MAGEFA - Legion (2026)
(10.288) Olaf (6,0/10) Death Metal
Label: Magefa Metal Rec./Cudgel
VÖ: 05.06.2026
Stil: Death Metal
2021 war ich bei MAGEFA tatsächlich noch guter Dinge. Exenteration wirkte ambitioniert, hungrig und hatte bei uns sogar einen New Breed eingesackt. Da dachte ich: Aus den Hessen könnte noch etwas werden. Frankfurt, Death Metal, hebräischer Bandname für „Seuche“, dazu diese Mischung aus Krieg, Verfall, Pathologie und stumpfer Gewaltromantik – das klang auf dem Papier nach einem ordentlichen Schädelöffner mit rostigem Operationsbesteck. Nach zwölf Jahren Bandgeschichte liegt mit Legion nun der erste Longplayer auf dem Tisch. Und leider muss ich sagen: Der Patient lebt, aber tanzt nicht gerade Polka auf dem Seziertisch.
Technisch ist bei MAGEFA vieles vollkommen in Ordnung. Kai trommelt sauber, Kevin röhrt und sägt sich ordentlich durch die Materie, Andreas und Nico geben dem Material das nötige Fundament, und grundsätzlich weiß die Band, wie Death Metal funktionieren muss. Nur ist „funktionieren“ eben nicht automatisch „zünden“. Legion marschiert mit schweren Stiefeln durch bekannte Schlachtfelder, tritt dabei aber viel zu häufig in Fußspuren, die andere Bands vor Jahrzehnten tiefer, dreckiger und eindrucksvoller hinterlassen haben. Alte Deicide, etwas Morbid Angel, eine Prise stumpfer Kriegswalze, ein bisschen Groove, ein bisschen Verwesung – fertig ist die Metzgerei. Das Problem: Der Laden riecht vertraut, aber die Wurst hat kaum eigene Gewürze.
Dabei will das Album groß wirken. Der Pressetext spricht sinngemäß von einer nach zehn Jahren geschärften Maschine, von einem Statement, von einer zusammenhängenden Erzählung über Krieg und menschlichen Zerfall. Inhaltlich passt das auch: Back to the Front, Bombs over Europe und War on Innocence rollen mit eindeutiger Thematik an, während Pathology Calls und Rotting Away eher den medizinisch-morbiden Keller aufschließen. Nur musikalisch entsteht daraus zu selten eine wirkliche Bedrohung. Es knallt, es schiebt, es röchelt, aber es überrascht kaum. Wo andere Bands mit einem Riff den Sargdeckel zuschlagen, legen MAGEFA ihn ordentlich daneben und erklären, wo die Nägel liegen.
Der Titeltrack Legion setzt solide den Ton, ohne wirklich die Hölle aufzureißen. Death Walz hat zumindest diesen leicht schiefen, stampfenden Charakter, der kurz aufhorchen lässt, während Pathology Calls zu den stärkeren Momenten gehört, weil die Band hier etwas zielgerichteter agiert. Rotting Away und Back to the Front profitieren hörbar davon, dass sie bereits vorher existierten und nun neu eingepasst wurden. Das wirkt routinierter, aber eben auch nicht zwingend frischer. Gegen Ende schaffen War on Innocence und Overdose noch einmal etwas Druck, doch der große Schlag in die Magengrube bleibt aus. Man nickt anerkennend, aber man sucht nicht panisch nach dem nächsten Notausgang.
Was MAGEFA fehlt, ist nicht Können, sondern Charakter. Die Band ist brutal genug, präzise genug und stilistisch sicher genug, um keinem Anfängerfehler zum Opfer zu fallen. Doch Legion klingt über weite Strecken wie ein Bewerbungsschreiben an die alte Schule des Death Metal, nur leider ohne den Satz, der hängenbleibt. Für ein Debüt nach dieser langen Vorgeschichte ist das zu wenig Eigenständigkeit und zu viel „haben wir schon besser gehört“. Die erwähnten über 850.000 Spotify-Streams und der Support für Obituary in Frankfurt zeigen zwar, dass die Band live und im Umfeld durchaus etwas bewegt. Auf Platte aber bleibt der Funke diesmal eher ein feuchtes Streichholz im Leichenkeller.
Am Ende ist Legion kein Totalausfall, sondern ein handwerklich solides Death-Metal-Album mit zu wenig eigener Handschrift. Wer einfach nur alte Schule, Kriegsthematik, Verfall und ein paar ordentliche Grooves sucht, wird hier nicht fluchtartig den Raum verlassen. Wer nach zwölf Jahren Bandgeschichte aber einen echten Befreiungsschlag erwartet hat, bekommt eher einen mittelprächtigen Angriff mit stumpfem Bajonett. MAGEFA können spielen, keine Frage. Jetzt müssten sie nur noch Songs schreiben, bei denen man nicht ständig an die Bands denkt, die das alles schon mit mehr Wahnsinn, mehr Dreck und mehr Wiedererkennungswert erledigt haben.
ANSPIELTIPS:
💀Death Walz
⚔️War on Innocence
Bewertung: 6,0 von 10 Punkten
TRACKLIST
01. Legion
02: Death Walz
03. Pathology Calls
04. Rotting away
05. Back to the Front
06. Bombs over Europe
07. War on Innocence
08. Overdose

