠ Metalli, liha, kone
⛓ The Notion of Emerging Totalitarianism
Bewertung: 7,9 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. Tuonen tulijat, manan menijät
02. Sokli Fields Forever / A Radiative Picnic
03. Solstice
04. A Stygian Winterscape
05. Tortural Symphony of the Flesh
06. Ignis fatuus
07. Metalli, liha, kone
08. Absurd Transgression
09. Not for the Weak
10. The Notion of Emerging Totalitarianism

